Ohrlochforum (aktuell) Archiv: Übersicht Archiv: Suche

Das aktuelle Ohrlochforum ist nun hier. Unten siehst Du ein Teil vom Archiv von 1999 - 2018.

Re: Meine Erfahrungen + Thema 'Mitten im Laden'

geschrieben von micha am 26.10.2002 um 01:49:50 - als Antwort auf: Re: Meine Erfahrungen + Thema 'Mitten im Laden' von Steff
Verstöße gegen die Werte und Regeln des Forums bitte hier melden.

Hallo Steff,

hier noch einige Anmerkungen von mir:

>Ich wollte nur sagen: Ich sehe _Nasenstecker_ in der Stadt bei keinem Mann, also kommt es für mich persönlich nicht in Frage, weil (heute) noch zu exotisch. Genauso wie Ohrringe vor 25 Jahren; damals hatten ja auch von den Frauen höchstens 10 % Ohrschmuck, die meisten davon Clips, ausser in südlichen Ländern. Es hat für mich nichts zu tun mit Schmerz oder so.
>Dass Ohrschmuck bei Männern unterdessen "total akzeptiert" ist, ist klar. Ich habe ja auch einen.

Na, an den 10 % habe ich schon meine Zweifel. Das erscheint mir zu niedrig. Aber bei Männern waren es gewiss höchstens 0,1 %; inzwischen bei jüngeren Männern deutlich über 10 %!

>Und übrigens zur wieder aufgeflammten Diskussion, ob man Säuglinge(-innen) löchern soll: ich bin mir da gar nicht sicher, ob das den Italienerinnen wirklich bei der Geburt gemacht wird. Ich erinnere mich noch an zwei Schwestern, die eine ca. 15, die andere etwa 12. Ohrringe hatte nur die ältere. Hat die jüngere dann vielleicht zB. mit 13 noch welche bekommen ? ich weiss nicht.
>Jedenfalls wäre ich aus rein praktischen Gründen dagegen: bis die Kinder erwachsen sind, verschiebt sich das Loch in völlig unvorhersehbarer Weise und liegt dann meist sehr unvorteilhaft.

Nee, da hast du mich ein bisschen falsch verstanden. Ich wollte keine neue Diskussion über das Ohrlochstechen bei Kleinkindern anzetteln. Das ist für mich schlicht und einfach Off-Limits und unabhängig vom Geschlecht. Mir ging es um deine Aussage, unter 20 sollte das nicht geschehen. Jugendliche gelten in unserer Gesellschaft mit 18 als volljährig und dürfen ab diesem Alter wählen. Nach meiner Meinung zu Recht. Ich bin übrigens ein ganz passabler Hobby-Schachspieler und freue mich riesig, wenn es mir mal gelingt, einem IM (internationaler Meister, nicht informeller Mitarbeiter der Stasi *g*) ein Remis abzuluchsen. Mittlerweile gibt es reichlich Beispiele Jugendlicher, die bereits mit 15 Jahren den GM-Titel (internationaler Großmeister) errungen haben. Bobby Fischer war einer der ersten. Solche Jungs würden mich auf dem Schachbrett gnadenlos zusammenschieben. Jugendliche sollte man schon ernst nehmen!

Mir ist natürlich schon klar, dass das hochbegabte Ausnahmeerscheinungen sind. Viel häufiger findet man Jugendliche, die reichlich kindischen Unfug im Kopf haben; aber die Frage, wieviel ältere Herrschaften nur noch Schwachsinn abliefern, darf man sich schon stellen.

Der Gesetzgeber versucht, den Jugendschutz durch Altersgrenzen zu realisieren. Das sind halt Mittel- und Erfahrungswerte ohne Rücksichtnahme auf die individuelle Entwicklung eines Jugendlichen. Tattoos sind zum Beispiel erst ab 18 Jahren erlaubt. Sonst geht es nur mit Einverständnis der Eltern, typischerweise aber erst ab 16 (darunter ist es juristische Grauzone ...). Diese Regelung ist für mich akzeptabel, weil eine Tätowierung eine Entscheidung für das ganze Leben ist. Ohrlöcher sind viel unproblematischer, da sie nicht so deutlich auffallen und inzwischen - darüber sind wir uns ja einig - gesellschaftlich weitgehend akzeptiert sind.

Aber es bleiben trotzdem viele Fragen: Die gesellschaftliche Akzeptanz ist definitiv ein ganz wunder Punkt. Die verändert sich nämlich im Laufe der Zeit fortwährend - Gott sei Dank! Ein HJ-Pimpf mit Ohrringen wäre vielleicht sogar totgeschlagen worden.

Ich hätte bereits als 17-jähriger gerne Ohrringe getragen und ein Tattoo gehabt und habe meine Wünsche manchmal mit Filzstiften auf meine Arme gepinselt. Und habe mit den Stecknadeln aus dem Nähkästchen meiner Mutter mein Ohrläppchen durchstochen. Und heimlich die Stiefel meiner Schwester angezogen.

Anfang 1970 war das aber alles für einen normalsterblichen Jugendlichen absolut unmöglich. Damals musste man beim Abitur im Anzug erscheinen, und sogar SDS-Häuptlinge sind noch 1968 geschniegelt mit Krawatte und Anzug durch ihre "revolutionäre" Weltgeschichte gewackelt. Arghh, ich erinnere mich noch genau an den Anzugkauf mit meiner Mutter; ich habe das Teil total gehasst!!! Unser Schuldirektor: "Wer bei den Abiturprüfungen nicht ordentlich gekleidet erscheint, kann sein Abitur vergessen". Die Krawatte dazu habe ich bockig verweigert. Als ich mit 21 in eine WG ausgezogen bin, kam das Teil sofort in die Mülltonne!

Steff, ich weiß nicht, ob du Kinder hast, aber sowas solltest du deinen Kindern nicht antun. Vergiss die 20 als Mindestalter und gönne den Jugendlichen ihren Spaß!

Reglementierungen haben eh keinen Sinn, da das alles irgendwann wieder hochkommt. Immerhin finde ich es toll, dass ich wenigstens meine "Midlife Crisis" (*hier muss ein extra-grinser hin*) radikal zelebriere. Gerade noch die Kurve bekommen, etwas früher hätte es schon sein dürfen.

liebe Grüße

micha

PS@Franzi: Du meinst 99,9999 %ig dieselben michas. Ich bin jedenfalls tätowiert und trage seit einem halben Jahr einen Nasenring. Im Tattoo- und Piercing-Forum poste ich häufig, wie du auch, und ihr beiden Franzis seid 99,9999 %ig dieselben wie ich (*smile*).

Mein Nasenring ist übrigens ein Nostril und kein Septum; gefällt mir besser. Frage mich bloß nicht warum - ich weiß es nicht. Vielleicht liegt es an meiner Neigung zu androgynem Outfit. Ich laufe ja auch gerne auf hohen Plateaustiefeln durch die Welt: Abba, Guildo Horn, Kiss, Sig-Sig-Sputnik, Prince oder Rocky-Horror-Picture-Show lassen grüßen ...

Antworten zu diesem Beitrag:
Ohrlochforum (aktuell) Archiv: Übersicht Archiv: Suche
lexikon regeln datenschutz