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Re: Ist der Knorpel zerstört ?

geschrieben von Alwin am 18.08.2002 um 22:55:55 - als Antwort auf: Ist der Knorpel zerstört ? von Jens
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ich hatte mir vor einer Woche einen Stecker in den Knorpel schießen lassen.
Jetzt hatte sich das ganze so sehr entzündet und war geschwollen, das ich beschlossen hatte den Stecker wieder rauszunehmen, aber es hat sich nichts geändert. Es tut immer noch genau so weh wie vorher. Aber nur hinter dem Ohr, vorne gar nicht.

Was kann ich tun das diese Schmerzen aufhören.

Will jetzt keinen Vortrag zur Ohrlochpistole hören !

Gruß Jens


Hallo Jens,

ist leider häufig der Fall beim Ohrrand. Das war auch bei fast allen meiner ca. 14 Ohrrand-Durchstichen und bei vielen Bekannten so.
Und es hat meiner Meinung nach entgegen der Aussage vieler "Fachleute" auch nichts mit Pistole oder Piercing-Kanülennadel zu tun, sondern ganz einfach mit der Schmerz-Empfindlichkeit, die an der Haut der Ohrrückseite ganz normal ist.
Allgemeingültig seligmachende Pflege und Abhilfe-Tipps gibts natürlich nicht.
Jeder Mensch und jede Körperstelle ist in puncto Piercingempfindlichkeit verschieden.
Mache nur das, was Dir persönlich gut tut!

Hier einige Tipps, auch auf die Gefahr hin, dass gleich wieder wie in der Vergangenheit alle möglichen Hygienefetischisten oder sonstige Piercing-"Heilkundige" schrill aufschreien werden und ihre auswendig gelernten Lehrsätze ohne inhaltliche Erklärung zum Besten geben:

1. Der Schmerz kommt durch die Schwellung. Solange ein Stecker drinsteckt, wird sich das auch nicht bessern (pulsierender, unerträglicher Druckschmerz).
Deshalb den Schmuck besser rausnehmen, auch auf die Gefahr hin, dass es zuwächst. Andernfalls riskierst Du durch die ständige Entzündung dauerhafte Schmerzen. langfristig eine Keloid-Bildung (=Knubbel/Hautverdickung und nachfolgende dauerhafte Verdickung der gesamten Einsatichstelle am Oberohr, die nicht mehr wegzubekommen ist. Schlimmstenfalls kann's sogar zu einer Lympknotenirritation am Hals kommen, die können im Extremfall deshalb sogar dauerhaft anschwellen. Das tut zwar nicht weh, ist jedoch ein unangenehmes Gefühl und kann einen ziemlich großen Knubbel ergeben, der u.U. nicht mehr von selbst oder nur mit langwierigen Pflegemaßnahmen weggeht (bitte dann Lympknoten keinesfalls operativ entfernen lassen, wie's der Onkel Doktor gleich raten wird! Ich spreche leider aus Erfahrung...).
Wenigstens eine beruhigende Nachricht: Der Knorpel ist sicher durch so einen kleinen Durchstich nicht kaputt. So schnell geht das nicht. Andere stechen da ganz anders zu...!

2. Empfehlenswerte Pflegemaßnahmen, die nach meiner Erfahrung stets erfolgreich waren und nicht schaden können:
Sparsam warmes Salzwasser oder Kamillentee (nicht alkoholhaltiges KAMILLOSAN o.ä.!) auftragen, auftupfen oder z.B. darin getränktes Tuch o.ä. (=Kompresse) eine Zeitlang auf das Ohr halten.
Sparsame Pflege mit möglichst naturnahen Fetten bzw. Cremes, besser mit normalem (neuem/sauberem) Olivenöl. So bleibt die Haut an der Schwellung elastisch und heilt rascher, besonders wenn sie vorher durch Salzwasser oder Kamillentee-Behandlung etwas trocken wurde.
Vaseline (und die meist damit hergestellten Salben) ist nur ein billiges nichtorganisches Fett ohne jegliche Heilwirkung, das von der Haut nur oberflächlichst aufgenommen werden kann.
Die Haut nicht mit Fett/Cremes oder Öl zukleistern!
VOLTAREN Schmerzgel (von Novartis), rezeptfrei und preisgünstig in jeder Apotheke erhältlich, lindert meiner Erfahrung schon nach ein- bis zweimaligem sparsamem Auftragen auf die Haut Schwellungen und Schmerzen in kurzer Zeit, ist auch nicht bei frischen Wunden schädlich und kann Keloiden vorbeugen.
Sonstiges von "Fachleuten" immer wieder empfohlenes (Chemie-)Zeugs und Kosmetika würde ich auf keinen Fall verwenden:
Das sind meist nur mehr oder weniger starke Desinfektionsmittekl (wozu?). Die reizen eher die Haut, haben ansonsten aber eine eher nur heilungsverzögernde Wirkung (z.B. Alkohol, Jod, Wasserstoffsuperoxid, Vereisungssprays, sowie die bekannten Markennamen aus dem Piercingbereich).
Kosmetische Hautcremes u.ä. bestehen meist nur aus billigsten, wenig heilungsfördernden Grundstoffen mit reichlich Chemie für Haltbarkeit und Konsistenz
Manchen Leuten helfen bei Schwellungen auch (kurzzeitige) Kälteanwendung durch Eiswürfel (Vorsicht, Erfrierungsgefahr!) oder entspr. Kältepackungen.
Die z.Z. hochgepriesenen Naturmittel wie Teebaumöl, Aloe Vera u.ä. werden nicht von jedem vertragen bzw. bringen bestenfalls keinerlei erkennbaren Effekt, kosten jedoch ordendlich.
Dass schweißtreibende körperliche Aktivität in Wärme, Licht, Luft und Sonne und damit erhöhter Stoffwechsel heilungsfördernder als Rumhocken vor dem Computer ist, sollte wohl nicht extra betont werden. Und auch etwas Zärtlichkeit kann durchaus nicht schaden...

3. Die Heilung bis zur Schmerzfreiheit kann ziemlich lange (u.U. sogar Monate) dauern. Wenn sich alles beruhigt hat, kannst Du ja mal vorsichtig versuchen, wieder einen (geraden) Stecker mit nicht zu spitzer, aber auch nicht zu stumpfer Spitze durchzupieksen. Wegen des meist gebogenen Durchsteckbügels möglichst keinen Ring o.ä. dazu verwenden! Das ursprüngliche Loch ist auf jeden Fall noch rudimentäär vorhanden, wenn auch oberflächlich zugewachsen, die Haut vergisst nichts! Genau den ursprünglichen Durchstich bes. an der Ohr-Rückseite wirst Du erst nach einigem Herumstochern finden können, was zu erneuten Irritationen führen kann. Zumindest die ersten Stunden oder Tage wird's dann wieder an der Ohrrückseite wie gehabt schmerzen. Dann die selbe Prozedur wiederholen: Schmuck rausnehmen, einige Tage heilen/oberflächlich zuwachsen lassen, Pflege wie oben, erneuter Durchpieksversuch.

4. Im Laufe der Zeit wird sich alles normalisieren (oder auch nicht), die Haut lässt sich dann schmerzfrei und gewaltlos durchpieksen, es kann dauerhaft Schmuck getragen werden, der natürlich aus hautverträglichem Material sein soll. Aber das ist ein langes Spezialkapitel:
Auch die sog. "medizinischen" Erstlingsstecker können subjektiv höchst unverträglich sein.
Dann kann tatsächlich nur qualitativ hochwertiger Verheilschmuck aus verträglichem, absolut nickel-etc.-freiem Chirurgenstahl , Titan o.ä. (erhältlich bei den meisten guten Piercern, Piercingversandhandel etc.), der dann auch deutlich teurer sein kann, die einzige ratsame Schmuck-Alternative sein, bis sich das Ohrloch beruhigt hat bzw. verheilt ist. Empfehlenswert ist z.B. ein kleiner Barbell-Stecker mit möglichst dünnem Durchsteckstift (unter 1mm Stärke).
Normale Ohrstecker müssen wegen der anfänglichen Schwellung einen ziemlich langen Stift haben (ist bei den handelsüblichen Pistolen-Erstlingssteckern meist leider nicht gegeben!), dürfen nicht drücken oder zu stramm aufgesteckte Verschlussschmetterlinge haben. Das verstärkt die Reizung und damit Schmerz und Schwellung.
Aber auch dbei gut verheilttem Loch kann's immer wieder Probleme geben. Der Ohrrandbereich ist eben deutlich empfindlicher als das Ohrläppchen.

Viele Grüße
Alwin

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