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Über das Ohrlochstechen als Geburtstagsgeschenk – 1962
geschrieben von Karline Henkel am 25.05.2007 um 23:36:00
Zum besseren Verständnis der Situation bezüglich meines Geburtstages, finden Sie eine Zusammenfassung über meine ersten fünf Jahre unter dem Link.
Seit der 2. Klasse damals, zur der Zeit in der Schwemmbach-Schule in Erfurt (DDR) soll ich mir den 29.03.1954 als Geburtstag merken. Bis zur 2. Klasse im Schuljahr 1961/62 wurde mit mir kein Geburtstag begangen. Damit ich den falschen Geburtstag von 1962 an, mir als meinen 8. Geburtstag einpräge sollte, wurde mir ca. ± 4 Wochen vereiterte Ohrläppchen infolge (Zwangs)Ohrlöcher mit viel zu großen schweren Ohrringen als so genanntes (Geburtstags)Geschenk, angetan. Dazu gab es keine Geburtstagsfeier, weder in der Schule, noch privat. Dieses falsche Geburtsdatum, dann später so im Personalausweis, wurde von der BRD ohne Hinterfragung einfach so übernommen und wird noch weiter so verwaltet. In Wahrheit bin ich zwei Jahre und eventuell noch ein paar Monate jünger, als ich geführt werde.
Über Ohrlochstechen als Geburtstagsgeschenk – 1962
Es gab damals um mich herum für niemanden eine Geburtstagfeier oder irgendetwas als Geburtstagsgeschenk. Als gäbe es keinen Geburtstag, weder für Reinhard noch für die Scheinmutter Frau Melitta, damals Schinz, geb. Meyhöfer und erst recht nicht für mich. Außerdem wurde über mein jeweiliges Alter sowohl im Allgemeinen als auch im Besonderen, so auch über meinen Geburtstag nie gesprochen. Thema Geburtstag war bis 29.03.1962 tabu. Niemand gratulierte mir an diesem Scheingeburtstag. Keiner sagte morgens etwas zu mir. An diesem Tag war ja nach dem Aufstehen alles wie immer und ich ging auch wie immer morgens zur Schule und danach in den Hort und kam auch wie immer, wieder in die Wohnung zurück. Dort stand aber eine fremde Frau bei der Scheinmutter Frau Melitta Schinz, geborene Meyhöfer in der Küche am Tisch und ich sollte mir gar nicht erst den Mantel ausziehen. Die Scheinmutter verkündete mir, gerade als ich zu ihnen in die Küche trat, dass ich heute meinen 8. Geburtstag hätte, was ich jedenfalls ihnen so abnehmen und glauben sollte und ich deshalb jetzt direkt mit dieser Frau mitgehen sollte, weil sie mir ein ganz besonderes Überraschungsgeschenk machen möchte. Damit mir dieses Tagesdatum am 29.03.1962 als "8." Geburtstag für mich auch unvergesslich bleibt, wurde bei mir mit diesem Erlebnisgeschenk an meinem Schein-Geburtstag die weitere Jahreszählung neu begonnen. Aber keiner von beiden hat mir an dieser Stelle gratuliert. Während sie zu mir sprach, schauten beide mich nicht mal an, sie wendeten sich nicht einmal zu mir hin. Die Schein-Mutter hatte auch keinen Geburtstagskuchen, Blumen oder ein Geschenk, so wie ich es schon bei den anderen Kindern gesehen hatte, für mich übrig. Der Scheinbruder Reinhard Auschkalnis war auch nicht da, obwohl er heute wie schon des Öfteren, auch schon etwas früher allein vom Hort weggegangen war. Sie sagte mir auch nichts über diese fremde Frau und stellte sie mir auch nicht mal vor, was ich schon sehr merkwürdig fand. Ich hatte von der Frau zuvor weder gehört noch gesehen. Nun hatte mich einfach zu fügen und so bin ich mit gemischten Gefühlen, mit ihr mitgegangen. Sie fuhr mit mir, in der Straßenbahn bis zum Angerbrunnen und ging dann zu Fuß mit mir links am Angerbrunnen vorbei in die Neuwerkstraße zu einem Schmuckgeschäft. In diesem Geschäft wurde ich ganz besonders überschwänglich von der Geschäftsfrau erwartet begrüßt. Sie strahlte Kälte aus und ich habe auch noch sehr gefroren. Sie haben mich gleich mit dem Vorwand der Geburttagsüberraschung scheinfreundlich unerwartet überrumpelt, indem die fremden Frauen auch noch auf mich einredeten, dass sie mir ganz tolle Ohrringe ausgesucht haben und ich mir aber erst Ohrlöcher von ihr Reinmachen lassen muss, damit sie auch gleich rein gemacht werden können. Alle Mädchen würden das jetzt gern haben wollen, und dass es was ganz tolles wäre. Ich wollte aber keine Ohrlöcher und kannte auch niemand unter den Kindern mit Ohrringen. Ich habe überhaupt keinen Wunsch in dieser Richtung gehabt. Sie redeten auf mich kleines Mädchen ein, wie sehr sich das die anderen als Geschenk gern wünschen würden. Es fiel mir auf, dass ich bis dahin überhaupt noch nie etwas zum Geburtstag geschenkt bekommen habe. Es wäre mir in dem Moment lieber gewesen, wenn die Scheinmutter dabei gewesen wäre. Sie wussten genau, dass ich sie nicht beleidigen und vor dem Kopf stoßen würde und so ein großartiges Geburtstagsgeschenk, wie sie es nannten, ablehnen würde. Ich sollte mich auf den Stuhl setzen und die Geschäftsfrau vereiste jeweils zuerst ein Ohrläppchen und mit einem ent-sprechenden Gerät wurde gleichzeitig das Ohrloch zusammen mit dem Ohrring eingefädelt. Es tat mir trotzdem sehr weh und als ich dann in den Spiegel schauen durfte, bekam ich einen Schock. Sie begannen sofort alles „schön“ zu reden. Viel zu tief zum unteren Ohrläppchenrand war das Ohrringloch, am rechten Ohr eingestochen worden und nicht in der Mitte. Die Ohrringe habe ich wie schon gesagt, nicht vorher sehen dürfen, sonst hätte ich garantiert denen ihr Geschenk abgelehnt. Ich hatte ihnen vertraut, dass sie mir, wie sie sagten, Ohrringe rein machen, die ganz bestimmt zu mir passen würden. Ich hatte in der Geschäftsauslage verschiedene schöne kleine zierliche Kinderohrringe gesehen und dachte bei ihren freundlichen Reden an solche, weil ich auch noch ein kleines Kind war. Das war ihr psychologischer Trick mir als kleines Kind gegenüber. Dabei betonten sie immer wieder ganz besonders meinen angeblichen „8. Geburtstag“. Weil doch der 8. Geburtstag von mir heute, wie sie es betonten, so etwas ganz Besonderes wäre, machen sie mir deshalb dieses Schmuck-Geschenk. Aber es waren dann viel zu große, lange und schwere Hängeohrringe mit großen klotzigen hellblauen (Topas) Steinen für große erwachsene oder ältere Frauen damals. Mir wurde übel als sie dann noch zynisch im Befehlston zu mir sagte, dass ich sie auf gar keinen Fall herausnehmen darf, bevor nicht alles ganz verheilt ist, weil sonst die Ohrlöcher wieder zuwachsen würden, also alles umsonst gewesen wäre. Sie nahm mich anschließend gleich wieder an die Hand und ging mit mir wieder zur Straßenbahn. Wie auf dem Hinweg redete sie auf dem Rückweg auch kein einziges Wort mit mir. Sie lieferte mich der Schein-Mutter Frau Melitta Schinz, geborene Meyhöfer an der Tür ab, als sie öffnete, ohne sich von mir zu verabschieden. Sie kam nicht mal kurz mit rein, um mich vorzustellen und zu berichten. Diese Frau habe ich nie wieder gesehen. Ich war unglücklich. Der Scheinbruder Reinhard Auschkalnis grinste immer, wenn er mich sah. Er fand das was sie mir alle antaten offensichtlich sehr witzig. Von Anfang an schmerzten die Ohrlöcher so sehr und die Ohrringe gefielen mir auch nicht. Sie waren für mich viel zu groß und viel zu schwer. Jede Bewegung am Tag und in der Nacht tat mir sehr weh. Die Scheinmutter verbot mir die Ohrringe raus zumachen und beide Ohrläppchen entzündeten mit Vereiterung. Drei Wochen zwang sie mich das auszuhalten und sie schimpfte mit mir, wenn ich sie weinend raus machen wollte. Allein konnte ich die Schließe an meinen wunden Ohren nicht öffnen. Im Hort sollten die Erzieherinnen meine Ohren nur mit Öl betupfen und auf keinen Fall raus machen. Dann hörte ich hinter meinem Rücken die Erwachsenen über mich reden, das ich von meinen Angehörigen schon so früh wie möglich wie eine Hure zurecht gemacht werden soll, damit ich den Männern und der Gesellschaft so früh wie möglich als Hure auffallen soll. Dass meine Ohrläppchen ruhig lang gezogen und ausgedehnt hässlich und wie bei manchen ganz alten Frauen werden sollen, und dass die langen schweren Ohrringe meine Ohrlöcher so werden lassen. Auch wenn ich damals noch nicht alles definieren konnte, hat mich das aber insgesamt sehr traurig gemacht und ich habe mich danach immer mehr intensiv nach meinem eigenen Empfinden, mit meinen mir zur Verfügung stehenden wenigen Möglichkeiten, bestimmender durchgesetzt und mir nichts einreden lassen. Ganz egal, was sie von mir oder über mein Geschmacksempfinden gemeint haben. Das was sie an mir schön fanden, haben sie mich ja oft genug spüren lassen, als dass ich noch mit denen einer Meinung sein könnte. Nach drei bis vier Wochen machte mir eine Erzieherin auf der Toilette vorsichtig die Ohrringe raus und übergab sie mir zu meiner Aufbewahrung. Aber weil wir gerade in der Nähe von Toilettenbecken standen, warf ich einfach die Ohrringe in ihrem Beisein rein und spülte runter. Die Erzieherin schrieb der Scheinmutter einen Brief, den ich ihr anschließend gleich persönlich übergeben sollte. Sie sagte daraufhin nichts zu mir und fragte auch nicht mal nach den Ohrringen. Auch nicht mal später. Heute bestätigt meine Erinnerung daran, dass sie mir in der Aufzählung des weiteren Verlaufes, sehr gern solche intriganten Gelegenheiten eingefädelt haben, wo ich ihnen als 6-jähriges Kind besonders zum Geburtstag vertraut hatte.
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