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Re: Ohrlöcher - wie es mit den Gefühlen weiterging

geschrieben von Alexus am 12.01.2006 um 19:30:04 - als Antwort auf: Ohrlöcher - wie es mit den Gefühlen weiterging von Gefühlsmensch
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Ich find Deine beiden Texte genial. Erstens sehr gut geschrieben - und ich habe mich beinahe vollständig darin wiedererkannt. Auch kleinen Jungen geht es nicht anders - und die Ohrlochexperimente als Teeny einschließlich des anschließenden Kaschierens durch Mutters Abdeckcreme kenne ich auch.

Der absolute Hype war der Tag, als es in einem Kaugummiautomaten bei uns um die Ecke so Spielzeugkapseln mit Ohrringen gab: und zwar richtigen, keine Clips. Für eine Mark das Stück. Das war natürlich ganz furchterregend scheußlicher Tand, aber echte Ohrringe mit echtem Schmetterlingsverschluss. Einer davon war wohl nickelhaltig, verfärbte das frische Ohrloch dunkel und erzeugte einmal sogar ein ganz merkwürdigen Schorf über das ganze Ohrläppchen, der sich dann leider nicht mehr so leicht kaschieren ließ. Ein Klassenkamerad fragte damals ganz unverblümt, ob ich mir ein Ohrloch gestochen hätte - so, als ob das völlig eindeutig wäre, wenn man mit einem verschorften Ohrläppchen herumläuft - ich war nahe am Adrenalinschock und konnte mich nur knapp mit dem Argument herausreden, ich hätte mich da aufgeschürft.

Dann habe ich mich ständig der Frage gewidmet, wie man es wohl schaffen könnte, das Abheilen auch ohne Tragen von Ohrringen zu schaffen. Mein erstes Ohrloch habe ich auf diese Weise auch tatsächlich selbst produziert - die "Entwicklungsphase" dieses Prinzips hat aber recht lange gedauert und ich bin im Nachhinein dankbar, dass es zu keiner Infektion gekommen ist.

Ebenso kenne ich die "Stiche" in der Magengegend gut (oder ein tiefes Erschrecken), wenn wieder eine Klassenkameradin mit etwas Glitzerndem am Ohr in die Schule kam. Noch tieferes Erschrecken, als die ersten Männer so Mitte der 80er Jahre mit Ohrringen auftauchten - irgendwann auch bei uns in der Schule. Da die wenigen, die das in einer sehr elitären Bildungsanstalt wie der meinen, wagten, einiges Spießrutenlaufen durch ihren Klassenkameraden zu ertragen hatten und auch meine engsten Freunde Ohrringe bei Männern blöd fanden, fühlte ich mich dann auch immer wohl, auf der (offiziell) ungelochten Seite zu sein. Es blieb mein Geheimnis - bis ich zum Studium den Ort gewechselt habe.

Zwar gaben meine Eltern nicht an, Ohrringträger seien krank oder es sei nichts deutsches, aber sie zeigten auch ganz offen Ablehnung und erlaubten es auch meiner Schwester nicht, bis sie volljährig war und selbst entscheiden konnte. Es hat bis heute zur Folge, dass ich mich meinen Eltern nicht mit Ohrringen zeige - obwohl absurd, weil inzwischen alle meine Geschwister (auch mein Bruder) gelocht sind. Diesen Komplex habe ich behalten.

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