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Ohrlöcher in der 2. Hälfte des 20. Jhdt.
geschrieben von Xolotl am 23.04.2010 um 11:12:46 - als Antwort auf:
Frage von jonny
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Hatten die Leute bis vor 30 Jahren echt weniger Ohrlöcher bzw. Ohrschmuck als heute?
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Hallo Jonni,
das war definitiv so, in Deutschland jedenfalls. Es galt ganz überwiegend: "eine anständige deutsche Frau" trägt keine Ohrringe (zumindest keine für Ohrlöcher). Das hielt man für barbarisch, primitiv, minderwertig - die Ausläufer des Dritten Reiches lassen grüßen. Also nur was für Schwarze, Zigeuner und Nutten ;-)
Manche der damals ganz alten Frauen trugen übrigens am ehesten noch richtige Ohrringe, aber wurden damit als altmodisch belächelt.
Nach meiner Beobachtung gab es ab 1974 einen neuen Trend, vielleicht angestoßen durch Hippiebewegung, Indienfahrer und zunehmende Einflüsse aus USA/GB, wo das Ohrenlochen nicht so strikt verpönt war. Die ersten Mädchen in meiner Umgebung ließen sich die Ohren noch mit Nadel oder diversen heute antiquierten Gerätschaften durchstechen. Das löste bei den anderen eine Mischung aus Faszination und Grusel aus ("geht das echt da durch??").
1975/76 kamen dann die Ohrlochpistolen auf den Markt und nun gab es einen richtigen Boom. Wohlgemerkt: Ganz brav links und rechts ein (1) Ohrloch im Ohrläppchen, mehr nicht. Mehrfachohrlöcher kamen dann erst Anfang der 80er Jahre hinzu und ein Stecker in der Ohrmuschel war zu der Zeit noch ein echter Hingucker. Heute gängige Ohrpiercings sind erst in den 90er Jahren aufgekommen.
War faszinierend, an dieser Entwicklung teilzuhaben.
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