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Ohrlochstechen bei kleinen spanieschen Mädchen
geschrieben von Dolores am 30.03.2007 um 14:44:02
Hallo!
Als gebürtige Spanierin kann ich diese ganze Aufregung ums Ohrlochstechen bei kleinen jungen Mädchen überhaupt nicht verstehen.
In unserem Dorf in Spanien trugen ausnahmslos alle Mädchen große goldene Ohrringe (Creolen), hatten also auch schon frühzeitig ihre Ohrlöcher gestochen bekommen. Das war in den jeweiligen Familien immer eine Art Ceremonie, die groß gefeiert wurde. Allerdings flossen bei den Mädchen auch immer reichlich Tränen, denn es war doch eine ziemlich schmerzhafte Prozedur, weil damals in der spanischen Provinz die Ohrläppchen vom Dorfarzt noch mit einer großen heißen Nadel durchgestochen wurden (so wird es dort teilweise auch heute noch gemacht).
Dementsprechend groß war dann auch meine Angst vor dem Ohrlochstechen und ich schaffte es tatsächlich bis zu meinem 5.Lebensjahr mich dem zu entziehen. Aber ich wusste natürlich nur zu genau, dass irgendwann auch für mich der Tag kommen würde, an dem es kein zurück mehr gibt...
An meinem 5.Geburtstag war es dann soweit: Ich musste mit meiner Mutter zum Arzt (meine Verwandschaft hatte mir große schwere goldene Creolen-Ohrringe geschenkt) und mir meine Ohrläppchen durchstechen lassen. Diesen Tag werde ich nie vergessen, denn solche Schmerzen hatte ich bis dahin noch nicht verspürt. Es war die Hölle, aber auch ich wusste, dass es nunmal sein musste. Denn ein Mädchen ohne Ohrlöcher? Undenkbar!
Nun habe ich mittlerweile selber eine fast 4-jährige Tochter. Da ich als Mutter darüber entscheide welche Klamotten sich trägt, welche Schuhe sie trägt, welchen Haarschnitt sie hat usw., kurz gesagt: Da ich über ihr Äusseres entscheide, liegt es auch in meiner Macht darüber zu entscheiden, ob und wann sie ihre Ohrlöcher gestochen bekommt.
Ob ich mit ihr zum Ohrlochstechen gehen würde, war für mich natürlich überhaupt gar keine Frage, denn wie schon erwähnt: Ein Mädchen ohne Ohrlöcher ist für mich überhauptnicht denkbar! Da mir meine Schwiegermutter mittlerweile schon ziemlich deutlich zu verstehen gab, dass sie mit meiner Tochter zum Arzt gehen würde, wenn ich das nicht bis spätestens zu ihrem 4.Geburtstag erledigt hätte, machte ich im letzten Monat also endlich einen Termin bei unserem Kinderarzt klar.
Vor 2 Wochen war es dann soweit: Ich nahm meine Kleine und machte mich auf den Weg. Es war recht anstrengend, denn meine Tochter möchte eigentlich gar keine Ohrringe tragen und dementsprechend sich auch keine dafür notwendigen Löcher durch ihre Ohrläppchen stechen lassen. Außerdem hat sie riesengroße Angst vor dieser Prozedur und bat mich schon desöfteren unter Tränen nicht mit mir deshalb zum Arzt gehen zu müssen.
Nicht das ich hier falsch verstanden werde: Ich liebe meine Kleine wirklich über alles, aber nicht sie hat darüber zu entscheiden, sondern ich! Und in diesem Falle gibt es nunmal keinerlei Diskussion - ich habe mich schon viel zu lange weichklopfen lassen: Meine Süße soll (als Tochter einer echten Spanierin) große Creolen-Ohrringe tragen und muss sich deshalb auch die entsprechenden Löcher durch ihre Ohrläppchen stechen lassen! Ganz egal wie weh das auch tut!
Wir wohnen in einem sehr kleinen Dorf nahe der deutsch-polnischen Grenze und unser Kinderarzt hat nun nicht gerade die modernste Praxis. Ohrlochstechen betreibt er noch nach der alten Methode. Nichts da mit Pistole so wie es mittlerweile fast Standard ist: Er durchsticht die Ohrläppchen noch mit einer heißen Nadel und fummelt anschließend die mitgebrachten Ohrringe aus Gold oder Silber durch das gerade frisch gestochene noch wunde Ohrloch.
Ich betrat also mit meiner Tochter seine kleine dörfliche Praxis und nahm im Wartezimmer platz. Die Tränen liefen ihr aus ihren kleinen Augen. Sie ahnte wohl schon, was in den kommenden gut 30 Minuten auf sie zu kommen wird. Als wir dann aufgerufen wurden und ins Behandlungszimmer gingen, zitterte meine Kleine am ganzen Körper. Sie setzte sich auf den Stuhl und der Arzt machte bereits die große Nadel heiß, als meine Tochter ganz laut anfing zu weinen. Mir war das schon etwas peinlich, schließend kennt sich in so einem kleinen Dorf jeder und der Tratsch war garantiert. Die Arzthelferin hatte allergrößte Mühe meine Kleine festzuhalten und zu fixieren, damit die Nadel angesetzt werden konnte. Ich kann ihnen sagen: Das war vielleicht ein Drama... Der Arzt durchstach dann zuerst das rechte Ohrläppchen meiner Tochter, die sich vor Schmerzen fast die Seele aus ihrem kleinen Leib heulte. Anschließend wurde der erste große goldene Creolen-Ohrring, die mir meine Schwiegermutter mitgab, ins wunde Ohrloch gefummelt. Volle 10 Minuten brauchte der Arzt dafür, denn der Ohrring hatte einen kleinen Hakenverschluß, der nicht einfach so durchs Ohrloch paßte (bei diesem Anblick erinnerte ich mich daran, als mir meine Ohrlöcher gestochen wurden und die Hakenverschluß-Creolen-Ohrringe mit größter Mühe durchs frische Ohrloch gefummelt wurden - ich wurde fast ohnmächtig vor Schmerzen). Und das schöne neue Shirt, dass ich meiner Tochter erst vor 3 Wochen gekauft hatte, konnte ich nun gleich wieder wegschmeissen - überall Bluttropfen... Nachdem dann auch das linke Ohrläppchen durchstochen war und der zweite Ohrring eingesetzt wurde, konnte ich mit meiner (leider nicht sehr tapferen) Tochter wieder nach hause fahren. Auch nach zwei Stunden wimmerte sie immer noch pausenlos. Somit fiel auch das Eis essen aus, dass ich ihr eigentlich versprochen hatte, falls sie ein tapferes Mädchen sein sollte.
Zu ihrer Einschulung in 2 Jahren (so hat es meine Familie entschieden) werde ich meiner Tochter übrigens das zweite Paar Ohrlöcher bei diesem Arzt stechen lassen, so dass sie dann jeweils 2 Ohrlöcher in jedem ihrer Ohrläppchen hat. In diesen zweiten Löchern wird sie dann etwas kleinere, aber trotzdem schwere goldene Creolen-Ohrringe tragen bzw. tragen müssen, denn auch darüber wird es keinerlei Diskussion geben. Alle Mädchen und Frauen in meiner Familie haben sich mindestens 4 Löcher durch ihre Ohrläppchen stechen lassen (müssen). Deshalb wird auch meine Kleine da keine Ausnahme machen!
Diese Technik des Ohrlochstechens hat (obwohl extrem schmerzhaft) den Vorteil, dass sich meine kleine Tochter schon gleich von Beginn an an das Tragen echter Creolen-Ohrringe gewöhnen kann. Die Erfahrung hat nämlich gezeigt, dass kleine Mädchen große Umstellungsschwierigkeiten haben, wenn von den Erstlings-Steckern auf richtige Ohrringe gewechselt werden soll. Mal ganz davon abgesehen, dass Ohrstecker für meine Tochter ohnehin nicht in Frage kommen. Meine Tochter soll und wird 2 große und in zwei Jahren dann zusätzlich noch 2 kleinere schwere goldende Creolen-Ohrringe tragen. Und zwar ausschließlich und jeden Tag. Ohne jegliche Ausnahme. Außerdem weiß sie jetzt schon ganz genau, was für Konsequenzen es haben wird, sollte sie auf den Gedanken kommen, diese Creolen-Ohrringe einmal rausnehmen zu wollen. Welchen Ohrschmuck sie ab ihrem 18.Lebensjahr trägt (also wenn sie volljährig ist) kann sie selbst entscheiden. Bis dahin aber entscheide ich als ihre Erziehungsberechtigte das.
Dort wo ich herkomme (Spanien) ist das alles ganz selbstverständlich so. Jedes Mädchen dort hat sich bis spätestens zum 5.Geburtstag seine Ohrläppchen durchstechen lassen bzw. wird bei unwilligen Mädchen eben entsprechend dafür gesorgt, dass ein Arzt ihnen die Ohrlöcher, die ein Mädchen nun einmal haben muß, sticht. Dabei wird richtigerweise keine Rücksicht darauf genommen, ob die Mädchen das vielleicht gar nicht wollen und sehr große Angst vor den starken Schmerzen haben. Sie werden gar nicht erst danach gefragt. Und das ist genau richtig so! Denn nochmals: Mädchen werden nicht mit Löchern in ihren Ohren geboren, also werden sie sich ihre Ohrläppchen eben vom Arzt durchstechen lassen müssen. Insofern verstehe ich diese ganze Aufregung in diesem Forum nicht.
Dolores
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