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Re: Meine Geschichte

geschrieben von Peter am 15.01.2010 um 19:38:44 - als Antwort auf: Meine Geschichte von Informant
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 Ich lese hier seit einigen Jahren mit. Heute werde ich auch einmal etwas beitragen:

meine Faszination für Ohrlöcher begann in der ersten Schulklasse. Eine meiner Klassenkameradinnen kam mit frisch durchstochenen Ohren in die Schule und ich war wie elektrisiert. Das war Ende der Siebziger Jahre.

Weitere Klassenkameradinnen folgten. Ab Klasse 7 begannen Sie, nachstechen zu lassen. In den allermeisten Fällen allerdings nur jeweils 1 Loch links oder rechts. In dieser Zeit begegnete ich auch den ersten Jungs mit Ohrring. Schön fand ich Ohrringe bei Männern nicht. Das gilt bis heute. Es ging mir nie um den sichtbaren Schmuck, immer um das Loch bzw. die Löcher. Das ist nach wie vor der Status Quo. - Einige Jahre später kam die erste große Liebe - mit Ohrlöchern. Zunächst noch brav 1 links, 1 rechts.

Ohrschmuck war für sie eine selbstverständliche Sache und sie ging damit fröhlich und unverklemmt um: kaufte Berge von Ringen, Steckern, Hängern. Kombinierte wild und wechselte die Kombinationen mehrmals am Tag. Sie war sehr taktil und ließ sich gerne von mir die Ohrringe wechseln. Erstmals konnte ich tasten, wie sich ein Ohrloch anfühlt, wenn man auf das Ohrläppchen fasst. Meine Freundin war sehr auskunftsfreudig. Ich konnte ihr Fragen stellen wie "spürt man ein Ohrloch?" usw. - Insgeheim hoffte ich immer, sie würde sich eines Tages weitere Ohrlöcher stechen lassen, schließlich befanden wir uns Anfang der Neunziger Jahre, einer Hochphase des Ohrringtragens.

Eines Tages nahm ich allen Mut zusammen und rammte mir, vor dem Spiegel stehend, eine desinfizierte Nähnadel durch mein linkes Ohrläppchen, um endlich das Gefühl Ohrloch kennenzulernen. Ein Stück weit fühlte ich mich befreit. Andererseits ist eine Nähnadel eben kein Ohrring. Ich sehnte mich nach echten medizinischen Ohrsteckern. Und eigentlich sehnte ich mich auch nach einer richtigen Ohrlochpistole. Den Mut, einfach zu einem Juweliergeschäft zu gehen und endlich den letzten Schritt zu tun, brachte ich nicht auf. Vielmehr bestellte ich per Post beim örtlichen Juwelier, postlagernd, das gab es damals noch, ein paar medizinische Ohrstecker. Da ich meiner Bestellung 20 Mark in Bar beigefügt hatte, bekam ich sogar 3 Paar: 1 x rund groß, 1 x rund klein, 1 x Herzen - alles in Silber. Als ich die Sendung endlich in Händen hielt, war ich wie elektrisiert: Heute abend würde ich endlich das Gefühl kennenlernen, richtige Ohrringe zu tragen. Ich desinfizierte mein linkes Ohrläppchen und drückte, am ganzen Körper zitternd, den ersten Ohrstecker durch mein Ohrläppchen. Daß ein Ohrläppchen mehr Widerstand leistet als man denkt, wußte ich ja bereits durch das Nähnadelexperiment.

Es knackte ziemlich und irgendwann - Heureka - prangte der silberne Stecker in meine Ohr. Genußvoll schob ich den Verschluß von hinten auf den Stecker. Es klackte. Optik: Grauenhaft. Gefühl: Toll! Der Stecker mußte wieder raus. Am nächsten Tag war die andere Seite dran. Diese Prozedur wiederholte sich einige Male. Ich experimentierte mit verschiedenen Kombinationen und kam bis auf 3 links, 3 rechts: Noch heute spüre ich leichte Narben aus dieser Zeit an meinen Ohrläppchen. Einige Monate später verkündete meine Freundin wie aus dem Nichts: "ich möchte mir ein weiteres Ohrloch stechen lassen." Juhuuu! Dachte ich. Sie nahm mich mit und ich konnte der Zeremonie beiwohnen: desinfizieren, markieren, stechen! Ich war dabei. Und es stand ihr sagenhaft gut. Nach sechs Wochen durfte ich den medizinischen Stecker entfernen. Ich war erstaunt, wie groß und häßlich ein Ohrloch in diesem Moment aussieht. Aber das Loch zog sich noch ein bißchen zusammen.

Fortan durfte ich an drei Ohrlöchern rumspielen und neuen Schmuck ein- und ausbauen. Irgendwann offenbarte ich mich und meine heimliche, verstohlene Leidenschaft für Ohrlöcher. Leider blieb ich unverstanden. Meine Freundin konnte die Faszination, die für mich dahintersteckte, nicht nachvollziehen. Für sie waren Ohrlöcher die Voraussetzung, um Ohrschmuck tragen zu können. Nicht mehr. - - - Das liegt alles einige Jahre zurück. An meinem Fetisch hat sich nichts verändert.

Meine heutige Frau hat im rechten Ohrläppchen auch ein zweites Loch, das sie aber niemals benutzt und heute als Fehlentscheidung bezeichnet. Ihr Verhältnis zu Ohrlöchern ist sehr sachlich.

Ich träume nach wie vor davon, mir einmal bei einem richtigen Juwelier mit einer richtigen Ohrlochpistole richtige Ohrlöcher stechen zu lassen. Ich habe aber Angst davor, schon bei der Formulierung dieses Wunsches rot anzulaufen und mit einem Rauschen in den Ohren umzufallen. Außerdem finde ich mich mit Ohrringen einfach richtig häßlich, hätte aber gerne in jedem Ohrläppchen ein Loch. Bei der Vorstellung, 6 Wochen bis zur Abheilung, mit Ohrsteckern rumzulaufen, graust es mir jedoch. Ich sehe einfach richtig idiotisch aus mit Zeugs an den Ohren.

Das war's.


Sehr cooler Beitrag!

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