"Um Ohrringe und überhaupt Ohrgehenke
zu tragen, muß man die Ohrläppchen durchbohren wenn man keinen
Ohrendraht, welcher doch etwas unbequem ist, anlegen will"
schreibt Johann Georg Krünitz 1807 in einem Artikel zum Ohrring.
J.G.Krünitz:Enzyklopädie,Art.Ohrring,105.T.1807,S.57.
Vor der gleichen Entscheidung sind Personen- seien es nun Frauen oder Männer- auch heute gestellt, wenn sie sich zum Ohrringtragen entschlossen haben. Eine große Zahl von Frauen, die das Durchstechen der Ohrläppchen als Körperverletzung ablehnt, steht mit dem Clipverschluß insbesondere beim Modeschmuck heute eine praktische Alternative zur Verfügung, die man im 19. Jahrhundert nicht kannte. Für die gleiche Gruppe von Ohrringträgerinnen haben sich Junge Goldschmiede vielfältig gestaltete Ohrreifen zum Einhängen in die Ohrmuschel ausgedacht als Alternative zu den Klappbrisuren. Eine interessante Parallele zum 19. Jahrhundert sind die Ideen moderner Goldschmiede, die ohne Kenntnis des bei Krünitz erwähnten Ohrendrahts auf der Suche nach einem sicheren Verschlußsystem für lange Ohrringe mit Bügeln eine vergleichbare Lösung fanden.
..... Im Gegensatz zur heutigen Methode, Löcher mit der Druckpistole schnell und vor allem schmerzfrei ins Ohr zu "schießen" war das Durchstechen der Ohrläppchen in der Vergangenheit immer mit einer kleinen "Operation" verbunden, die für den Patienten nicht ohne Schmerzen verlief und überdies vielfach langandauernde Entzündungen verursachte. Ein anschauliches Bild davon, wie Ohrlochstechen zu Beginn des 19. Jahrhunderts vorgenommen wurde, gibt die folgende Schilderung von J.G. Krünitz in seinem bereits erwähnten Artikel zum Ohrring
" Da wegen der Länge er Zeit die
Ohrläppchen, besonders wenn schwere Ohrgehenke getragen werden,
durch die allzugroße Ausdehnung leicht durchgerissen werden
können : so muß man die Löcher so hoch oben als möglich ist,
machen, und die Stelle vorher mit Tinte bezeichnen. Indem nun die
Person sitzt und ein Gehülfe ihren Kopf unterstützt, so dehnt
der Wunarzt das Ohrläppchen über einem untergelegten Kork aus
und durchbohrt sodann dasselbe mit einem nadelförmigen
Instrumente. Sodann zieht er solches zurück, wie es bey der
gewöhnlichen Art geschieht, nimmt den Kork weg, und steckt durch
die gemachte Oeffnung einen Bleydraht welcher darin gelassen, und
täglich, wenn man ihn zuvor mit Oehl bestrichen hat, hin und
gezogen wird, wodurch das Loch in kurzer Zeit schwielicht gemacht
wird. Dieses nadelformige Instrument muß aber eigentlich wie
eine kleine Spicknadel gestaltet seyn und am Ende den kleinen
Bley- oder Golddraht eingesteckt enthalten, damit man es nicht
wieder zurückziehen darf, sondern gerade durchziehen kann,
welches nicht so viele Umstände und Schmerzen macht, als wenn
man es herauszieht und dann den Draht einsteckt. Einen seidenen
Faden im Ohrloche zu lassen, bis es ausgeheilt ist, taugt gar
nicht, indem die Seide das Heilen mehrere Wochen verhindert, und
viele Eiterung und Schmerzen verursacht.-Bequemer und mit weniger
Schmerzen kann man die Operation verrichten, wenn man sich zu
selbiger eigener Instrumente bedient, mittelst welcher das
Ohrläppchen ausgespannt, und gegen den Schmerz bey der
Durchbohrung ganz unempfindlich gemacht wird. J.G.Krünitz:Enzyklopädie,Art.Ohrring,105.T.1807,S.5f.
Spezielle Instrumente zum Stechen von Ohrlöchern waren schon
lange vor der Beschreibung bei Krünitz 1807 bekannt und kamen
offenbar Ende des 17. Jahrhunderts auf. 1693 erwähnte der Autor
des Chirurgischen Werks "Handgriffe der Wund-Artzney",
Cornelius Solingen, ein neues von ihm kostruiertes Gerät zum
Stechen von Ohrlöchern. L.Weiser-Aal Orerringer, S49:
Wenn das Gerät auch nicht näher beschrieben wird, so ist anzunehmen, daß es sich dabei um eine ähnliche Zange handelt, auf die auch 1740 Zedlers Universallexikon eingeht. Mit diesem Instrument, wurde das Ohrläppchen zunächst zusammengedrückt, um es so unempfindlich gegen Schmerzen beim anschließenden Stich mit der Nadel zu machen, um auf diese Weise zu erreichen," daß das Loch fein gerade werde" J.H.Zedler:Universallexikon,Art.Ohren zu durchstechen,25.Bd.,1740,Sp.1050
Auch während des 19.Jahrhunderts blieb die
Ohrlochzange in Gebrauch. Form und Anwendung derselben beschreibt
ausführlich ein 1865 erschienenes Hauslexikon:"Um die
Ohrlöcher dazu in ganz gerader Richtung zu stechen, bedient man
sich zweckmäßig einer kleinen elastischen Zange, welche wie
eine Zuckerzange gestaltet und an den äußersten Enden mit
flachen Stahlplättchen versehen ist, die gleichmäßig
durchbohrt sind. Mit diesen durchbohrten Plättchen wird das
Ohrläppchen gefaßt, und zwar so, daß die Öffnung genau auf
die Stelle kommt, wo das Loch eingestochen werden soll. Darauf
sticht man mit einer vorher mit Öl bestrichenen Nadel durch die
Löcher der erwähnten beiden Plättchen, welche das Ohrläppchen
gefaßt haben. Hauslexikon,Art.Ohrringe,6.Band 1837,S.178.
ob es sich bei einer von Wiener Goldschmieden 1865 verwendeten
Stechmaschine noch um eine solche einfache Zange handelte, läßt
sich nicht mit Sicherheit sagen. K.M.Klier:Rezension
L.Schmidt,S.215.
Zumindest gehörten Ohrlochstecher in Zangenform neben technisch
fortschrittlicheren Geräten noch 1958 zum Sortiment eines
Großhandels für Goldschmiedebedarf in Bad Cannstatt Katalog
W.Woeckel, Stuttgart-Bad Cannstatt, 1958(MDV 62 K 598), S172.
Zunächst waren es Ärzte insbesondere
Goldschmiede und Uhrmacher, die zur Herstellung und zum Verkauf
von Ohrringen auch das Stechen der Ohrlöcher übernahmen. Im 19.
Und in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde diese Aufgabe
auch von Friseuren (Hinweis von Friseur Günter Timplan,
Berlin (geb. 1919), der während seiner Lehrzeit in
Köthen/Sachsen-Anhalt mehrfach Ohrlöcher mit einer
ausgeglühten Stopfnadel stach. Um die Nadel besser im Griff zu
haben, wurde sie mit dem stumpfen Ende in einen Flaschenkorken
gesteckt. Nach seiner Aussage schickten Ärzte vielfach Patienten
zum Ohrlochstechen zum Friseur.) , Sanitätssoldaten, Männer
und Frauen, die zur Ader lassen konnten, ja selbst von Schmieden
und Schustern ( Hinweis von Ruth Hoevel, Marburg. Sie
berichtet, daß ihre Mutter (geb. 1893) im Alter von 6 Jahren in
Senftenberg/Sachsen Ohrlöcher vom Schuster mit dem Pfriem
gestochen bekam.) durchgeführt. Bei Seeleuten stach der
Segelmacher an Bord mit seiner Segelmachernadel Ohrlöcher. Auf
dem Lande kam es häufig vor, daß Hebammen Mädchen gleich nach
der Geburt Ohrlöcher stachen. Vielfach waren es auch
Nachbarinnen oder Mitglieder der Familie, die diese Aufgabe bei
Kindern im Schulpflichtigen Alter übernahmen.(Hinweis von
Inge Schwarzwälder, Bremen. Sie berichtet darüber, daß der
Vater ihrer Schwiegermutter, der Hafenarbeiter in Bremen war und
mit seiner Familie in Hasenbüren wohnte, vier seiner fünf
Töchter im Alter von sechs bis sieben Jahren Ohrlöcher mit
einer Stopfnadel stach und sie dabei zwischen den Knien
festhielt. Nur eine Tochter (Henriette Köster, 1892-1970) wehrte
sich vehement gegen diese Methode. Sie bekam daher auch nie
Ohrringe eingesetzt.)
Wie schon bei Krünitz erwähnt, nahmen Ärzte den
Ohrläppchenstich wegen ihrer entzündungshemenden Eigenschaften
mit Gold- oder Silbernadeln vor. Größtenteils verwendete man
nur einfache Stopfnadeln oder Schusterpfriemen, die über einer
Kerze geglüht wurden. Anschließend durchstach man das
Ohrläppchen gegen ein dahinter gehaltenes Stück roher Kartoffel
oder einen Korken. L.Weiser-Aal:Oreringer,S.49.-Frdl. Hinweis
von Dr.D.Hentschel, Berlin
In Deutschland sowie in anderen europäischen Ländern zog man im
18. Und 19. Jahrhundert kleine Ringe aus Blei in die Ohrlöcher,
um diese bis zum Abheilen der Wunde offenzuhalten.
J.H.Zedler:Universallexikon, Art.Ohren zu
durchstechen,25.Bd.1740,Sp.1050.-Hinweis v.Henning
Henningsen,Helsingor, der über die Verwendung von Bleiringen aus
Dänemark berichtet.- L.Weiser-Aal:Oreringer,S.49. Danach
ersetzte man die Bleiringe durch Ohrringe aus Gold, Silber, zum
Teil sogar aus Messing. L.Schmidt : Männerohrring, S.77.
Mangelnde hygienische Vorsorge und die Sitte, bis zum Abheilen
der Wunde Seidenfäden in die Löcher einzuführen, hatte meist
Eiterungen des Stichkanals und Entzündungen, vielfach sogar
starke Schwellungen der Ohrläppchen zur Folge, so daß gerade
bei Kindern nicht selten bereits eingesetzte Ohrringe wieder
entfernt werden mußten. Eine solche "Operation" und
ihre Folgen schildert die Jugendbuchautorin Tony Schumacher (1848
1931 ) in ihren Jugenderinnerungen : " Die meisten
jungen Mädchen der damaligen Zeit trugen Ohrringe. Der Friseur
durchstach rasch und sicher mit einer erhitzten goldenen Nadel
das Ohrläppchen, die reingoldenen Ringelchen wurden dann
durchgezogen und die kleine Entzündung war in ein paar Tagen
vorüber. Marie Scholl empfand tief, daß sie diesen Schmuck
nicht besaß ihre Mutter war aus irgendeinem Grund
dagegen, und so, wie ich einstens das Netzchen, so krankhaft
wünschte sie, nur einmal wenigstens Ohrlöchlein zu haben, denn
dann würde doch die Mutter gewiß nachgeben und sie die
"Boutons", die zu Hause in einem Schächtelchen waren ,
anlegen lassen. Mariens Not ging mir zu Herzen und ich erwog:
"Wenn du nicht schreien wolltest das Durchstechen
könnte ich dir besorgen wie man`s macht, weiß ich genau,
"sagte ich, und Marie ergriff den Vorschlag mit unbändigem
Entzücken und der heiligen Versicherung, daß sie nicht "
mucksen" werde. Also zur sofortigen Ausführung in unser
Zimmer ! Ein Licht wurde angezündet, Marie an den Waschtisch
gesetzt, und Anne mußte ihr ein Stück Seife so hatte
ich`s beim Friseur gesehen hinter das Ohr halten. Und nun
rasch ans Werk ! Eine goldene Nadel hatten wir natürlich nicht,
aber zu was hatte man Haarnadeln auf dem Kopf ? Ich ergriff eine
daß sie unten stumpf war, machte uns keine Bedenken. Mit
Sachkenntnis hielt ich sie ans Licht, bis sie rot glühte, und
nun ...." Es tut kaum ein bißchen weh!" sagte ich
beruhigend, geradeso, wie ich's vom Friseur gehört hatte, und
setzte das gräßliche kleine Instrument bohrend an. Es rauchte
und zischte und ging wirklich durch ! Woher Marie die Kraft
genommen, solche Schinderei, ohne " zu mucksen und zu
schreien" auszuhalten, ist mir noch heute ein Rätsel, und
noch fabelhafter ist mir, daß sie nachher noch den Mut fand,
auch das zweite Ohr darzubieten. Aber was kann die Eitelkeit
nicht ! Und die ihr eigene, schon damals wie es scheint eiserne
Willenskraft gehörte dazu, auch noch zu gestatten, daß ich ihr,
in Ermangelung von Ringen, einen roten Faden durchzog,"
damit`s nicht wieder zuwächst". Es hatte Blut gegeben,
Marie und auch ich waren bleich geworden, doch das Werk war
vollbracht.- Jetzt noch läuft`s mir kalt den Rücken hinauf,
wenn ich an diese Prozedur, an die unreine Nadel, an den
rotgefärbten Seidenfaden und an die zu dreifacher Dicke
entsetzlich angeschwollenen Ohrläppchen denke, mit denen Marie
am anderen Tag zu den Eltern zurückkehrte. Zum beiderseitigen
Glück entstand nichts Schlimmeres daraus als das, daß die arme
Märtyrerin alles umsonst geduldet, denn " Jetzt erst recht
nicht !" hatte ihre sonst so milde Mutter erklärt, und
dabei blieb`s ohrringlos ist meine Marie durchs Leben
gewandert!" T. Schumacher: Kindheitsparadies, S.107 f.
Diese und andere Berichte aus dem 19. Und dem 20. Jahrhundert beschreiben das Ohrlochstechen vielfach als schmerzhafte "Tortur", so daß Kinder nicht selten nach dem ersten Stich den zweiten verweigerten. Schmerzlinderung durch Betäuben der Ohrläppchen wurde offenbar nur selten angewandt, wenngleich der Fachhandel für Juweliere und Goldschmiede entsprechende Ampullen mit Medikamenten bereithielt. Ein probates Hausmittel war allerdings die Betäubung mit Brennesseln, die bis in die jüngste Vergangenheit von Zigeunern aus Wien und dem Burgenland vor dem Stechen von Ohrlöchern üblich war. C. Mayerhofer : Dorfzigeuner S.209
In der Zeit vor und nach dem Zweiten Weltkrieg standen dann schon wesentlich verbesserte Instrumente zum Ohrlochstechen zur Verfügung. ""Das Einstechen muß flott und exakt gehandhabt werden, damit es möglichst wenig Schmerzen verursacht" Katalog W. Woeckels, Stuttgart-Bad Cannstadt, 1958, S 171 lautet daher auch die exakte Anweisung in einem Katalog von 1958. Ohrlochstecher, die dort angeboten wurden, waren in ihrer Anwendung bereits der heutigen Ohrlochpistole verwandt, mit einem Hebel versehen, mit dem die Nadel per Federdruck durch das Ohrläppchen geschossen werden konnte. Mit der Nadel mußte beim Durchstich allerdings noch ein Ring aus Silber, später aus chirurgischem Stahl, in das Loch eingeführt werden, um das anschließende Einfädeln der Ohrringe zu erleichtern. Die Hülsen wurden danach mit einer kleinen Zange entfernt.
Frdl. Hinweis des Berliner Goldschmieds Wolfgang Diehl, der ein vergleichbares Modell bis mitte der achtziger Jahre verwendete.
Anders als vom Fachhandel angenommen, daß "diese kleine Operation bei uns auch von jedem Goldschmied durchgeführt wird”Sekundärquelle :"Dem Volk auf
Ohr geschaut",
Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1989,
ISBN 3-496-01068-1


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An alle Ohrloch-(Selbst-)
Piekser/innen: ich kann Eure Begeisterung auch aus reichlichen
eigenen Piercing-Erfahrungen sehr gut verstehen. Ein bißchen
"Technik" sollte jedoch sein, um dauerhaft Freude an
den Piercings zu haben und vor allem, um schöne (und nicht z.B.
ausgerissene oder herausgewachsene!) Piercings dauerhaft zu
erhalten. Piercings sind eine Anschaffung fürs Leben und
sollten deshalb sorgfältig geplant und ausgeführt werden! Viele
Leute stechen sich ihre Ohrlöcher und sonstigen Piercings lieber
selbst, weil sie etwas wenig Vertrauen zu Piercern und vor allem
zu den meist dilletantisch arbeitenden Schmuckläden habe, die
Ohrloch- und Nasenstecker-Stechen anbieten. Auch wenn's schnell
und schmerzlos geht: ich würde abraten, die Löcher mit einer
Pistole machen zu lassen, weil man je nach Pistolentyp und Form
der Ohrläppchen den Durchstich und die Durchstichrichtung
einfach nicht mit der erforderlichen Exaktheit plazieren kann.
Besser, aber teurer ist ein professioneller Piercer. Die gibts
inzwischen in fast jeder größeren Stadt. Immerhin sind
Ohrlöcher eine Anschaffung fürs Leben und sollten sorgfältig
gemacht sein, wenn man/frau dauerhaft Freude damit haben möchte!
Wer's selbst machen möchte: geeignet ist eine normale Nadel,
angespitzte, längere Ohrstecker oder die bei Piercern üblichen
Kanülen von Einwegspritzen, Handwerker-Aalen (mit nicht zu
dicker Nadel, läßt sich meist austauschen) oder aus ähnlichen
Gerätschaften (z.B. spitz zugefeilte Nähfaden-Einfädler)
selbst gebastelte längere Nadeln mit Griff. Alles sollte
zumindest mit kochendem Wasser und Abreiben gründlich gereinigt
sein. Beim Stechen ist wichtig, daß die Stechrichtung ca.
parallel zum Kopf verläuft, besonders bei stark anliegenden
Ohren. Andernfalls hängen später Creolenringe höchst unschön
seitlich weg, und die Enden von Ohrstecker-Durchstiften können
unangenehm pieksen, wenn man drauf zu liegen kommt. Außerdem
soll das Hauptloch möglichst genau im Zentrum des Ohrläppchen
oder minimal oberhalb angebracht werden. Bei nicht sehr
ausgeprägten oder angewachsenen Ohrläppchenformen ist die
optimale Plazierung besonders wichtig. Berücksichtigen sollte
man, daß sich beim dauerhaften Tragen von Baumel-Ohrringen und
Gehängen mit den üblichen sehr dünnen Durchsteckstiften bzw.
-Bügeln bei Baumel-Ohrschmuck das Ohrloch im Laufe der Zeit nach
unten zieht. Bei kleinen oder angewachsenen Ohrläppchenformen
kann dies langfristig schlimmstenfalls zum Ausreißen des Lochs
führen. Deshalb werden in südlichen Ländern, wo größere
Baumel-Creolenringe oder -Gehänge schon seit langem üblich sind
und ununterbrochen bereits von Kindesalter an getragen werden,
die Ohrlöcher traditionell sehr weit oben im Ohrläppchen
angebracht, was zwar vielleicht praktisch ist, aber
unschön aussieht. Im Laufe des Lebens schneidet sich
der (zu) dünne Durchsteckbügel des Ohrrings durch das weiche
Ohrläppchen, so daß die Ohrlöcher älterer Frauen oft bis zu
1cm langen Schlitzen gezogen sind. Im Normalfall
genügt jedoch, wenn der Erstlings-Durchstich etwas weiter
oberhalb der Ohrläppchenmitte angebracht wird und die
Stechrichtung hinten leicht schräg nach oben verläuft, um
möglichst viel Fleisch zu erfassen. All dies wird
von vielen unerfahrenen Ohrlochstechern aus Unwissenheit oder
Ungeschicktheit oft nicht berücksichtigt und durch die
mangelhafte Technik der handelsüblichen Schußpistolen oder
Drücker ebenfalls nicht gerade gefördert. Hauptsache, die
Prozedur geht schnell und tut nicht weh, was meist auch vom
Kunden so gewünscht wird. Die manchmal unschönen langfristigen
Folgen überdenkt niemand! Dickere Durchsteckstifte ab ca, 1,5 mm
Stärke könnten das Einschneiden verhindern, sind
jedoch bei normalem Schmuck kaum vorzufinden. Außer
bei richtigem, direkt durchgesteckten
Piercingschmuck. Allerdings ist die typische
Piercingschmuck-Optik nicht jedermanns Sache und im normalen
Berufsalltag meist nicht passend oder unerwünscht. Ansonsten
bleibt nur der relativ teure Umbau des Ohrschmucks durch einen
Goldschmied. Natürlich bleibt nach dem Abnehmen solchen Schmucks
ein ziemlich großes Loch im Ohr zurück, welches nach längerem
Nichttragen von Ohrschmuck und mit etwas Massage nach einiger
Zeit von selbst schrumpft. Aber selbst ein schmuckloses Loch kann
an einem hübschen Ohr sehr sexy wirken. Viele finden gerade das
kleine Loch interessant! Und Ohrringe werden heute gerne wieder
ständig getragen! Das Durchstechen des Ohrläppchens ist
übrigens kaum zu spüren. Lediglich das Durchpieksen der Haut
hinter dem Ohrläppchen kann etwas wehtun und erfordert oft ein
wenig Gewalt, wenn das Loch langsam und gefühlvoll
mit einer Nadel oder Aale o. ä gestochen wird. Die langsamere
Methode hat den Vorteil, daß die Stechrichtung noch etwas
korrigiert und optimiert werden kann. Der "Ausstich
hinten ist für den richtigen Stand des Ohrlochs und die
Dauerhaftigkeitt jedoch äußerst wichtig. Evtl. ein Stück
(sauberen!) Kork oder dicken Karton gegenhalten. Ein schlecht
gestochenes Ohrloch am besten sofort wieder zuwachsen lassen und
nach einigen Wochen neu stechen! Evtl. zusätzliche Ohrlöcher
dann je nach anatomischen Voraussetzungen und auf jeden Fall in
möglichst gleichmäßigen Abständen anbringen! Die frischen
Ohrlöcher sind meist nach 2-6 Wochen vollständig verheilt, wenn
man sie in Ruhe läßt und nicht ständig irgendwelche Cremes,
Antiseptica u. ä. draufschmiert und der Erstlingsschmuck aus
hautverträglichem Material besteht (was übrigens subjektiv
nicht alle "medizinischen" Ohrstecker sind). Mit
durchgesteckten Ringen heilt's übrigens etwas schneller als mit
Steckern, weil mehr Luft an die kleine Wunde kommt. Zur
Hautpflege keine der handelsüblichen Antiseptmittel etc.
verwenden, sondern nur (ganz sparsam) etwas gutes Olivenöl,
damit die Haut geschmeidig bleibt! Anfängliches Nässen und
Eitern von frischen Piercings ist normal. Wenn sich neue Haut im
Stichkanal bildet, zeigt sich das meist durch intensives Jucken
an. Bleibt die Umgebung des neuen Piercings ständig entzündet,
ist evtl. ein unverträgliches Schmuckmaterial eingesetzt. Dann
den Erstlingsstecker oder -Ring herausnehmen, durch einen anderen
verträglicheren ersetzen oder zeitweilig (tageweise) den Schmuck
herausnehmen, damit sich die Wunde beruhigen kann. Erst nach
Abklingen der Entzündung oder Schwellung wieder Schmuck
einsetzen. Wird längere Zeit kein Durchsteckschmuck getragen,
kann das Löchlein natürlich wieder zuwachsen, läßt sich
jedoch leicht durch Durchpieksen wieder reaktivieren! Im
verheilten Stichkanal können sich kleine Talgansammlungen
bilden, die regelmäßig entfernt werden sollten. Trotz dieser
"trockenen" Technik viel Spaß beim Schmücken und
alles gute für ein vielleicht piercingreiches neues Jahrtausend!
Geschrieben von Alwin am 24. Dezember 1999 im Ohrlochforum
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