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Mein langer Weg zu Ohrringen

geschrieben von Alexandra am 16.07.2007 um 22:03:00
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Meine Mutter und meine Oma hatten nie Löcher in den Ohrläppchen. Vielleicht ist das der Grund, warum keiner auf die Idee gekommen ist, mir in der Kindheit Ohrlöcher zu stechen.

Als ich eingeschult wurde, gab es nur 5 Mädchen in meiner Klasse, die Ohrringe trugen. Das änderte sich zwischen dem 8. und 10. Schuljahr. Immer mehr Mädchen ließen sich Löcher machen. Auch meine beste Freundin wollte unbedingt Ohrringe tragen und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, mit zu kommen, wenn sie sich die Löcher stechen lässt.

Ich erzählte meiner Mutter, dass ich mit Elke in die Stadt fahren möchte, weil Elke sich Ohrlöcher stechen lassen möchte. Meine Mutter fragte mich, ob ich auch Ohrlöcher haben möchte. Ich wäre alt genug und könne mit meinen Ohren machen, was ich wolle. Ihr wäre das egal.

Aber ich wollte nicht. Ich fuhr mit Elke in die Stadt und wir gingen zu einem Juwelier. Elke suchte sich Ohrstecker aus und es dauerte nicht lange, da waren sie in ihren Ohrläppchen. Es sah nicht aus, als hätte ihr das weh getan. Die Verkäuferin fragte mich, ob sie mir auch Ohrlöcher stechen sollte. Auch Elke versuchte mich davon zu überzeugen, aber ich wollte nicht.

Als ich 23 war, lernte ich meinen damaligen Freund kennen. Er trug einen dünnen, goldenen Ohrring im linken Ohr. Mir gefiel das, denn es passte zu seiner unkonventionellen Art. Wolfgang bemerkte schnell, dass ich keine Ohrlöcher hatte und setzte alles daran, mich davon zu überzeugen, das zu ändern. Manchmal nervte er mich regelrecht damit. Aber ich wollte einfach nicht und irgendwann war das Thema erledigt.

Unsere Beziehung scheiterte, was aber nicht an meinen fehlenden Ohrlöchern lag.

Im Büro arbeitete ich mit einer Kollegin zusammen, die in meinem Alter war. Wir verstanden uns gut, auch wenn wir privat eher weniger Kontakt hatten. Tina trug wie ich ebenfalls keine Ohrringe. Wir haben da nie drüber gesprochen aber ich konnte an ihren Ohrläppchen sehen, dass sie auch nie Löcher hatte.

Als sie vor 4 Jahren aus dem Urlaub kam, wirkte sie auf mich so anders als sonst. Sie war braun gebrannt und strahlte auf eine Weise, die ich mir nicht erklären konnte. Nach 3 Tagen fiel es mir auf: In ihren Ohrläppchen steckten Ohrstecker ! In der Tat stand ihr das sehr gut und zum ersten Mal wurde mir bewusst, dass Ohrschmuck das Aussehen aufwerten kann.

Ich fing an, mich verstärkt mit Ohrschmuck zu beschäftigen und darauf zu achten, ob Frauen Ohrringe tragen oder nicht. Auch in den Modezeitschriften achtete ich darauf. Langsam fragte ich mich, wie ich mit Ohrringen wohl aussehen würde.

Lange habe ich darüber nachgedacht und die Entscheidung immer wieder vor mir her geschoben. Als ich mir in der Schmuckabteilung eines Kaufhauses die Ohrringe anschaute, fragte mich eine Verkäuferin, ob sie mir Ohrringe zeigen solle. Ich verneinte es mit dem Hinweis darauf, dass ich keine Ohrlöcher habe. „ Ich kann Ihnen gerne Löcher stechen“ meinte sie. Sie zeigte mir verschiedene Erststecker, erläuterte die Prozedur und meinte, dass mir Ohrstecker bestimmt gut stehen würden.

Ich entschloss mich, es machen zu lassen. Meine Ohrläppchen wurden desinfiziert, die Einstichstelle markiert und dann ging alles ganz schnell und ich hatte in jedem Ohrläppchen einen Stecker. Die Ohren waren ziemlich rot und es zwickte im Ohrläppchen. Aber ich gefiel mir mit den Steckern.

Vorsichtig, wie ich bin habe ich die ersten Stecker 6 Wochen in den Ohren gelassen. Dann habe ich sie gegen andere Stecker ausgetauscht.

Inzwischen sind zweieinhalb Jahre vergangen und ich habe schon alles mögliche getragen. Creolen, Ohrgehänge, Stecker und manchmal auch tagelang keinen Schmuck. Ich achte immer darauf, dass die Ohrläppchen nicht zu lange belastet werden, damit sie nicht ausleiern. Aber ich genieße es auch, wenn ich spüre, wie sich der Schmuck in meinen Ohren bewegt. Es ist, als sei Leben in meine Ohren gekommen.

Es war ein langer Weg.

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