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Re: Der "Tag danach"

geschrieben von micha am 11.04.2004 um 05:09:47 - als Antwort auf: Re: Der "Tag danach" von Manuel
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>Hallo!
>Ist ja interessant, was hier immer für Fragen aufgeworfen werden! Warum übrigens nennst du es "Ritual"?
>Also als ich vor 4 Jahren (bin jetzt 21) mein Ohrloch bekam, hatte ich lange zuvor schon den Wunsch gehabt und mich nur nie getraut, weil ich Angst davor gehabt hatte, wie meine Umgebung wohl reagieren würde. Ich kann es nicht erklären aber ich wollte von "Anfang" an (so weit ich mich erinnern kann) eins. Und zwar nicht nur weil ich es "cool" fand, sondern auch weil es gewissermaßen einen erotischen Aspekt hat. Weiß nicht warum, aber ich finde Ohrringe ganz allgemein und bei Frauen total attraktiv (solange es nicht ZU viele sind: mehr als 3 sollten es je Ohr nicht sein finde ich...würde mich übrigens nicht als "Piercingfetischist" bezeichnen! (Bauchnabel oder Helix finde ich bei Mädels aber ganz schick)) und auch der Gedanke, selbst einen Ohrring zu haben machte mich regelrecht an. Das Thema hat schon eine Faszination - sonst würde es wohl auch nicht so intensiv diskutiert werden. (manchmal habe ich schon den Eindruck, dieses Forum sollte eigentlich in "Piercing-Forum" o. Ä. umbenannt werden) Vielleicht liegt es daran, dass das Ohr ja eine der erogenen Zonen ist. Bis zuletzt glaubte ich jedoch nicht, dass ich je den "Mut" aufbringen werde, in das Schmuckgeschäft - an dem ich jeden Morgen auf dem Weg zur Schule vorbeiging - hineinzugehen. Einmal drin im Laden gäbe es ja wohl kein Zurück mehr. Mein Wunsch nach einem Loch im Ohr wurde von Jahr zu Jahr größer und am Ende begann ich sogar, mir selbst "Ohrringe" aus "Draht" zu basteln (welche ich dann manchmal im Geheimen "ansteckte" an meinem linken Ohr und im Spiegel betrachtete) oder im Computer eine Fotomontage (geht ja ganz einfach) machte, um zu sehen, ob mir denn so etwas überhaupt "stehe". Denn was wenn es mir dann am Ende gar nicht mehr gefällt? Der Schritt sollte schon gut überlegt sein. Ich träumte lange davon. Als Kind war ich so neidisch auf jene Freunde, die einen Ring oder Stecker im Ohr hatten. Die Erziehung meiner Eltern war relativ streng (in gewisser Weise) und ich traute mich bis ich 17 war nicht, das Thema auch nur ansatzweise anzusprechen. Mit 17 war es dann eben so weit und ich erzählte ganz beiläufig davon, dass ich "das" vielleicht eines Tages machen werde. Überraschenderweise bekam ich kein wirkliches "Veto" zu hören. Nein, sie zeigten sich sogar erstaunlich tolerant. Muss ja jeder das tun, was ihm gefällt, hieß es. Trotzdem dauerte es noch ein Jahr bis es so weit war. Hatte dann meine Freundin, mit der ich über alles reden konnte, natürlich auch über die Ohrpiercing-Sache. Sie meinte, es könnte schon sein, dass mir so was stehe. Aber sie wisse es nicht. Freilich, sie wollte mich ja nicht unter Druck setzen oder mir etwas einreden. Völlig spontan und ungeplant ging ich eines Tages nach der Schule nicht am Schmuckgeschäft vorbei, sondern hinein. "Sch... egal was die anderen denken", dachte ich mir. Die Aufregung war nicht so groß wie ich dachte. Alles ging total schnell. Noch heute erinnere ich mich gerne an diesen Tag. Danach war ich total glücklich, dass mein Traum nun endlich wahr geworden war. Als ich nach Hause kam, bemerkte meine Mutter den Ohrstecker natürlich sofort. Ich traute meinen Ohren nicht, als ich von ihr Komplimente hörte. Dann war die Welt natürlich perfekt. Auch meine Kumpels sagten entweder gar nichts dazu oder aber "Seit wann hast du 'nen Ohrring?" - jedenfalls nichts abwertendes. Auch meine Freundin war positiv überrascht. Es verheilte gut, nur manchmal war es ein wenig entzündet, das lag sicher daran, dass ich zu viel daran rumspielte und den Stecker bereits nach 4 Tagen zum ersten mal rausnahm, um das Loch zu sehen :-)
>Naja auch jetzt - 4 Jahre später habe ich es noch nicht bereut. Auch an meiner Begeisterungsfähigkeit für Ohrringe hat sich nie etwas geändert. Deshalb habe ich mir in den letzten 4 Jahren sicher schon 7 Creolen und Stecker gekauft. Hatte eigentlich nie einen Ohrring für länger als 1 Monat drin. Und habe immer noch Spaß an meinem Ohrloch. Inzwischen sinds übrigens zwei, weil ich mir selbst vor 3 Monaten noch ein zweites dazu gestochen habe. Ist auch super verheilt. Meine Freundin hat auch 4 und wir haben sozusagen die gleiche "Neigung"...
>So ich glaube, deine Frage hiermit ausführlichst beantwortet zu haben. Die Frage über mein damaliges Selbstbewusstsein glaube ich erübrigt sich von selbst...*LOL*
>Und wie wars nun bei dir? Du stellst hier eine Frage aber hältst dich selbst im "Dunkeln"...?!
>Grüße,
>Manuel

Hallo Manuel,

endlich mal wieder ein aufrichtiger Beitrag im Forum! Ich habe mir meine beiden Ohrlöcher selbst gestochen. Die sind recht gut gelungen. Momentan trage ich beidseitig 3,2-mm-Klemmkugelringe mit 3cm Durchmesser. Das mag ja für Männer ein bisschen krass sein, aber mir gefällts! Ein bisschen Ohrlochaufweitung brauchte es allerdings - das geht aber ganz locker, wenn man sich genügend Zeit nimmt.

Als ich nach meinen selbstgestochenen Ohrlöchern am nächsten Morgen aufgewacht bin, war ich total wuschig. Mein erster Gedanke: Micha, du hast seit gestern abend durchbohrte Ohrläppchen. Willst du die wirklich für ewig haben? Noch kannst du wieder zurück - drin lassen oder nicht?

Irgendwann habe ich mich entschieden: Das bleibt - und ziehe bloß nicht wieder den Schwanz ein! Das habe ich dann auch konsequent durchgezogen.

Ähnlich aufregend aber schon viel mutiger verlief meine erste Tattoositzung im Studio. Als die ersten Outlines auf meinem Arm gestochen waren, konnte ich mir ein spontanes "Whoow, now I'm tattooed!" nicht verkneifen (mein Tätowierer kam aus England). Am nächsten Tag bin ich immer wieder ins Badezimmer gerannt, um meine neueste Schandtat selbstverliebt im Spiegel zu bewundern. Heute nach drei Jahren empfinde ich alles andere als Reue. Im Gegenteil: Ich freue mich bereits auf das erste warme Wetter, wo ich mein Tattoo endlich wieder ausführen kann!

liebe Grüße

micha

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