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Re: Pflege ist wichtig
geschrieben von Dr.Moose am 05.08.2006 um 16:50:14 - als Antwort auf:
Re: Pflege ist wichtig von das Mauz
Hallo miteinander,
Pflege ist wichtig, da sind wir uns einig.
Die drei wichtigsten Maßnahmen bei einem frisch gestochenen Ohrloch sind:
1. Finger weg
2. Finger weg
3. Finger weg.
An unseren Händen haben wir Unmengen der verschiedensten Bakterien. Die tun uns da normalerweise nichts, aber wenn sie in Wunden kommen, können sie Entzündungen und Vereiterungen verursachen. Dazu kommt, daß ein frisches Ohrloch keine normale Wunde ist, sondern eine, mit einem Fremdkörper darinnen. Fremdkörper in Wunden stören einerseits in nicht geringem Maß die Wundheilung, andererseits können sich daran relativ leicht Bakterien festsetzen, die unser Immunsystem nur unzureichend bekämpfen kann, da es an Fremdkörper nicht effektiv genug hinkommt.
Bakterien haben wir übrigens überall auf der Haut (nur nicht so viele verschiedene, wie an den Händen), auch am Ohrläppchen, daher ist eine gute Desinfektion vor dem Stechen wichtig, und zwar Vorder- und Rückseite, damit die dort vorhandenen Bakterien nicht in das Ohrloch geraten. (Insofern können also doch Entzündungen durch das Stechen entstehen)
Nun, in einem hat Kastanie recht: Schwitzen und Schwimmbad sind zwei Hauptfeinde von frischen Wunden. Längerer Aufenthalt im Wasser weicht die Haut auf, was a) die Wundheilung stört, b) den natürlichen Schutz der Haut gegen das Eindringen von Bakterien zerstört. Beim Schwitzen werden ebenfalls die Wundränder aufgeweicht, zudem kristallisiert das im Schweiß enthaltene Salz an den Wundrändern aus und verursacht Reizungen. Auf der naßschwitzigklebrigen Haut bleibt zudem alles mögliche kleben, Staub, Hautabschilferungen usw. In dem dadurch entstehenden Matsch, der sich mit Vorliebe hinter dem Steckerverschluss und –motiv sammelt, leben die Bakterien besonders gern, da sie reichlich Nahrung finden, und unser Immunsystem nicht hinkommt.
Aufpassen auch beim Haarewaschen, Haarshampoo ist auch nicht gerade heilungsfördernd.
Also: Mindestens 3-4 Wochen nach dem Stechen nicht ins Schwimmbad.
Schwitzen vermeiden, wenn nicht möglich, die Ohren vorsichtig mit klarem Wasser abbrausen und mit einem frischen Papiertaschentuch o.ä. abtupfen. Nicht rubbeln, damit es in der neuen und noch sehr empfindlichen Haut im Stichkanal keine Einrisse gibt.
Drehen an den Ohrsteckern wird immer empfohlen, aber man bringt eben die oben beschriebenen Bakterien an die Ohrlöcher. Außerdem besteht die Gefahr, daß man die neugebildete und noch empfindliche Haut im Stichkanal wieder und wieder aufreißt.
Also: Lieber nicht drehen.
Wie ist das mit irgendwelches Zeugs draufschmieren?
Manchmal wird Olivenöl empfohlen – blos nicht!!!! das gibt so ähnlichen Matsch hin, wie oben mit dem Schwitzen beschrieben.
Das Ohrlochantisept, das man beim Stechen immer mitkriegt, soll die Bakterien kurzhalten. Allerdings glaube ich, das hat, wenn es nur zur Vorbeugung angewendet wird, wenig Effekt. Allenfalls, wenn sich eine leichte Entzündung entwickelt, könnte man es damit probieren, ich persönlich würde allerdings in einem solchen Fall 70%igen Isopropylalkohol aus der Apotheke bevorzugen. (Sitzt allerdings bereits Eiter im Stichkanal, muß der Ohrstecker raus!)
Teebaumöl gehört allerdings auch nicht gerade zu meinen Favoriten, da es relativ häufig Allergien auslöst.
Also: Lieber nichts draufschmieren.
Beim Stechen wird einem meistens gesagt, man solle die Erststecker 3-4 Wochen drinlassen. Meiner Erfahrung nach hat sich in dieser Zeit zwar meist eine dünne Haut im Stichkanal gebildet, aber gerade, wenn man etwas dickere Ohrläppchen hat, reicht diese Zeit oft nicht aus. 6-8 Wochen scheint mir eher realistisch. Allerdings viel länger sollte man die Stecker nicht drinlassen, da sich auch bei wenig Schwitzen die oben beschriebenen Ablagerungen hinter Verschluss und Motiv bilden.
Noch was: Desinfektionsmittel (ob nun für den Haushalt oder für die Haut) erzeugen so gut wie keine Resistenzen, da sie (fast) alle Bakterien gleichmäßig totschlagen. Bei Antibiotika, die ja zum Einnehmen gedacht sind, ist das was anderes, die haben viel kompliziertere und damit störanfälligere Wirkmechanismen, da sie ja dem Menschen, der sie einnimmt nicht schaden sollen, sondern nur den Bakterien.
So, das reicht mal fürs erste
Gruß
Dr.Moose
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