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Re: ohrloch stechen
geschrieben von micha am 31.01.2008 um 01:28:11 - als Antwort auf:
Re: ohrloch stechen von explorer
| | Hallo Dr. Moose,
Dein Engagement für Hygiene etc. in Ehren. Aber wegen einer winzigen Wunde, die man sich ja auch anderweitig ständig holen kann, ist wohl noch kaum jemand trotz mangelnder "professionell-medizinischer" Hygiene gestorben. Auch ein Arzt schmiert halt nur irgendwas drauf, was man sich sparen kann. Eine engagierte Arzthelferin kanns nach Feierabend meistens besser.
Ansonsten bitte nochmal meinen Beitrag genau durchlesen:
Da steht noch etwas mehr: In der Piercing-CD werden alle Aspekte des Ohrlochstechens etc. behandelt, um die man sich bei dieser kleinen aber nicht unwesentlichen Aktion eben bemühen sollte, wenn man dauerhaft Freude an den Ohrlöchern haben möchte.
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Hallo explorer,
ich stimme dir zu. Es ist kein echtes Problem, sich Ohrlöcher selbst zu stechen. Nur sollte mann/frau sich unbedingt vorher schlau machen. Wenn ich diese Sicherheitsnadelstochereien amerikanischer Teenies bei YouTube sehe, wird mir richtig schlecht. So amateurhaft kann selbst der dümmmste Juwelier oder das lausigste Piercingstudio nicht sein. Daher verstehe ich auch, wenn viele Leute vor Eigenarbeiten warnen.
Trotzdem ist es nicht sonderlich schwierig, wenn man sein Hirn benutzt. Es gibt nur drei Punkte, die man berücksichtigen muss
1. Das richtige Werkzeug und ein geeigneter Schmuck
2. Der richtige Einstichpunkt und die richtige Stichrichtung
3. Naheliegende Hygienemaßnahmen
Zu 1: die einfachste Methode ist die Verwendung einer Braunüle, die in der Medizin zum Legen von Infusionen verwendet wird. Eine Braunüle ist eine Kanüle mit einem dünnen Plastikschlauch über der Stahlnadel. Die kauft man 100% sterilisiert in ihrer Verpackung. Die muss mindestens den gleichen Durchmesser wie der Schmuck haben! Die drückt man mit gewaschenen Fingern oder Latex-Handschuhen von vorne durch das Ohrläppchen hindurch. Dabei hält man das untere Ohrläppchen zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand fest (oder auch mit einem Klemmbesteck). Danach zieht man die Nadel heraus und hat nun einen Plastikschlauch im Ohrläppchen. Dann drückt man den Ohrstecker oder den Ohrring in den Plastikschlauch hinein und zieht den Schlauch auf der anderen Seite langsam von vorne nachdrückend heraus. Wusch - fertig!
Es geht auch mit Piercingkanülen. Die müssen natürlich innen mindestens so dick wie der Schmuck sein. Die sticht man durch und schiebt den Schmuck von vorne rein. Danach geht es genauso weiter wie mit dem Plastikschlauch der Braunüle; man zieht die Nadel hinter dem Ohr heraus und drückt mit dem Stecker oder dem Ring von vorne nach. Wusch - fertig!
Ring oder Stecker ist egal. Das optimale Material sind Titan-Legierungen. Hochkarätiges Gold oder Edelstahl mag auch gut gehen, kann aber bei allergischen Reaktionen auf Nickel zu echten Komplikationen führen!
Oder man kauft sich eine Einmal(!)pistole. Das geht aber nur mit Stecker und verlangt etwas Feingefühl bei der Positionierung.
Zu 2: Der Durchstechpunkt sollte mittig im Ohrläppchen sitzen; eher höher als zu niedrig. Die Durchstechrichtung vertikal oder leicht schräg nach hinten außen. Dann sitzen Creolen später nicht so albern abstehend.
Zu 3: Ganz wichtig, aber man sollte auch kein Kultthema daraus machen. Wenn ich mich selbst pierce, habe ich es nur mit meinen eigenen Viren und Bakterien zu tun. Und die kennt mein Körper bereits. Alle drei oben beschriebenen Methoden benutzen sterile Instrumente. Der Schmuck sollte natürlich ebenfalls steril sein. Ich empfehle 15 Minuten abkochen im Dampfkochtopf. Und wie bereits gesagt: die Griffel vorher mit heißem Wasser und Seife waschen. Eine Tetanus-Schutzimpfung sollte sowieso jeder haben. Die mehrfach verwendeten Ohrlochpistolen von Piercing-Boutiquen würde ich mir nicht antun - das ist viel gefährlicher als ein Selbststechen. Was ist, wenn der Kunde vor mir HIV-infiziert war oder Hepatitis hatte?
Explorer hat Recht. Ein gesundes Immunsystem steckt unheimlich viel weg. Ein Ohrloch ist nicht dramatischer als eine Schramme. Da muss man auch nicht fortwährend Octenisept draufsprühen. Aftercare heißt für mich einfach nur sauber halten. Und wer an seinen Ohrsteckern dauernd herumfummelt, dem ist nicht zu helfen. Damit reisst man die Krusten, unter denen sich die neue Haut im Stichkanal bildet, immer wieder auf. Die lösen sich ganz von allein nach einigen Wochen bei einem längeren Bad auf ...
Das sind meine eigenen Erfahrungen als Selbstpiercer. Aber mein Beitrag ist auch keine Empfehlung an stochernde Abenteuerer ...
liebe Grüße, micha
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