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Re: Welches System zum Ohrlochstechen

geschrieben von HA 472 am 06.08.2006 um 02:18:52 - als Antwort auf: Re: Welches System zum Ohrlochstechen von Tom
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Ein weiterer Beitrag, der auf dem veralteten Stereotyp der bösen Pistole beruht. Bei Betrachtung moderner Stechsysteme wird allerdings deutlich, dass die hier gebrachten, uralten Pseudoargumente nicht oder nicht mehr ziehen.

>Ich kann dazu nur sagen: Laß es am Besten ganz bleiben. Ohrloch-Pistolen sind aus hygienischer Sicht eine Katastrophe, da selbst dann, wenn die Pistole selbst nicht mit der frischgestochenen Wunde in Kontakt kommt, dennoch eine Verunreinigung mit feinen Blut-/Gewebespritzern möglich ist.

Bei modernen Stechsystemen, wo das Stechen durch reine Muskelkraft und verhältnismäßig langsam geschieht, ist ein "Spritzen" sehr unwahrscheinlich. Und wenn, dann kommt es, bei den modernen, vollverkapselten Systemen, nur an den Einwegteil, der den Stecker hält, und der hinterher im Müll landet. Und selbst wenn irgendwie was am Gerät selbst landen sollte: Na und? Da es mit dem Ohr, dank der austauschbaren Kartuschen, die den Stecker enthalten, nicht annähernd in Berührung kommt, sondern immer ein paar Zentimeter Abstand dazu hält, kann es auch nichts übertragen, selbst wenn es irgendwie kontaminiert worden sein sollte (was so extrem unwahrscheinlich ist, dass du das Risiko praktisch vernachlässigen kannst).

>I.d.R. sind diese Pistolen nicht dafür konzipiert, in einem Sterilisator behandelt zu werden, zudem hat ein Friseur wohl nicht unbeding einen Sterilisator bzw. Autoklaven vorrätig.

Sehr richtig. Da aber die Teile, die mit dem Ohr in Berührung, oder nur in seine Nähe, kommen vorsterilisiert sind (wie auch die Stecker), und erst vor dem Stechen ausgepackt und in das Gerät eingesetzt werden, ist eine Sterilisation des ganzen Gerätes auch nicht nötig.
Ein Chirurg wechselt zwischen den Operationen ja auch nur seine sterilen Einweghandschuhe, und kriecht nicht selbst in einen Autoklaven.

>Das bedeutet also, daß Du dann mit kontaminiertem Gerät arbeiten wirst.

Wie gesagt, das wird er höchstwahrscheinlich nicht. Und wenn, dann macht es nichts, weil die Teile die was übertragen könnten ausgetauscht werden. Oh, und selbst wenn mal - trotz der verschwindend geringen Wahrscheinlichkeit - ein "Spritzer" oder sowas ans Gerät käme: Wie hoch wäre das Risiko, dass das auch noch ausgerechnet bei nem HIV-Infizierten geschieht?
Ich würde sagen es ist wahrscheinlicher, durch den tiefgefrorenen, abgeworfenen Inhalt des Toilettentanks eines Flugzeugs erschlagen zu werden, als dass HI-Viren oder ähnliche Erreger an das Gerät kommen. Und selbst wenn sie das mal täten, so kämen sie von da aus nirgends mehr hin, außer an die Hände des Stechenden. Und der trägt ja hoffentlich Gummihandschuhe, die hinterher in den Müll wandern.

>In den USA sind Fälle bekannt, in denen auf diesem Wege ansteckende Krankheiten wie HIV, etc. übertragen wurden.

Wie der Admin schon sagte: Hast du Belege dafür?
Höchstwahrscheinlich nicht. Und wenn, dann kann es nur mit den primitiven, alten Pistolen gewesen sein, die zum Glück nur noch selten in Gebrauch sind, und neu auch kaum noch vertrieben werden.
Zwar gibt es noch Federdruckpistolen neu zu kaufen, aber selbst die verwenden in der Regel ein System, bei dem sterile Einwegkartuschen in den Federmechanismus eingespannt werden. Das ist etwa bei den Blohmdaal-Systemen der Fall, oder beim Inverness 1000 (das glaube ich mittlerweile eingestellt wurde).


>Eine wirklich hygienische Lösung zum Löchern von Ohren ist NUR das Piercen mit Einwegkanülen unter Beachtung der üblichen hygienischen Voraussetzungen; dies wird am besten in einem _seriösen_, hygienisch einwandfrei arbeitenden Piercingstudio gewährleistet.

Nein, ein vollverkapseltes Stechsystem wie Studex 75, Ohrfix Silent oder Inverness 2000, ganz zu schweigen von den oft als "Selbstpiercer" verkauften Einwegstechern (die aber teilweise auch von Schmuckgeschäften und dergleichen verwendet werden, etwa bei Claire's in Oxford und Stuttgart) ist mindestens genauso sicher.
Vielleicht sogar sicherer: Beim Piercen besteht die Gefahr, dass die Nadel, die Pennington-Klammer (wenn eine verwendet wird) die Hände des Piercers oder der Schmuck vor den Einsetzen kontaminiert werden. Bei den vollverkapselten Systemen ist der Stecker bis zum Stechvorgang geschützt und kann nicht unsteril werden. Die Teile die mit dem Ohr in Berührung kommen werden auch erst wenige Sekunden wor dem Stechen aus ihrer sterilen Hülle genommen; beim Piercen vergeht in der Regel mehr Zeit vorher, und es sind wesentlich mehr Handgriffe nötig. Zudem berührt der Piercer mit seinen Händen die sterilen Teile, es hängt daher alles von seinen Handschuhen ab. Wenn er nur kurz was unsteriles angefasst hat, etwa den Türgriff des Autoklaven, um die Utensilien rauszuholen, oder die Packung in der die Einwegnadel verpackt war, dann war die ganze Sterilitätsnummer für den Arsch.
Bei den vollverkapselten Systemen dagegen hältst du die Kartusche außen an Griffmulden, die mit dem Ohr selbst nicht in Berührung kommen. Selbst wenn du vorher mit den Händen in einem Kuhfladen gewühlt hättest: der Stecker, sowie alle ans Ohr kommenden Teile würden immernoch steril bleiben.
Naja. Wie gesagt. Die sterilen Bedingungen sind mindestens gleichwertig.
Und wenn man sich im Friseursalon vorher die Hände wäscht und sterile Handschuhe überstreift, dann hat man die gleichen hygienischen Bedingungen wie in 90% der seriösen Piercingstudios.


Meine Empfehlung geht auch in Richtung Ohrfix Silent oder Inverness 2000, denen Auswahl an Schmuck ist mindestens mit dem von Ohrfix vergleichbar.
Würde eher zu Inverness tendieren. Die haben einen größeren Marktanteil, und sie waren die ersten, die vor über zehn Jahren mit dem Inverness 1000 ein vollverkapseltes System eingeführt haben.

Prinzipiell bleibt es sich aber relativ gleich, welches der modernen Vollkapselsysteme mit Muskelantrieb man verwendet. Der Unterschied liegt eigentlich nur im verfügbaren Erstschmuck, im Design und im Preis. Manche haben außerdem noch einen Widerstand drin: erst wenn die Muskelkraft groß genug wird lässt es einen Ruck. Diese Systeme zwicken aber ziemlich schmerzhaft. Der Mechanismus ist eigentlich blödsinnig, weil er mit der höheren Stechgeschwindigkeit den Vorteil von Handbetriebenen (statt Federdruckgetriebenen) Systemen zunichte macht. Es gibt ein System (Ich glaube es ist von Studex), wo das so gemacht wird, außerdem bei vielen Einwegstechern. Das soll es Selberstechern leichter machen, zuzudrücken und sich damit selbst zu pieksen. Sobald der Schwellenwert überschritten wird bricht ein Stift in der Kassette und der Stecker flutscht mit einen Ruck durch.

Meine Empfehlung wäre also das Inverness 2000 oder Ohrfix Silent. Aber schau dich ruhig um, was dir am ehesten zusagt.
Auf jeden Fal sollte es ein vollverkapseltes System sien, und es sollte mit Muskelkraft statt Federdruck arbeiten. Und es soll kontinuierlich gestochen werden, sodass man es langsam und gefühlvoll machen kann. Ohne Druckpunkt. Das ist die schmerzloseste Methode überhaupt, und die schonendste für das Gewebe. Und "spritzen" kann da auch nichts.


Grüße,
HA 472

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