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Re: Ohrlochstechen 29.03.1962 in Wien
geschrieben von Karl am 06.07.2005 um 23:34:05 - als Antwort auf:
Ohrlochstechen 29.03.1962 in Wien von Carline
Krasse Geschichte. Und krasse Verfasserin. Obs stimmt? Keine Ahnung. Sich so was ausdenken? Kaum. Nun denn: Entweder traurige Kindheit oder gut geschriebene Geschichte. Gute Nacht
Karl
>Hier ein Auszug aus meiner Biographie. Für niemand um mich herum gab es bis dahin eine Geburtstagfeier oder irgendetwas als Geburtstagsgeschenk. Als gäbe es keinen Geburtstag. Außerdem wurde über mein jeweiliges Alter weder im Allgemeinen noch im Besonderen, so auch über meinen Geburtstag nie gesprochen. Thema Geburtstag war bis 29.03.1962 tabu. Niemand gratulierte mir an diesem Scheingeburtstag. Keiner sagte etwas morgens zu mir. An diesem Tag war ja nach dem Aufstehen alles wie immer und ich ging auch wie immer morgens zur Schule und danach in den Hort und kam auch wie immer, wieder in die Wohnung zurück. Dort stand aber eine fremde Frau bei der Scheinmutter Frau Melitta Schinz, geborene Meyhöfer in der Küche am Tisch und ich sollte mir gar nicht erst den Mantel ausziehen. Die Scheinmutter verkündete mir, gerade als ich zu ihnen in die Küche trat, dass ich heute meinen 8. Geburtstag hätte und ich deshalb jetzt direkt mit dieser Frau mitgehen sollte, weil sie mir ein ganz besonderes Überraschungsgeschenk machen will. Damit mir dieser 8. Geburtstag, heute unvergesslich bleibt. Aber keiner von beiden hat mir an dieser Stelle gratuliert. Während sie zu mir sprach, schauten sie mich nicht mal an, sie wendeten sich nicht einmal zu mir hin. Die Schein-Mutter hatte auch keinen Geburtstagskuchen, Blumen oder ein Geschenk, so wie ich es schon bei den anderen Kindern gesehen hatte, für mich übrig. Der Scheinbruder Reinhard Auschkalnis war auch nicht da, obwohl er heute wie schon des Öfteren, auch schon etwas früher allein vom Hort weggegangen war. Über diese fremde Frau hatte sie mir auch vorher nichts gesagt und sie stellte sie mir auch nicht eimalmal vor, was ich schon damals sehr merkwürdig fand. Ich hatte von ihr zuvor weder etwas gehört noch gesehen. Nun hatte ich mich einfach zu fügen und so bin ich mit unwohlen gemischten Gefühlen, mit ihr mitgegangen. Sie fuhr mit mir, in der Straßenbahn bis zum Angerbrunnen und ging dann zu Fuß mit mir links am Angerbrunnen vorbei in die Neuwerkstraße zu einem S
>Schmuckgeschäft. In diesem Geschäft wurde ich ganz besonders überschwänglich von der Geschäftsfrau erwartet begrüßt. Sie strahlte Kälte aus und ich habe auch noch sehr von draußen gefrohren. Sie haben mich gleich mit dem Vorwand der Geburttagsüberraschung scheinfreundlich überrumpelt, indem die fremden Frauen auch noch auf mich einredeten, dass sie mir ganz tolle Ohrringe ausgesucht haben und ich mir aber erst Ohrlöcher von ihr reinmachen lassen muss, damit sie auch gleich reingemacht werden können. Alle Mädchen würden das jetzt gern haben wollen, und dass es was ganz tolles wäre. Ich wollte aber keine Ohrlöcher und kannte auch niemand unter den Kindern mit Ohrringen. Nein, es war zu der Zeit damals auch nicht üblich. Sicher hätte ich dann auch keine bekommen. Die Ohrringe sollten mich nicht schmücken, sondern auffällig als Hure mit hässlichen ausgedehnten Ohrlöchern kennzeichnen. Wenn ich dabei auch noch durch eine Infektion verloren gegangen wäre, hätten sie damals die Feier gemacht, auf die sie möglicherweise heute noch hoffen. Ich habe überhaupt keinen Wunsch in dieser Richtung gehabt. Sie redeten auf mich kleines Mädchen damals sehr ein, wie sehr sich das (angeblich) die anderen als Geschenk gern wünschen würden. Es fiel mir auf, dass ich von ihnen bis dahin überhaupt noch nie etwas zum Geburtstag geschenkt bekommen habe. Es wäre mir in dem Moment lieber gewesen, wenn auch die Scheinmutter noch dabei gewesen wäre. Sie zog sich meistens zurück, wenn es darum ging mich zu verletzten, war sie meistens nicht da. Es waren zwei fremde Frauen, die ich nie zuvor und auch nie mehr danach gesehen habe. Sie wussten genau, dass ich sie nicht beleidigen und vor dem Kopf stoßen würde und so ein großartiges Geburtstagsgeschenk, wie sie es nannten, nicht ablehnen könnte. Ich sollte mich auf den Stuhl setzen und die Geschäftsfrau vereiste jeweils zuerst ein Ohrläppchen und mit einem ent-sprechenden Gerät wurde gleichzeitig das Ohrloch zusammen mit dem Ohring eingefädelt. Es tat mir trotzdem sehr weh und als ich dann in den Spiegel schauen durfte, bekam ich einen Schock. Sie begannen sofort alles „schön“ zu reden. Viel zu tief zum unteren Ohrläppchenrand war das Ohrringloch, am rechten Ohr eingestochen worden und nicht in der Mitte. Die Ohrringe habe ich wie schon gesagt, nicht vorher sehen dürfen, sonst hätte ich garantiert denen ihr Geschenk abgelehnt. Ich hatte ihnen vertraut, dass sie mir, wie sie sagten, Ohrringe reinmachen, die ganz bestimmt zu mir passen würden. Ich hatte in der Geschäftsauslage verschiedene schöne kleine zierliche Kinderohrringe gesehen und dachte bei ihren freundlichen Reden an solche, weil ich auch noch ein kleines Kind war. Das war ihr verlogener Trick mir als kleines Kind gegenüber. Dabei betonten sie immer wieder ganz besonders meinen angeblichen „8. Geburtstag“. Weil doch der 8. Geburtstag von mir heute, wie sie es an dem Tag betonten, so etwas ganz Besonderes wäre, machen sie mir deshalb dieses Schmuck-Geschenk. Das Gerät konnte ich mir nicht anschauen. Aber was ich von dem noch flüchtig im Blickwinkel sehen konnte, sah äußerlich wie ein maschinelles Gerät aus und nicht so wie eine Pistole. Die Funktionsweise dagegen muß wohl so ähnlich wie bei den heutigen Ohrlochpistolen gewesen sein. Zuerst wurden die Ohrläppchen vereist, dann dieses maschinelle Gerät drangehalten und dabei hielten sie mein Ohrläppchen fest und dann tat es sehr weh trotz vorheriger Vereisung. Der Ohring war damit schon drin. Im Anschluss kam sofort noch das andere Ohrläppchen dran und dann machten die beiden Frauen die Ohrringe zu. Dann sagte sie dass es fertig ist und die andere Frau stand schon an der Tür. Auf meinem Weg zur Tür sagte sie noch zu uns, dass die Wunde immer schön mit Speiseöl feucht gehalten werden soll. Aber es waren dann viel zu große, lange und schwere Hängeohrringe mit großen klotzigen hellblauen Steinen für große erwachsene und ältere Frauen damals. Mir wurde übel als sie dann noch zynisch im Befehlston zu mir sagte, dass ich sie auf gar keinen Fall herausnehmen darf, bevor nicht alles ganz verheilt ist, weil
>sonst die Ohrlöcher wieder zuwachsen würden, also alles umsonst gewesen wäre. Sie nahm mich anschließend gleich wieder an die Hand und ging mit mir wieder zur Straßenbahn. Wie auf dem Hinweg redete sie auf dem Rückweg auch kein einziges Wort mit mir. Sie lieferte mich der Schein-Mutter Frau Melitta Schinz, geborene Meyhöfer an der Tür ab, als sie öffnete, ohne sich von mir zu verabschieden. Sie kam nicht mal kurz mit rein, um mich vorzustellen und zu berichten. Diese Frau habe ich nie wieder gesehen. Ich war unglücklich. Der Scheinbruder Reinhard Auschkalnis grinste immer, wenn er mich sah. Er fand das was sie mir alle antaten offensichtlich sehr witzig. Von Anfang an schmerzten die Ohrlöcher so sehr und die Ohrringe gefielen mir auch nicht. Sie waren für mich viel zu groß und viel zu schwer. Jede Bewegung am Tag und in der Nacht tat mir sehr weh. Die Scheinmutter verbot mir die Ohrringe rauszumachen und beide Ohrläppchen entzündeten mit Vereiterung. Drei Wochen zwang sie mich das auszuhalten und sie schimpfte mit mir, wenn ich sie weinend rausmachen wollte. Allein konnte ich die Schließe an meinen wunden Ohren nicht öffnen. Im Hort sollten die Erzieherinnen meine Ohren nur mit Öl betupfen und auf keinen Fall rausmachen. Dann hörte ich hinter meinem Rücken die Erwachsenen über mich reden, das ich von meinen Angehörigen schon so früh wie möglich wie eine Hure zurecht gemacht werden soll, damit ich den Männern und der Gesellschaft so früh wie möglich als Hure auffallen soll. Dass meine Ohrläppchen ruhig lang gezogen und ausgedehnt hässlich und wie bei manchen ganz alten Frauen werden sollen, und dass die langen schweren Ohrringe meine Ohrlöcher so werden lassen. Auch wenn ich damals noch nicht alles deffinieren konnte, hat mich das aber insgesamt sehr traurig gemacht und ich habe mich danach immer mehr intensiv nach meinem eigenen Empfinden, mit meinen mir zur Verfügung stehenden wenigen Mög-lichkeiten, bestimmender durchgesetzt und mir nichts einreden lassen. Ganz egal, was sie von mir oder über mein Geschmacksem
>pfinden gemeint haben. Das was sie an mir schön fanden, haben sie mich ja oft genug spüren lassen, als dass ich noch mit denen einer Meinung sein könnte. Nach drei bis vier Wochen machte mir eine Erzieherin auf der Toilette vorsichtig die Ohrringe raus und übergab sie mir zu meiner Aufbewahrung. Aber weil wir gerade in der Nähe von Toilettenbecken standen, warf ich einfach die Ohrringe in ihrem Beisein rein und spülte runter. Die Erzieherin schrieb der Scheinmutter einen Brief, den ich ihr anschließend gleich persönlich übergeben sollte. Sie sagte daraufhin nichts zu mir und fragte auch nicht mal nach den Ohrringen. Auch nicht mal später. Heute bestätigt meine Erinnerung daran, dass sie mir auch das angetan haben und das sie besonders gern solche hinterhältigen Gelegenheiten dazu benutzt haben, wo ich ihnen als Kind so sehr vertraut habe.
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