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Ohrstecker & Langeweile
geschrieben von Ulla am 18.07.2000 um 14:39:45
Hallo Ihr da draußen!
Was für ein ungewöhnliches Forum. Das hätte ich ja nicht gedacht, daß es sowas gibt! Na, umso besser. Aber mal ehrlich: sehr viele Geschichten stehen hier ja nicht drin! Vielleicht ist das ja auch nicht der richtige Platz für sowas? Na, ich werde es ja merken, ob jemand auf meine Geschichte antwortet. Also, ich bin 28 Jahre und studiere - allerdings haben wir jetzt Ferien und deshalb sitze ich vor dem PC und klicke mich durch das Web. Als ich 18 war, hatten alle meine Freundinnen bereits Ohrlöcher, einige hatten ein zweites Loch auf einer Seite, das war ja damals "cool". Ich muß ganz ehrlich sagen, ich fand Ohrlöcher immer doof. Warum sich das dann irgendwann geändert hat, kann ich auch nicht sagen. Ich bin irgendwann mal wie versteinert stehen geblieben, als hinter dem Schaufenster eines Schmuckladens gerade einer Frau die Ohrläppchen durchstochen wurden. Die Frau starrte ins Nichts und als sie meinen Blick sah, schaute sie mich verwundert an. Ich mußte dann grinsen und blieb vor dem Laden stehen, bis sie herauskam. Ich wollte eigentlich weitergehen, aber als sie dann vor mir stand, entschuldigte ich mich erstmal für das blöde Gesicht, das ich bestimmt gemacht hatte. Sie fragte mich, was mich denn an der Situation so erstaunt hätte und ich antwortete, dass ich noch nie gesehen hatte, wie Ohrlöcher gemacht werden. Das war vor 4 Jahren. Susanne erzählte mir die Geschichte ihrer Ohrlöcher, die man unter ihren langen Haaren gar nicht sofort entdecken konnte. Sie hatte sich damals gerade links ein viertes und fünftes Loch schießen lassen. Rechts trug sie "nur" 2 Creolen. Als meine Neugierde fürs erste gestillt war, sagte Susanne zu mir, daß ich "echt was verpassen" würde ohne Ohrlöcher und daß sie sich meine Ohren auf jeden Fall mit "ganz vielen" kleinen Steckern vorstellen könne. Bei dem Gedanken lief mir damals ein Schauer über den Rücken. Im Gegensatz zu Susanne habe ich kurze, schwarze Haare und die Ohren sind nicht verdeckt. Jede(r) würde also sofort sehen können, daß ich Ohrlöcher habe. Für mich ein komischer Gedanke. Susanne mußte dann weg und wir verabredeten am gleichen Ort in zwei Wochen, weil sie sich dann noch zwei weitere Löcher schießen lassen wollte und ich ja mitkommen könne, um meine letzten Zweifel zu überwinden. Zwei Wochen später trafen wir uns wieder und Susanne ließ sich noch zwei Löcher in ihr linkes Ohr(läppchen) schießen. Dann war ich an der Reihe und obwohl ich es vermieden hatte, mir viele Gedanken zu machen, wußte ich: jetzt oder nie! Ich suchte mir kleine silberne Kugeln aus und bestand darauf, mich nach dem ersten Loch noch gegen ein weiteres entscheiden zu dürfen. Augenblicke später hatte ich nicht nur ein knallrotes rechtes Ohr sondern auch eine winzige, glitzernde Kugel im Ohrläppchen. Nein, es hatte nicht wehgetan, aber mir war ganz flau. Ich wollte das zweite Loch. Um jeden Preis. Aber ebenfalls im rechten Ohr. Als ich auch dies gut überstanden hatte, war es um mich geschehen. Ich wußte, daß es bestimmt nicht die einzigen Löcher in meinen Ohren bleiben würden. Leider habe ich Susanne dann irgendwann aus den Augen verloren, aber in den vier Jahren hat sich die Zahl meiner Ohrlöcher auf wundersame Weise vermehrt. Die ersten drei Löcher "links" habe ich mir ebenfalls in diesem Laden schießen lassen. Irgendwann habe ich dann aus Langeweile vor dem Spiegel gesessen und alle meine (medizinischen) Ohrstecker herausgenommen. Was mich dann dazu getrieben hat, mir die Stecker nacheinander oberhalb der vorhandenen Löcher selbst durch den bis dahin unberührten Teil meiner Ohren zu stechen, kann ich nicht ganz genau sagen. Zuerst war es ein Versuch. Die Neugierde auf das Gefühl, was ich dabei haben würde, wenn der spitze Metallstift mein Ohr durchbohrt. Die Überraschung darüber, daß es zwar ganz schön schwierig war, den Stecker durch die Haut zu stechen, aber überhaupt nicht wehtat, hat mir inzwischen insgesamt 7 Löcher im linken und 9 Löcher im rechten Ohr (die mit der Pistole geschossenen ersten 5 mitgezählt) beschehrt.
Das ist meine Geschichte - und ich würde mich freuen, hier noch mehr solcher (oder anderer) Geschichten lesen zu können. Macht es gut, Ulla.
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