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Ohrloch beim Konservativen

geschrieben von Gerd am 29.01.2003 um 22:23:02
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Motiviert von eingen Mitgliedern in diesem Forum (Dank u. a. an Carlo und Jost) moechte ich auch meine Geschichte erzaehlen:

Mit dreissig habe ich mir im Urlaub in einem Einkaufszentrum spontan links ein Ohrlich schiessen lassen (getraeumt habe ich schon seit ueber 10 Jahren davon). Allerdings habe ich den Stecker wieder nach dem Urlaub rausgenommen, aus Angst vor Reaktionen, da ich insgesamt sehr konservativ bin.
Ich bin wirklich konservativ und schaetze die alten Werte sehr. Aber ein Ohrring bei Mannern fasziniert mich schon seit Jugendtagen. Nachweislich war aber auch der Ohrring in konservativen Kreisen bei Mannern immer wieder sehr beliebt, z. B. im Biedermeier oder bei den Handwerkszuenften. Sogar irgendein bayerischer Koenig soll schon Ohrringe getragen haben. Genau so wie Shakespare (gibt zum Maennerohrring in der Vergangenheit eigentlich Berichte usw.? Wuerde mich sehr interessieren!).
Egal, auf alle Faelle bereute ich den Entschluss, das Ohrloch wieder zuwachsen zu lassen und habe daher letztes Jahr nach über zwei Jahren den Stecker wieder rausgekramt und mit einer frischen Ampulle Ohrlochdesinfektion aus der Apotheke und ein paar Glaessern Rotwein als „innere Desinfektion“ durch mein Ohr geschoben. Da ich das am Tag vor meinem Urlaub gemacht habe, lies ich den Stecker auch die eine Woche drin. Die Freunde, mit denen ich in Urlaub gefahren sind, haben überhaupt nichts dazu gesagt. Das hat mich eigentlich schon erstaunt.
Nach dem Urlaub habe ich jedoch den Stecker wieder rausgenommen, da ich bedenken hatte, mit Ohrstecker in die Arbeit zu gehen. Ich habe den Stecker jedoch jeden Abend wieder (nach Desinfektion) reingemacht und ueber Nacht drinnen gelassen.
Mein Chef hat das frische Ohrloch zwar bemerkt (sah man an seinem erstaunten Blick auf mein linkes Ohr), hat aber nichts gesagt. Ein Kollege (mit Ohrring) sprach mich allerdings an, ob ich frueher auch einen Ohrring trug. Ich sagte ihm ja, aber seit einiger Zeit tragen ich wegen der Arbeit keinen mehr.
Auf alle Faelle hielt ich diese Prozedur tatsaechlich ueber ein halbes Jahr durch und mein zeiweise entzuendetes Ohrloch verheilte langsam. Inzwischen verschliest sich das Loch tagsueber nicht mehr und ich trage abends inzwischen zu Hause eine goldene Klappkreole.
Aber, obwohl ich mich privat in letzter Zeit immer wieder mal auf der Strasse mit Ohrring blicken lasse, habe ich immer noch Bedenken, was die Leute denken. Und ich fuerchte immer noch den Moment, dass mich Kollegen oder Verwandte mit Ohrring treffen koennten. In der Arbeit war ich noch nie mit Ohrring.
Das ist wohl das Schicksal eines Konservativen...

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