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Re: Schlitzohr: Glaub ich nich
geschrieben von Luke am 18.02.2006 um 11:34:41 - als Antwort auf:
Re: Schlitzohr: Glaub ich nich von schlitzohr
Dein Versuch der Kritik in allen Ehren, aber zumindest für die Zunft der Zimmerleute galt schon das, was die Wikipedia schreibt: Wer Geselle wurde, bekam den goldenen Ohrring "für ein christliches Begräbnis" und konnte danach auf Wanderschaft gehen. Wer ehrlos handelte, dem wurde der Ring entrissen ...
>>Den nachfolgenden Text habe ich bei Wikidedia gefunden. Interessant! Man benutzt das Wort "Schlitzohr", die meisten wissen aber wahrscheinlich nicht, wo es herkommt.
>>Im Mittelalter war es bei einigen Zünften üblich, die Zugehörigkeit durch einen Ohrring auszudrücken. Dieser war aus Gold und diente dem Bestatter als Entlohnung im Todesfall. Bei Verstössen gegen die Zunftordnung, also Unzünftigkeit, wurde dieser ausgerissen, was so den Begriff Schlitzohr für ein Schandmal prägte.
>Tja, da sind die WIKIPÄDIER evtl. nicht so ganz gut informiert.
>Ersteres habe ich bisher nur über Seeleute gehört, bei denen der Goldohrring angeblich als Entlohnung für ein christliches Begräbnis bestimmt gewesen sein soll. Dennoch wohl eher unwahrscheinlich: Wen scherte das auf hoher See und bei beengtesten Platzverhältnissen: Das "Seebegräbnis war dann sicher schon aus rein hygienischen Gründen die eher naheliegendste Lösung.
>Ganz abgesehen davon, dass Seeleute nun mal früher wie heute zu den ärmsten und geschundensten Schweinen gehörten, sich wohl deshalb auch kaum einen Goldohrring leisten konnten, wenn sie nicht gerade zur Piratenzunft und sonstigen Outlaws gehörten, von denen es allerdings reichlich und sehr gut situierte gab.
>Die andere Story, die ich als Erklärung zum Thema Schlitzohr schon vor über 20 Jahren gelesen hatte, lautete, dass es angeblich im Mittelalter üblich war, Leute (Handwerker), die gegen gewisse Vorschriften verstießen, z.B. zu kleine Brote backten, als gnädige Leibstrafe am Haustor an den Ohren angenagelt wurden. Wobei's dann jedoch nicht unbedingt zu einem ausgerissenen Schlitz kommen musste, wenn jemand anders den Nagel mit einer Zange entfernte bzw. nicht extra "nachgeholfen" wurde, was bei den nicht gerade zimperlichen Sitten (nicht nur) im Mittelalter allerdings nicht unwahrscheinlich gewesen sein könnte.
>Brandmarken und sonstige nette Dinge gehörten da eher zu den harmlosen Strafen.
>Ich glaube dennoch eher, dass sowas in den Bereich der Legenden gehört. Auch von ansonsten gut informierten Autoren und WEBseiten ist allerlei Unsinn zu irgendwelchen angeblichen geschichtlichen Fakten zu Piercing etc. zu lesen ("urban legends", z.B. zu den angeblichen Nippelringen römischer Legionäre), die de facto jeder Grundlage entbehren. Jeder schreibt da offenbar unüberlegt vom anderen ab.
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