Raum 2


Pioniere der Mehrfachohrlöcher in westlichen Kulturen

Diana


Diana ist eine heute über siebzigjährige Frau, die beschloß ihre Piercings selber auszuführen, da sie merkte, das sie sich eher selber Schmerzen zufügen konnte, als sie sich von anderen bereiten zu lassen. Außerdem war es nebenbei auch weniger kostspielig.
Im Jahre 1950, im zarten Alter von zwanzig Jahren trug sie zwei Paar Ohrstecker, während sie als Pflegerin auswärts arbeitete.
So etwas war vor mehr als vierzig Jahren nur dann toleriert, wenn es sich um Stecker handelte und nicht um Ohrhänger oder Ringe, denn die wurden als störend im Dienst empfunden. Mehr als die beiden Paare wurden nicht gestattet.
Einige Jahre später als Diana als Bardame arbeitete hatte sie mehr Ohrlöcher, neun in jedem Ohr.
Sie wurde aufgrund ihres damals sehr ungewöhnlichen Stils zum Gesprächsthema. Dianas Ohrattraktion wurde zum Anziehungspunkt am Tresen der Bar. Sie setzte das selber stechen mit der Nadel und Eisblockbetäubung solange fort bis sie beschloß etwas unüblichere Plätze für Piercings zu wählen, nahm sie die Hilfe eines Juweliers in Anspruch, der die Pistolenmethode anwandte... Heute ist Diana eine 59 jährige Mutter [Der Text ist von 1989 Anm. d.Übers.] von zwei Kindern und 5 Enkeln. Sie ist immer noch etwas unangepaßt gestyled mit ihrem Nasenstecker und dem Tragus Ohrstecker...


ETHEL GRANGER geschrieben von WILL GRANGER

Die folgende Geschichte wurde von aus Briefen rekonstruiert, die Will Granger (gest.1967) schrieb. Er beschreibt seine Erlebnisse mit Ethel Granger, die 1982 verstarb. Ethel und Will war ein Englisches Ehepaar, die in Petersborough lebten, wo sie in den späten zwanziger Jahren Heirateten. In der Mitte des dreißiger Jahre, reduzierte sie ihre Taille von 26 ´´ auf 16, später 13´´, wofür sie im Guiness Book of World Records eingetragen wurde. Ebenfalls hatte sie mehrfache Ohrlöcher und Nasenpiercing als diese extrem selten zu sehen waren. Es muß Ethel eine Menge Mut und Überwindung gekostet haben ihre Wespentaille und ihren Schmuck öffentlich zutragen in ihrer Zeit. Sie war eine Pionierin und große Dame !

Es gibt eine Menge von kuriosen Dingen in dieser Welt und eines der Probleme ist es andere Menschen zu treffen, die sich für die gleichen Dinge interessieren und mehr darüber lernen möchten. Nun ich habe das Glück gehabt, kurz nachdem ich Ethel traf ein Magazin zu entdecken, das sich mit so bizarren Dingen die mich interessierten wie Gummikleidung und dominante Frauen beschäftigte. Diese Publikation war das " London Life". Es wollte zwar die Leser nicht zusammenbringen sondern nur in Kolumnen und Beiträgen ein austauschen ermöglichen. Über Enganliegende Lederkleidung, "High heels", Ohrpiercing, Nasenringe, Brustringe, Tatoos und Chinesisches Fußbinden wurde beschrieben. Als ich Ethel kennenlernte, war sie ohne Korsage und ohne Ohrringe. Aber schon bald ließ ich sie wissen, das ich mich für diese Dinge interessierte. Eines der ersten Dinge, die ich tat, war ihre Ohrlöcher zu stechen und kurz darauf trug sie ein wirklich eng geschnürtes Korsett. Sie bemerkte, das der Schmerz, den sie ertrug das Interesse für Sie steigerte und so zurückgezahlt wurde. Viele Jahre lang wollte sie ihre wirklich enge Taille nicht öffentlich zeigen aber sie trug sehr hohe Absätze und schwere Ohrringe. Ich machte ihr weitere Ohrlöcher und stach ihr ein Septum- Nasenring. Ich fand immer hübschere Korsagen und auch Schuhe für sie. Ich sagte Ethel damals, das ich ihre Brüste und Nasenflügel gerne Durchstechen würde und einige Jahre später fand ich einen Weg es ohne großes Aufsehen zu erregen zu machen. Tatsächlich, ich selber der ihre Wespentaille sehr mochte, wollte nur widerwillig mit ihr gesehen werden wenn sie offen zu sehen war. Nachdem ich meine Nervosität überwunden hatte und die Wespentalliengürtel in Mode kamen, war sie eine Sensation. Als ihre Ohren dann am ganzen Rand entlang durchstochen waren, störte uns zunächst das angestarrt werden anderer Leute, aber wie bei den Nasenflügelsteckern, gewöhnten wir uns schnell daran. Zunächst trug sie sie nur in London nach Einbruch der Dunkelheit. Später auch bei unseren Autoausflügen auf das Land. Wir genossen oft die Reaktionen, die sie damit hervorrief. Später trug sie ihren Schmuck überall in der Öffentlichkeit und sie dachte darüber auch gar nicht mehr nach... Ethel trug später 5/16´´ Löcher in ihren Ohrläppchen und weiter alle Stecker am Ohrrand. Sie nahm sie nur zum Reinigen alle 2-3 Monate heraus.

Übersetzung aus dem englischen von Nena
[The Eye of the Needle von Pauline Clarke ;2. Edition von 1994; ISBN 0 9521175 0 9 Pauline Clark, 153 Tomkinson Road; Nuneaton Warks CV 10 8DP]


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