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Re: Ohrring(e) und Eltern

geschrieben von Alex99 am 02.03.2001 um 02:48:30 - als Antwort auf: Ohrring(e) und Eltern von tommy
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Fortsetzung

Inzwischen ist meine damalige Freundin meine Frau und wir haben zwei Söhne im Alter von 6 und 8 Jahren. Beruflich bedingt habe ich in den letzten Jahren keine Ohrringe getragen. Das erste Loch ist immer noch sichtbar, das zweite ist mit der Zeit zugewachsen.
Vor Weihnachten kam der jüngere Sohn vom Kindergarten nach Hause und fragte meine Frau, warum Papa keinen Ohrring trage, wie der Vater seines Kindergartenkumpans. Meine Frau erklärte ihm dann, dass Papa früher sogar zwei Ohrringe getragen habe, dass das aber heute nicht gut möglich ist wegen seiner Arbeit. Sie erzählte ihm auch, wie das Ohrlochstechen passiert. Das Thema schien den Jungen nicht mehr loszulassen, denn beim Abendbrot fragte er, weshalb ich denn keinen Ohrring mehr tragen würde. Ich erklärte ihm die Lage. Aber er liess nicht locker. Papa, wenn ich einen Ohrring habe, trägst du dann auch einen? Ja vielleicht, aber im Moment hast du noch keinen. Ja Papa aber ich möchte bald einen. Nun schaltete sich der ältere Sohn ein und meinte, dass er sich auch einen Ohrring wünsche, es sei ja bald Weihnachten. Ich antwortete den beiden, dass vor Weihnachten beim Juwelier wohl zuviel los sei, um Ohrlöcher machen zu lassen. Für mich war das Thema abgeschlossen.
Meine Frau sah dies anders und machte am nächsten Tag beim Juwelier einen Termin am 23. Dezember. Beim Abendessen eröffnete sie mir dann, dass die Kinder vor Weihnachten die Ohrlöcher schiessen lassen können. Die Vorfreude der Kinder war gross und so machten wir uns am 23. auf den Weg. Beim Juwelier war um die abgemachte Zeit wirklich nicht viel los und so meinte die Verkäuferin, dass es gleich losgehen könne. Wer denn von den Jungs zuerst dran kommen möchte. Die beiden schienen sich aber der Sache nicht mehr sicher und versuchten zu kneiffen. Meine Frau ergriff, wie schon Jahre zuvor, die Initiative und meinte also Jungs, ihr könnt jetzt zusehen wie wir uns ein Ohrloch schiessen lassen und danach seid ihr an der Reihe. Ich protestierte, dass ich ein Loch hätte und für was ich ein zweites schiessen lassen solle. Ihre Antwort kam postwendend: Schatz, du hast jetzt zwei Wochen Ferien, jetzt trägst du wieder einmal Ohrstecker für mich und bist ein Vorbild für deine Jungs. Damit war das Thema für meine Frau erledigt und sie wendete sich wieder der Verkäuferin zu, die ihr die verschiedenen Schiessstecker zeigte. Sie wählte für alle kleine goldige Stecker aus und gab die Anweisung, wie gestochen wird. Bei ihr ein zweites im rechten Ohr, bei mir ein zweites im linken Ohr, bei den Jungs je im linken Ohr. Wir mussten uns alle hinsetzen und die Verkäuferin desinfizierte unsere Ohrläppchen. Ich kam mir vor wie im Militär. Alles in Reih und Glied. Sie zeichnete danach bei meiner Frau den Punkt für's Löchlein ein und kam zu mir und fragte mich, welchen Ohrschmuck ich tragen würde. Ich antwortete ihr, dass ich seit einigen Jahren keinen mehr getragen hätte, normalerweise aber kleine Creolen oder kleine Stecker tragen würde. Sie meinte, dass sie ins erste Loch gerne eine Ohrstecker tun würde, damit sie die ideale Position sähe. Sie nahm einen Schiessohrstecker und drückte ihn durchs erste Loch. Es ging - nach so vielen Jahren - erstaunlich einfach, weshalb es mich überraschte, dass man das zweite Loch nicht mehr sah. Danach zeichnete sie die Punkte in den Ohrläppchen der Kinder ein. Meine Frau kontrollierte die Positionen und meinte, das sei gut und nun könne es richtig losgehen.
Meine Frau kam zuerst dran, dann die beiden Kinder, die ohne irgendwelche Probleme hingehalten haben, danach war ich an der Reihe. Ich suchte immer noch nach einer Ausrede und wollte gerade etwas sagen, als die Verkäuferin mein Ohrläppchen "in die Zange" nahm und abdrückte. Der Kleine meinte keck, siehst du Papa, hat doch gar nicht wehgetan.
An Weihnachten waren wir bei meinen Eltern eingeladen und ich war ob der Reaktion meiner Eltern gespannt. Meine Kinder nahmen mir aber die Arbeit ab, stürmten sie doch gleich auf meine Mutter zu und zeigten ihr die Ohrstecker und meinten, Papa hätte sogar zwei Ohrstecker. Meine Mutter sagte den Kinder, dass ihnen der Ohrstecker gut stehen würde.
Zu meiner grossen Überraschung kam am Mittagstisch meine Mutter nochmals auf das Thema Ohrringe zu sprechen und fragte meine Kinder, ob sie denn wüssten, wie Papa zu seinen Ohrringen gekommen ist. Sie erzählte danach wie das Jahre zuvor war (siehe vorhergehenden Eintrag).
Die Weihnachtsferien vergingen und ich wollte vor dem ersten Arbeitstag meine Ohrstecker herausnehmen. Als ich den Stecker im neugeschossenen Ohrloch herausnahm fing es nach wenigen Minuten an, nass zu werden. Meine Frau desinfizierte das Ohrloch mit einem Alkoholtupfer und steckte den Ohrstift wieder ins Ohrloch und meinte, es sähe am Arbeitsplatz wohl besser aus, wenn ich einen Stecker trage, als eine eiternde Wunde zu haben.
So montierte ich auch den Stecker im ersten Loch wieder und ging am nächsten Tag unsicher ins Büro. Zu meiner Überraschung nahm jedoch kaum einer Notiz von meinen zwei Ohrsteckern, nein es kam sogar noch besser, als mein Chef meinte, es sei wohl ehrlicher die Ohrringe zu tragen als mit einem leeren Loch herumzulaufen, wo doch jeder sehen könne, dass hier einmal ein Ohrring drin war.
Und so lebe ich seit Anfang Jahr wieder mit zwei Ohrsteckern im linken Ohr. Inzwischen sind bei mir zwei goldige Ohrstecker mit einem Diamanten drin, meine Frau hat in den 1. Löchern goldige Creolen, in den 2. eine Perle. Unsere Kinder habe sich eine Creole gewünscht.

Mit meinen beiden Berichten will ich niemanden langweilen, aber es zeigt vielleicht auf, dass Jungs auch vor rund 20 Jahren Probleme mit Ohrring und Eltern hatten und dass es heute auch anders sein kann.
Alex

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