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Re: Weshalb - @Gefühlsmensch und alle Interessierten
geschrieben von piercloch am 16.11.2006 um 09:37:00 - als Antwort auf:
Weshalb - Die Frage, die Piercloch aufwarf... von Gefühlsmensch-in
Hallo Gefühlsmensch,
nein, Deine Geschichte kannte ich noch nicht, da ich erst seit kurzer Zeit in diesem Forum bin. Interessant ist für mich, dass offensichtlich Männlein wie Weiblein von dem Virus "Ohrloch" befallen sein können.
Eine Parallele zu meinem Leben kann ich feststellen: Auch meine Mutter und sämtliche weiblichen Mitglieder meiner Familie trugen keinerlei Ohrringe. Das war nie ein Thema und natürlich habe ich meinen Eltern gegenüber nie den Wunsch geäußert, öffentlich Ohrringe zu tragen. Für einen Jungen war das in jener Zeit so abwegig, dass selbst ich nicht auf diesen Gedanken kam. Auch meine Kameraden hätten dafür keinerlei Verständnis gehabt und hätten mich mit absoluter Sicherheit für „krank“ und für „schwul“ erklärt und aus unserem Freundeskreis "ausgestoßen".
Einmal hatte ich vergessen, meine selbstgebastelten "Kreolen", die ich oft in der Nacht trug, rechtzeitig vor dem Morgenwecken heraus zu nehmen. Meine Mutter war wohl sehr geschockt und fragte mich, ob ich lieber ein Mädchen wäre.
Ganz sicher wusste sie spätestens ab diesem Zeitpunkt von meiner "Leidenschaft". Thematisiert wurde sie jedoch nie. Ich hätte das damals auch nicht gewollt.
Ich erinnere mich auch, dass mir ein Klassenkamerad eines Tages erzählte, dass er einen Ohrring gefunden habe. War damals wohl etwa 12 Jahre alt. Ich gab so lange keine Ruhe, bis er mir diesen mitbrachte und schenkte. Ich kann mich sehr gut an das Gefühl erinnern, als ich das Schmuckstück zum ersten Mal in der Hand hatte. Es war eine Mischung aus Faszination, wohligem Schauer aber auch ein Gefühl von Gefahr. Natürlich habe ich ihn etwas später - heimlich - selbst getragen.
Das hat sich geändert. Heute stehe ich - wie gesagt - dazu. Das heißt nicht, dass ich nun sehr auffälligen, sichtbaren Schmuck trage. Man muss das nicht jedem gleich auf die Nase binden. Nur wer's unbedingt wissen will, dem versuche ich's zu erklären, was übrigens bei Menschen, die keinen "Nerv" hierfür haben, ziemlich schwierig, oft unmöglich ist. Natürlich weiß meine Frau davon. Sie hat selbst mehrfach gepiercte Ohren und trägt einen Nasenstecker. Auch mit meinen erwachsenen Kindern habe ich darüber gesprochen.
Ich habe gelernt einzuschätzen, was ich meiner Umgebung in dieser Sache gerade noch zumuten kann. In meinem gedehnten Ohrloch (10 mm) trage ich normalerweise einen fast hautfarbenen Plug aus Stein. Ferner einen winzigen, kaum sichtbaren Nasenstecker, einen unsichtbaren Septumkeeper und ein 4mm Zungenpiercing mit hautfarbenen, aufgeschraubten Halbkugeln aus medizinischem Kunststoff, ebenfalls kaum sichtbar. Alles andere spielt sich "undercover" ab. Dort aber reichlich.
Ganz erstaunlich finde ich übrigens, dass sich Deine Eltern, vor allem Dein Vater, wenn auch spät, so doch noch die Ohren piercen ließen.
Gerne würde ich mich weiter mit Dir über unsere "Leidenschaft" unterhalten. Du kannst mir gerne unter piercloch@email.de auch "unter Ausschluss der Öffentlichkeit" direkt schreiben.
Freundliche Grüße vom Piercloch
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