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Fortsetzung 2 - Wie ich zu meinen Piercings kam…

geschrieben von daniel am 26.05.2010 um 18:24:23 - als Antwort auf: Fortsetzung - Wie ich zu meinen Piercings kam… von daniel
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Beim Surfen fand ich in einem Web-Shop ein Sonderangebot für diversen Piercingschmuck. Ich habe bislang die gebräuchlichen Ringe mit der dicken Kugel nicht sonderlich hübsch gefunden, aber der sehr günstige Preis reizte mich, es mal zu probieren. Ich bestellte verschiedene Größen, wenn ich mich recht entsinne um die 10 verschiedenen Ball-Closure-Rings (BCR) aus Edelstahl. In einer anderen Kategorie fand ich noch passende Nadeln, von denen ich kurz entschlossen auch noch drei mitbestellte. Ich hatte mir damals vorgestellt, dass ich mir den einen oder anderen Ring selber stechen könne; die Schmerzen schätzte ich als nicht so wild ein.

Das Päckchen kam nach einigen Tagen an, und ich hielt zum ersten Mal einen richtigen Schmuck in den Händen. Bei den Ringen fiel mir auf, dass vor allem die größeren die Kugeln verdammt fest eingeklemmt waren. Nur mit Mühe gelang es mir, sie heraus und vor allem wieder hinein zu bekommen. Sehr ernüchtert war ich, als ich den kleinsten Ring in mein unterstes Ohrloch machen wollte – ich bekam ihn nicht durch. Ich hatte ja zuletzt immer nur die Standardstecker oder Silbercreolen mit einem dünnen Bügel getragen und durch meine kleinen Ohrlöcher bekam ich den Ring mit 1.6 mm Drahtstärke nicht hindurch. An die größeren mit bis zu 2.5 mm war natürlich nicht zu denken. Ich hatte zwar schon mal gelesen, dass man die Löcher dehnen lassen könne, Bilder von so richtig großen Löchern gefielen mir aber bislang nicht. So blieben die Ringe zuerst einmal in der Schachtel liegen.

Etwa eine Woche vor Fasching ließ ich mir erneut die etwa 6 cm langen Haare komplett blondieren. In einem kleinen Drogeriemarkt hatte ich bei einem Ausverkauf einige Zeit zuvor drei Tuben mit verschiedenen Farbtönungen sehr günstig gefunden: Indigo-blau, dunkelgrün und violett. Am nächsten Abend stand ich etwas unentschlossen vor dem Spiegel und überlegte, ob und welche Farbe ich mir in die Haare machen sollte. Mir war klar, dass mit den blonden Haaren die Farbe richtig krass rauskommen würde. Als ich mich nicht entscheiden konnte, beschloss ich das Los entscheiden zu lassen. Ich schrieb für jede Farbe einen Zettel und zusätzlich eine Niete, vermischte sie und zog einen davon. Noch ohne ihn geöffnet zu haben schmiss ich die drei anderen ins Klo – erst dann kehrte ich mit weichen Knien zurück und faltete das entscheidende Los auf: blau. Mit ein Paar Einmalhandschuhe arbeitete ich die Farbpaste sorgsam ein und ließ sie über eine Stunde einwirken. Als ich sie wieder ausgewaschen hatte, leuchteten die Haare wie erwartet richtig krass blau.

Ich hatte somit endlich den nächsten Punkt geschafft, den ich schon seit vielen Jahren ersehnt hatte. Die Faschingstage über ging ich zu diversen Partys und genoss auch noch die Tage danach den exotischen Anblick meiner blauen Haare. Die Farbe hielt richtig lange und färbte so gut wie nicht ab. Passend dazu hatte ich mir richtig große Creolen mit 4 cm Durchmesser in die untersten Löcher gemacht. Zusammen mit schwarzen, glänzenden Leggings, kniehohen Schnürstiefeln mit etwa 5 cm Plateausohle und einem schwarzen Kapuzensweater als Oberteil sah ich richtig freakig aus. Mein Gesicht hatte ich weiß, Lippen und Augenhöhlen schwarz geschminkt. Wenn mich meine Eltern so gesehen hätten – ich wäre sicherlich umgehend enterbt worden ;)

Einen Abend hatte ich dann noch versucht, mir einen Ring in die Lippe zu stechen. Ich wollte ihn vorerst nur für den Abend probieren und ihn dann wieder entfernen. Mit Desinfektionsmittel reinigte ich alles, den Ring hatte ich vorher noch im Wasserkocher eine Weile abgekocht. Zitternd vor Aufregung zog ich dann die Nadel aus der Verpackung heraus. Vor dem Spiegel stehend hatte ich sie mir denn außen an die Lippe angesetzt und versucht, sie durchzustechen. Ich war jedoch zu zögerlich und schaffte es nicht, mir die Spitze in die Haut zu drücken. Ich setzte ein zweites Mal an und wollte ein bisschen nach der Hau-Ruck-Methode die Nadel mit Schwung rein bekommen. Dieses Mal bekam ich die Spitze mit der Schneide wenige mm rein, aber ein stechender Schmerz ließ mich zurückzucken und schon war die Nadel wieder draußen. An der Stelle bildete sich ein wachsender Bluttropfen und so gab ich entnervt auf. Ich hatte mir das viel einfacher vorgestellt!

Meine Sucht nach Piercings ruhte die nächste Zeit erst einmal ein wenig – zum stechen lassen fehlte mir das Geld und auch der Mut – selber machen war ja auch erst einmal gescheitert. Ich konnte mir zudem nach wie vor nicht vorstellen, z.B. mit einem Lippenring nach Hause zu fahren. Bei meinem linken Ohr überlegte ich noch, mir evtl. noch den ein oder anderen Ring setzen zu lassen, aber wie ja schon geschrieben machte der zuletzt von mir selbst gestochene Stecker im Knorpel ja noch Schwierigkeiten und heilte nicht richtig ab, so dass ich das auch erst einmal bleiben ließ. In den nun folgenden Semesterferien machte ich nach den Prüfungen ein Praktikum in einer kleinen Firma. Ich hatte dort schon vor einer Weile per Mail angefragt und wurde nun zum Vorstellungsgespräch eingeladen. In meinen Haaren war die blaue Farbreste noch deutlich sichtbar, was aber keinen zu stören schien. Aufgrund der guten Noten und auch dass sie dringend eine Hilfe benötigten bekam ich schon wenige Tage später die Zusage und den Vertrag zugeschickt. Die Arbeit in dem jungen Team machte mir viel Spaß.

Da ich viel im auf Baustellen und im Labor zu schaffen hatte, arbeitete ich viel mit Kati und Robert, den dort angestellten Laboranten zusammen. Sie war beide etwa in meinem Alter und waren in den praktischen Dingen unschlagbar. Ich kümmerte mich so mehr um Auswertungen und programmierte auch das ein oder andere Hilfsmittel. Uwe, unser Gruppenleiter war von mir schon nach kurzer Zeit derart begeistert, dass er mir anbot, als Werksstudent neben dem Studium bei ihm zu arbeiten, um ihn zu entlasten. Da ich mich schon seit längeren mit dem Gedanken getragen hatte, meine finanzielle Situation mit einem Nebenjob aufzubessern, sagte ich nach kurzer Bedenkzeit zu. Er stockte mit dem Vertrag auch gleichzeitig die bislang schon recht üppige Vergütung für das Praktikum mit einer großzügigen Prämie auf.

Schmucktechnisch war zumindest in der Abteilung der Firma einiges geboten. Uwe hatte in beiden Ohrläppchen dicke Ringe drin – ich schätzte die auf mindestens mit 3 mm Drahtstärkt. Wie ich später mitbekam, hatte er auch im Septum einen stärkeren Plug. Wenn er mit einem kurzen Hemd herumlief, konnte man an den Armen und auch im Nacken einzelne Ausläufer eines Tattoos sehen. Er hatte seine Haare meist wenige mm kurz abrasiert und kam früher wohl ab und zu schon mit einer nass rasierten Glatze ins Büro. Robert hatte schulterlange, schwarz gefärbte Haare, die er während der Arbeit zu einem Pferdeschwanz zusammengefasst trug. In seinem linken Ohrläppchen hatte er einen kleinen Ring.

Kati hatte intensiv gefärbte, dunkelrote Haare. Ihre anfangs kinnlangen Haare hatte sie vor kurzem zu einem asymmetrischen Bob schneiden lassen. Soweit ich sehen konnte hatte sie zwar keine Ohrlöcher, beim Reden blitzte manchmal ihr Zungenpiercing dezent auf. Als ich sie einmal darauf ansprach, streckte sie mir ihre durchlöcherte Zunge entgegen. Ich fragte nach Ihren Erfahrungen, Wünschen und auch, wie sie dazu gekommen ist. Sie hatte mit dem Bauchnabel angefangen, den sie sich ohne Wissen ihrer Eltern mit 17 heimlich von einer Freundin hatte machen lassen. Während ihrer Lehre kam dann, da es so gut wie nicht sichtbar sei, die Zunge dazu. Ihre Eltern hätten bislang beides noch nicht herausgefunden. Ihr nächster Favorit waren die Augenbraue oder etwas oben im Ohr.

Zugleich bewunderte sie meine vielen Ohrringe, sie hätte so viele bislang nur bei einer alten Schulfreundin gesehen, aber noch nie bei einem Kerl. Sie meinte, dass es mir zusammen mit meinen inzwischen wieder blonden Haaren sehr gut stehen würde. Ich hatte in der Zeit Mal wieder in all meine Löcher kleine Ringe rein gemacht. Beim Bewegen des Kopfes spürte ich sie deutlich und es klimperte dabei leise. Fasziniert durch Katis Worte überlegte ich, ob ich mir nicht auch mal ein richtiges Piercing zulegen solle. Eine ganze Zeit sah lang ich mich nach Piercing-Studios um, suchte im Netz nach Berichten und überlegte mir die passende Stelle. Einfach nur so mal zum probieren war das mir im Moment zu teuer. Im Prinzip gefielen mir Piercings im Gesicht sehr gut, aber ich traute mich nicht recht, damit anzufangen. Vom Gefallen her sagte mir alles zu – Augenbraue, weiter in die Ohren, Nase, Lippen oder Zunge – die natürlich von all denen noch am leichtesten zu verstecken war. Von Ringen im Intimbereich oder den Nippeln nahm ich auch noch Abstand, da ich große Schmerzen befürchtete, den Bauchnabel fand ich eher immer etwas weiblich.

Gegen Ende meiner Praktikumszeit kamen wir in der Mittagspause wieder mal auf Piercings zu sprechen, da Robert erzählte, das er ende der Woche – am Freitagnachmittag nach Feierabend – einen Termin habe. Er wolle sich die Zunge stechen lassen und fragte Kati intensiv aus. Fasziniert hörte ich den Erzählungen und Ratschlägen zu. Mehr und mehr begann es bei mir auch zu kribbeln. Ich fragte etwas aufgeregt, ob er etwas dagegen hätte, wenn ich mitkäme, da ich das gerne mal in Echt sehen würde. Ich muss wohl nicht extra betonen, das es bei mir nicht nur beim zusehen blieb.


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