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Re: Nochmal zur�ck zur Ausgangsfrage: Warum gerade OHRl�cher?
geschrieben von andis d am 21.11.2006 um 15:53:58 - als Antwort auf:
Nochmal zurück zur Ausgangsfrage: Warum gerade OHRlöcher? von Gefühlsmensch-in
Hallo Gefuehlsmensch-in
Prinzipiell find ich Deine Ausfuehrungen sehr gut und gehen meiner Meinung nach in die richtige Richtung. Noch ein paar Anmerkungen dazu.
Grundsaetzlich gilt fuer wohl jeden Schmuck, dass er drei Funktionen hat
1. Er soll den Traeger schmuecken, ihn/sie also verschoenern
2. Er soll einen gewissen Wohlstand demonstrieren, also beweisen dass der Traeger sich Schmuck (und oft noch teuren) leisten kann
3. Er soll eine gewisse erotisierende Wirkung haben.
Hier ist natuerlich gerade der Ohrschmuck besonders geeignet. Er ist gut sichtbar und erfuellt damit optimal die Voraussetzung 1&2. Wir schauen halt zuerst einmal bei einem anderen Menschen ins Gesicht (na ja, meistens).
Zu Punkt 3, der erotisierenden Wirkung des Ohrschmucks. Wie Du richtig gesagt hast, ist das Ohr und besonders das Ohrlaeppchen eine erogene Zone. Aber darueber hinaus gibt es noch weitere Verbindungen zwischen Ohren und Sexualitaet. Beim Flirten, Anbandeln und Vorspiel schreien wir uns ja nicht aus 100m Entfernung an, sondern fluestern uns ins Ohr. Und beim Akt selber - na ja die meisten von uns stehen nicht sonderlich drauf, wenn der Partner/ die Partnerin stumm daliegt, man will ja den anderen dabei auch hoeren.
Es ist meines Erachtens kein Zufall, dass Kulturen, die die Attraktivitaet der Frau verbergen wollen, eine Kopfbedeckung verlangen, die nicht nur die Haare, sondern auch das Ohr verdeckt. Das Kopftuch in der muslimischen Gesellschaft ist davon das Bekannteste, aber es gibt noch andere:
- Nonnen
- Frauen des Adels im europaeischen Mittelalter (schaut euch mal den 20-MarkSchein an, der vor 1990 im Umlauf war.)
- das Christentum insgesamt, in einem Paulusbrief gibt es ein generelles Kopftuchgebot fuer Frauen in der Kirche!!!
- einige Stroemungen des orthodxen Judentums, die der Frau eine Peruecke vorschreiben (und ihnen verbieten, sich die Ohrlaeppchen durchstechen zu lassen).
Die Suende kam gemaess der Bibel (und damit nach christlicher Auffassung der Sex) in die Welt, weil die Schlange (man denke sich, was man will) Eva ins Ohr gefluestert hat.
Der Ohrring hat dabei die Bedeutung, dass er a) permanent ist und b) durchgestochen (auch hier ueberlasse ich wieder jedem die Assoziation) wird.
Es stimmt schon, dass frueher Maenner und Frauen Ohrringe trugen, auch wenn m. E. Ohrringe schon immer mehr Sache der Frau war. Ab dem 17. Jahrhundet scheint mit dem Maenner-Ohrring in Europa aber Schluss gewesen zu sein. Warum? Ich kann nur spekulieren, aber ich denke, es sind vier Gruende dafuer aufzuzaehlen:
1. eine generelle puritanisch-protestantische (wir hatten die Diskussion schon mal) Ablehnung jeglichen Schmucks
2. Eine buergerliche Abwendung vom Prunk und Protz des Adels
3. Eine ebenfalls buergerlich-industrielle Definition der Rolle des Mannes, der etwas leisten (Karriere) und dadurch etwas darstellen und nicht durch ererbte Privelegien prahlen soll. Wenn er etwas erreicht hat, dann kann er sich ja auch eine geschmueckte Frau leisten.
4. Das Ueberlegenheitsgefuehl gegenueber anderen Kulturen, in denen tatsaechlich z. B. Afrika, Suedamerika) oder nur in der europaischen Fantasie (z. B. Naher Osten) die Maenner Ohrschmuck trugen. Also tat man es bei uns halt nicht.
Erst mir der Festlegung "Maenner tragen keine Ohrringe" machte dann ja auch die Gegenkultur, die sich in den 70er Jahren des 20. Jahrhundersts ausbreitete und bei denen dann Maenner (wieder) Ohrringe trugen, Sinn
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