Das aktuelle Ohrlochforum ist nun hier. Unten siehst Du ein Teil vom Archiv von 1999 - 2018.
| Ich stimme dir weitgehend zu. Schlimm ist für mich, dass Politiker und auch Ärzte (wie der Wolfram Hartmann) glauben, wenn irgendetwas nicht wie gewünscht läuft, dann muss halt mal wieder ein neues Gesetz her. Diese Figuren schütten uns am laufenden Meter mit ihrer Regulierungswut zu. Sowas führt langfristig zu Gestzesmissachtung aus Trotz, Politikverdrossenheit, einer Aushöhlung unserer persönlichen Freiheiten und verhassten Steuererhöhungen. Um den ganzen Überwachungswahnsinn zu finanzieren. Die aktuelle Rechtslage finde ich ganz in Ordnung. Ab 18 Jahren darf sich jeder den Körperschmuck antun, der ihm bzw. ihr gefällt. Unter 18 Jahren haben die Eltern ein Mitspracherecht, genauer gesagt sogar ein Vetorecht. Glücklicherweise haben Politiker und Ärztefunktionäre den Eltern bislang nichts reinzureden! Es gibt eine Menge Eltern, die ganz plausible Entscheidungen treffen. Zum Beispiel: ihren Kindern kein Ohrloch stechen zu lassen, solange sie den Wunsch nicht ausdrücklich geäußert haben. Oder die ihrem Kind eine Tätowierung verweigern, solange die süßen Früchtchen nicht wenigstens 16 sind und den Eltern ihren Wunsch erklärt und mit ihnen darüber diskutiert haben. Manche Eltern halten das alles für Müll und sagen stur NEIN. Das ist deren gutes Recht. Die müssen sich dann aber auch nicht wundern, wenn ihr Sohnemann, der seine Eltern wegen der andauernden Verbote nur noch hasst, sich mit 18 aus schierem Trotz seinen ganzen Rücken tätowieren lässt. Die meisten Piercing- und Tätowierstudios halten sich an selbstauferlegte Regeln. Vor allem die Studios, die Mitglied in einer Standesorganisation sind. Keine Ohrlöcher ohne Einwilligung der Eltern unter etwa 14 bis 16. Und keine Tattoos, Genitalpiercings oder Brandings unter 16, auch nicht bei Zustimmung der Eltern. Die aktuelle Rechtslage erlaubt bereits seit immer und ewig Kontrollen von Piercing- und Tätowierstudios durch das Gesundheitsamt. Ein Studio, das nicht die üblichen Hygienestandards erfüllt (Einmalkanülen für Piercings, einmalig verwendete Tätowierfarben, Sterilisator für Besteck und Tätowiergerät), kann vom Gesundheitsamt genauso wie eine verdreckte Küche in einem Restaurant gnadenlos stillgelegt werden. Die Weisheiten von Dr. Wolfram Hartmann sind nach meiner Meinung wichtigtuerischer Unfug. Jetzt ist er endlich der Medienstar, der in aller Munde ist. Den sehen wir demnächst garantiert dummlabernd bei Kerner oder Maybritt Illner. Immerhin ein neues Modethema nach der langsam anödenden Klimapanik. In deutschen Krankenhäusern sterben übrigens durch Sekundärinfektionen jährlich mehr Leute als durch Verkehrsunfälle auf der Straße. Vielleicht sollte sich der Herr Hartmann lieber um die Hygiene in Krankenhäusern statt in Piercingstudios kümmern Und was kommt dabei heraus, wenn unsere superkorrekten Politiker anfangen, das zu regeln? Mindestens eine unendlich nervige Bundestagsdebatte, ein gigantischer Paragraphendschungel, der leider keine Auskunft darüber gibt, wie man mit einem 12-jährigen umgehen soll, der sich mit der Nähnadel aus Mamas Nähkästchen unter Missachtung aller Hygienestandards sein Ohrläppchen selbst durchlöchert hat. Mich würde es nicht mal wundern, wenn den Eltern daraufhin das Erziehungsrecht wegen Verletzung der Aufsichtspflicht entzogen würde. Ich glaubte bislang immer, in einem freiheitlichen Land zu leben. Das soll auch so bleiben. Ich bin definitiv kein FDP-Mitglied und werde es auch nie |
im großen Ganzen sehe ich das genauso, auch wenns gegen meine Berufsgruppe geht. Wir brauchen nicht für alles Vorschriften und Gesetze. Andererseits sieht man halt auch sehr vielen verschmuddelten, entzündeten und eingewachsenen Ohrschmuck bei Kleinkindern. Irgendwie kriegen es viele Eltern halt doch nicht auf die Reihe.
Kann der schon, aber ist Dir bewußt, daß 1. viele Piercings auch heute noch nicht sachgerecht gestochen werden und 2. nach der neuen Gesundheitsreform die Kasse Komplikationen nach Piercings, Tattoos und Schönheitsoperationen nicht mehr bezahlt, und daß die Ärzte per Gesetz gezwungen werden sollen, solche Komplikationen an die Kassen zu melden? Ich halte dieses Gesetz a) für einen frontalen Angriff auf das Arzt-Patienten-Verhältnis, b) für einen zustimmungsheischenden Populismus, denn die Kosten für Piercingkomplikationen sind sicherlich verschwindend, gegenüber anderen, ebenfalls vorsätzlich gesundheitsschädlichen Verhaltensweisen. Nimmt man diese Items aus dem Kassenleistungskatalog, dann muß man konsequenterweise zuerst die Folgen des Rauchens aus dem Katalog herausnehmen. Trotzdem nochmal zu 1.: Auch wenn es in diesem Forum ungern gehört wird, man sieht halt doch nicht zu selten unprofessionell gestochene Piercings und Ohrlöcher. Gruß Dr.Moose |