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Ohrlochpistole

geschrieben von Steven am 02.09.2001 um 15:28:48
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Hallo!

Habe einen interessanten Artikel über die Ohrlochpistole *igitt* im Club Sin gefunden:

Die Piercing-Pistole
Viele glauben, daß die so weit verbreitete Piercing-Pistole ein unverzichtbares Werkzeug in einem Piercing-Studio ist. Wirklich professionelle Piercer zucken schon bei der bloßen Erwähnung einer Piercing-Pistole zusammen.

Die erste Piercing-Pistole wurde von Roman Research, später Studex, in den 60er Jahren hergestellt. Die Idee wurde einem Werkzeug entlehnt, das man im allgemeinen dazu benutzte, Kuhohren mit Marken zu kennzeichnen. Das Gerät wurde für den Gebrauch am Menschen nicht verändert, außer, daß ein Federdruck-System hinzukam. Der Federdruck ist notwendig, um ein stumpfes Stück Metall durch Gewebe zu drücken; zudem wurde dadurch vielen Leuten die Furcht vor dem Durchstechen des Fleischs per Hand genommen. Die Pistole ist entweder aus Plastik oder metallverkleidetem Plastik und kann daher nicht sterilisiert werden.

Einige professionelle Piercer lassen diese Geräte im Autoklav schmelzen und hängen sie als Warnung an die Wand.

Was gibt es an Pistolen auszusetzen?

Die Pistole zum Ohrloch-Stechen ist, ungeachtet dessen, was die Hersteller behaupten mögen, weder ein sauberes noch sicheres Gerät. In medizinischen Zeitschriften u. a. Finnlands, Englands und der USA wurden Fälle von Krankheitsübertragung dokumentiert, darunter Hepatitis B und Pseudomonas Perichondritis. Diese Krankheiten wurden im Verlauf eines "normalen" Ohrloch-Stechens übertragen, und die Autoren befürchten, daß weitere schlimmere Infektionen auf dieselbe Weise übertragen werden könnten.

Auch das Ohr ist ein Körperteil

Leute, die für irgendein Piercing einen professionellen Body-Piercer aufsuchen würden, bevorzugen fürs Stechen von Ohrlöchern noch immer Piercer, die Pistolen verwenden. In vielen Staaten gibt es Ausnahmen oder spezielle einfachere Regelungen fürs Ohrlochstechen. Die APP fragt sich, warum das so ist, da doch durchs Ohrläppchen dasselbe Blut wie durch den Rest des Körpers fließt und Krankheiten ebenso leicht wie durch jedes andere Body-Piercing übertragen werden können. Ein Loch in der Haut bleibt ein Loch in der Haut. Blut und Plasma aus dem Ohrläppchen bleiben Blut und Plasma. Ein Krankheitserreger, der durch ein Loch im Ohr eindringt, findet sein Ziel ebenso gewiß wie ein Krankheitserreger, der durch irgendeine andere Verletzung der Haut eingedrungen ist. Es gibt keine Unterschiede hinsichtlich der Handhabung der Hygienemaßnahmen, die fürs Ohrloch-Stechen notwendig sind und fürs Body-Piercing. Ein Piercing ist ein Piercing. Ohrläppchen sind nicht auf wunderbare Weise von Krankheitsübertragung ausgenommen, und die Pistole ist dank ihrer Konstruktionsweise ein sehr wirkungsvolles Mittel, um Krankheiten zu verbreiten.

Kleinste Blutspritzer

Wenn ein stumpfes Objekt wie die Rückseite eines Ohrsteckers durch die Haut getrieben wird, ist es unvermeidlich, daß Blutpartikel in die Luft geschleudert werden. Diese Partikel bedecken den Piercer, den Kunden und die Pistole mit einem feinen Sprühnebel von potentiell lebensgefährlichem Material. Häufig wird auch berichtet, daß man sogar sehen kann, wie das Blut spritzt.

Diese Pistolen werden gewöhnlich überhaupt nicht gereinigt oder oberflächlich mit Alkohol abgewischt, ein wirkungsloses Desinfektionsmittel. Die Hersteller geben zu, daß Sprühnebel vorkommt, berufen sich aber darauf, daß man mit dem Gerät den Körper nicht berührt, weswegen die Notwendigkeit von Sterilisation nicht bestünde. Wer würde eine solche Rechtfertigung von einer Blutbank, einem Zahnarzt oder sonstwem akzeptieren, der mit Blut aus vielen verschiedenen Körpern zu tun hat?

Die Pistole kann nicht sterilisiert werden

Die Partikel, die versprüht werden, bleiben auf der Pistole haften und warten auf den nächsten Kunden. Einige Hersteller behaupten, daß ihr Gerät sicher sei, da dieses selbst nicht mit dem Ohr in Berührung kommt. Doch der Piercer berührt mit den Händen sowohl die Pistole als auch das Ohr, gewöhnlich ohne Handschuhe. Haare und bloße Hände kommen auch häufig in Kontakt mit dem Bereich, der durchstochen werden soll, oder mit der Pistole. Dieses Argument verliert noch mehr an Gewicht, wenn man berücksichtigt, daß die Pistole auch verwendet wird, um Knorpel, Nasenlöcher, Nabel und andere Körperstellen zu piercen, wo ein Kontakt von Pistole mit dem umgebenden Gewebe unvermeidlich ist. Die Tatsache, daß einige Hersteller sich bemühen, unmittelbaren Kontakt zwischen der Pistole und der Stelle, die gepierct werden soll, zu vermeiden, sagt einiges über ihr Vertrauen in die Sauberkeit der Pistole.

Beim Pistolen-Piercing kommt Cross-contamination vor

Die meisten, die eine Pistole verwenden, sind nicht eigens ausgebildete Verkäufer. Die Pistole wird häufig in der Kasse oder einem Schubfach aufbewahrt, was Cross-contamination noch verstärkt. Nur wenige Hersteller empfehlen, daß man beim Piercen mit der Pistole Handschuhe tragen soll; die überwältigende Mehrheit dieser Piercings wird durchgeführt, ohne daß der Piercer sich vorher wenigstens die Hände gewaschen hat. Zwangsläufig wird dann das Piercing über den Ladentisch hinweg durchgeführt. Der Bereich ist, wenn überhaupt Vorbereitungen unternommen wurden, nur oberflächlich mit Alkohol präpariert worden, einem sehr milden Desinfektionsmittel, das gegen Hepatitis und andere hartnäckige Krankheitserreger wirkungslos ist. Wenn überhaupt, wird die Stelle, wo gepierct werden soll, mit einem alten Filzstift, der neben der Kasse herumliegt, markiert. Der Kunde wird aufgefordert, die Stelle zu berühren, um zu zeigen, wo er gerne gepierct werden möchte. Das Anbringen von Markierungen ist beim Piercen mit der Pistole wenig sinnvoll, denn es gibt keine Kontrolle über den Winkel oder die exakte Stelle, wo das Piercing plaziert wird. Wegen dieses Mangels an Kontrolle wurde beim Piercen mit der Pistole mindestens einem Kunden die Nase gebrochen.

Die Pistole zerstört Gewebe

Das Piercing selbst wird mit der leicht geschärften Rückseite des Ohrsteckers durchgeführt. Das Loch, das entsteht, ist kein sauberes Piercing mit weichen Kanten, die leicht heilen werden, sondern ein ausgefranster Riß mit vielen Verletzungen und Zerstörungen des Gewebes, der Bakterien und anderem Material ideale Schlupfwinkel bietet.

Wenn ein solches stumpfes Objekt durchs Gewebe gestoßen wird, ist das mit Sicherheit viel schmerzhafter für den Gepiercten, als eine sterile, einmal verwendete und an beiden Seiten abgeschrägte Piercingnadel, die viel schärfer ist als chirurgische Nadeln.

Beim Pistolen-Piercing wird keine ordentliche Nachbehandlung empfohlen

Völlig falsche Hinweise zur Nachbehandlung werden dem Gepiercten gegeben, der angewiesen wird, möglichst häufig die Stelle mit schmutzigen Fingen anzufassen, verkrusteten Eiter durch das Piercing zu ziehen und innen das empfindliche Gewebe zu zerreißen. Einige der Produkte, die von den Herstellern verkauft werden, enthalten Banzalkoniumchlorid, eine wirkungsvolle und schonende antibakterielle Flüssigkeit. Leider bieten aber die meisten nur parfümierten Alkohol an oder raten zu Hydrogenperoxid. Keines dieser Produkte unterstützt die Bildung neuer Hautzellen in einem heilenden Piercing.

Wie steht es Wegwerf-Pistolen?

Wie steht es mit nur einmal zu verwendenden Wegwerf-Pistolen? Ein individuelles Piercing-Set ist derzeit beliebt. Dahinter steckt die Vorstellung, daß eine Person das Gerät einmal benutzt und anschließend die Pistole wegwirft. Tatsache ist jedoch, daß der Kunde das Gerät auch bei Freunden und Verwandten einsetzt und diese dabei alle infiziert oder die Pistole selbst noch einmal verwendet und sich selbst dadurch mit Bakterien infiziert, die sich auf einem verunreinigten Utensil breitmachen. Eine weitere Gefahr bei individuellen Sets ist, daß ahnungslose Personen diese dazu nutzen, gefährliche Piercings an sich selbst durchzuführen und damit Verunstaltungen, Infektionen, Nervenschäden oder Schlimmeres riskieren. Auch "sachgemäß" verwendete Wegwerf-Pistolen haben Mängel, die daraus resultieren, daß sie ursprünglich dazu gedacht waren, Kuhohren zu kennzeichnen und nicht ein chirurgisches Implantat sicher in menschliches Gewebe einzuführen. Werfen wir einen näheren Blick auf den Schmuck, der beim Piercen mit der Pistole eingesetzt wird.

Schmuck für die Piercing-Pistole

Wir kennen alle seit unserer Kindheit die Ohrstecker, die mit der Pistole eingesetzt werden und die man während der ersten Wochen trägt. Es ist eine weit verbreitete Ansicht, daß diese Pistolen-Stecker speziell dazu dienen, den Heilungsprozeß zu beschleunigen. Tatsächlich sind sie jedoch darauf ausgerichtet, in ein Instrument zur Kennzeichnung von Kuhohren zu passen und dabei möglichst preiswert zu sein.

Die Form des Steckers führt zu Infektionen, da sich hinter den Schmetterlingsflügeln auf der Rückseite Eiter ansammelt, der sich nur schlecht entfernen läßt. Gewöhnlich ist ein solcher Stecker zu kurz, um Schwellungen zuzulassen, die während des Heilungsprozesses vorkommen können, weswegen der Stecker häufig ganz oder teilweise ins Gewebe eingebettet wird. Das passiert fast zwangsläufig, wenn die Pistole für Nasenpiercings, Knorpel und andere Körperteile verwendet wird; doch auch bei simplen Ohrlöchern kann dies häufig beobachtet werden.

Einige Stecker bestehen aus rostfreiem Edelstahl von chirurgischer Qualität, doch die meisten Hersteller bieten auch vergoldete oder mit Gold gefüllte Stecker. Die Hersteller berufen sich darauf, daß das Gold über rostfreien Edelstahl gezogen wurde. Während dies technisch richtig sein mag, so läßt sich Stahl jedoch schlecht vergolden, weswegen die meisten dieser Stecker eine Zwischenschicht Nickel oder Kupfer enthalten, zwei Metalle, die stark reagieren. Vergoldet wird in einem Cyanidbad. Spuren von Cyanid oder sogar kleine Einschlüsse von Cyanid bleiben in der Vergoldung. Vergoldungen, Goldfüllungen oder "gewalztes" Gold sind niemals geeignet für den Einsatz als Piercing-Schmuck.

Die Pistole wird mißbraucht

Bei weitem am schlimmsten ist jedoch der weitverbreitete Mißbrauch der Pistolen in den Händen von unmoralischen oder unwissenden Profit-Haien, die sie dafür verwenden, nicht nur Ohrläppchen, sondern andere Körperteile zu piercen. Piercer haben solche Stecker bereits in schwer entzündeten - sogar brandigen - Ohrläppchen, Ohrknorpeln, Zungen, Nasenlöchern, Brustwarzen, Nabeln und Genitalien gesehen. Wenn so etwas vorkommt, wird der Gepiercte zur Notaufnahme geschickt, wo der Schmuck chirurgisch entfernt werden muß. Dies ist sehr teuer, schmerzhaft und demütigend für den Gepiercten und ist verantwortlich dafür, daß manche eine sehr ungünstige, negative Meinung übers Body-Piercen haben. Einige Gepiercte haben Teile des Gewebes verloren, viele haben bleibende Narben und Nervenschäden.

Viele sogenannte Piercer wurden gerichtlich belangt, weil sie die Pistole an anderen Körperteilen als dem Ohrläppchen eingesetzt haben, und das ist gut so. Die Pistole ist nicht dafür gedacht, um mit der Haut eines Menschen in Berührung zu kommen. Wie kann dies der Fall sein, wenn die Pistole in jemandes Nase, Nabel, Mund oder Genitalien gepreßt wird? Das Risiko von Krankheitsübertragung vervielfacht sich exponentiell, berücksichtigt man diesen Mißbrauch.

Anständige Piercer halten sich an das Gesetz und piercen Minderjährige auch nicht ohne ausdrückliche schriftliche Zustimmung der Eltern - die meisten Opfer sind Minderjährige, deren Ohrläppchen mit Pistole durchstochen wurden. Allein in Südkalifornien gibt es mindestens fünf Fälle, die miteinander nichts zu tun haben, in denen Eltern gerichtlich gegen sogenannte Piercer vorgehen, die Minderjährige in Gefahr gebracht haben.

Es ist ein gefährlicher Trugschluß, der von den Herstellern der Pistolen verbreitet wird, daß Piercen leicht sei und ohne Risiko von jedem, der Lust dazu hat, durchgeführt werden kann. Ein professioneller Piercer verbringt jedoch gewöhnlich bis zu zwei Jahre in einer Vollzeit-Lehre und muß sich mit aktuellen Fragen hinsichtlich Gesundheit, Sicherheit, Ästhetik und ähnlichen Dingen auskennen. Piercing ist nur leicht und sicher in den Händen eines voll ausgebildeten, verantwortungsbewußten professionellen Piercers.

Halten Sie sich bitte diese Informationen vor Augen und fragen Sie sich selbst: ist es tatsächlich das Risiko wert, wenn es sicherer und verantwortungsbewußter ist, das Stechen von Ohrlöchern genauso zu betrachten wie Piercings sonstwo am Körper? Schließlich ist das Ohrläppchen ein Teil des Körpers, dasselbe Blut strömt durch, es verfügt über dieselben Heilungskräfte und Möglichkeiten, Hautzellen zu regenerieren. Beim Ohrläppchen besteht eine leicht höhere Gefahr von Infektion als bei den meisten anderen Piercings aufgrund der Lage und der begrenzten Menge an Gefäßen. Der Ohrknorpel mit seiner äußerst geringen Durchblutung und Nähe zum Gehörapparat gehört zu den Körperstellen, die am schwersten heilen. Es ist an der Zeit, daß wir aufhören, den Einsatz von ungeeigneten Piercing-Methoden zu rechtfertigen, weil diese "nur am Ohr" Anwendung finden.

Es wäre ideal, wenn der Einsatz von Pistolen zum Ohrloch-Stechen per Gesetz völlig verboten würde. Wenn dies nicht möglich ist, sollte der Gebrauch der Pistole auf Personen begrenzt werden, die nicht von sich behaupten, professionelle Piercer zu sein, und die die Pistole ausschließlich fürs Ohrloch-Stechen verwenden. Heutzutage ist die Pistole keine gute Lösung in Hinblick auf öffentliche Gesundheit.

Warum wird die Pistole überhaupt so häufig verwendet, obwohl sie soviele Mängel hat?

Die Hersteller - vergleichbar mit der Zigarettenindustrie - machen mit diesem Gerät große Gewinne und bezahlen Studien, die zu ihren Gunsten ausfallen. Modeschmuck-Händler können viel Geld verdienen, wenn sie die Pistole ungeübten Verkäuferinnen in die Hand drücken, und die Technik wird bereits seit so vielen Jahren eingesetzt, daß keiner sie in Frage stellt. In den folgenden Auszügen aus medizinischen Fachzeitschriften wird das Problem deutlich. Es ist wichtig, daran zu erinnern, daß es in allen diesen Berichten um Piercings geht, die mit der Pistole ausgeführt wurden und nicht mit professionellen Body-Piercing-Methoden.

Gibt es Probleme mit gepiercten Patienten?

Aus "Emergency Medical Services", eine Fachzeitschrift für Sanitäter (EMTs), Mai 1996

"Alle diese Dinge, die die Möglichkeit unsachgemäßer Sterilisation bergen, sind ein Risiko. Sogar Personen, die sich Ohrlöcher stechen lassen wollen, sollten danach fragen, welche Sterilisationstechniken verwendet werden. Unzureichend sterilisierte Tätowierungen oder Akupunktur-Zubehör sowie die Utensilien zum Body-Piercen sind alle suspekt, solange sie nicht autoklaviert sind." - Dr. Willis C. Madrey (Anm.: Keine Piercing-Pistole kann sterilisiert werden. Das Plastik oder mit Metall verkleidete Plastik schmilzt im Autoklav.)

Hepatitis B beim Ohrloch-Stechen übertragen

"Danish medical journal", Ugeskr-Laeger, 7. Januar 1991

Im Zusammenhang mit dem Stechen von Ohrlöchern für Ohrringe ist ein Fall von Hepatitis B bekanntgeworden. Die wahrscheinlichste Quelle der Ansteckung war der wiederholte Gebrauch der Instrumente nach Desinfektion mit Hydrogenperoxid. (Anm.: Dies ist schon viel mehr Desinfektion, als viele derjenigen durchführen, die mit der Pistole piercen.) Daher werden für diese Prozedur Einweginstrumente empfohlen.

Infektion als Folge von Ohrloch-Stechen

"English medical journal Practitioner", 22. März 1989

Infektion in Verbindung mit Ohrringen ist ein besonderes Problem bei Mädchen zwischen fünf und elf Jahren sowie bei Patienten mit Dermatitis. Potentiell tödliche Blutvergiftung, hervorgerufen von beta-hämolytischen Streptokokken, kann vorkommen.

Risiken beim Stechen von Ohrlöchern, die Knorpel betreffen: Ein Bericht über Pseudomonas Perichondritis und ein Überblick über weitere Komplikationen

"British Journal of Clinical Practice", November 1990

Ein Fall von schwerer Pseudomonas Perichondritis als Folge eines modernen oben an der Ohrmuschel durchgeführten Ohr-Piercings, wird berichtet. Die aktuelle Mode solcher weit oben angebrachter Ohr-Piercings, die eher den Knorpel als das Fettgewebe des Ohrläppchens durchstechen, erhöht das Risiko von Entzündungen, die schwere kosmetische Entstellungen hervorrufen können. (Anm.: Viele Hersteller von Ohrloch-Pistolen preisen ihr Produkt als geeignet zum Durchstechen von Knorpelgewebe an, trotz des speziellen Ausschlusses von Ohrknorpel-Piercing in den FDA-Reglementierungen zu diesem Gerät.)

Akute Pseudomonas Perichondritis als Folge eines Ohr-Piercings

Ann-Plastic Surgery, USA, März 1990

Es wird von einem Patienten berichtet, der als Folge eines Ohrpiercings Pseudomonas Perichondritis hatte. Die Ursache, der Krankheitsverlauf, die Symptome und Diagnose von akuter Perichondritis werden diskutiert. Grundzüge der Behandlung werden genannt.

Probleme beim Ohrloch-Stechen

"British Medical Journal", 27. August 1977

Zwischen dem 19. Januar und dem 25. Juni 1977 wurden zwanzig Kinder in dieser Abteilung behandelt, die folgende Probleme infolge von Ohrloch-Stechen hatten. Es handelte sich dabei um Mädchen zwischen sechs und 14 Jahren; sechs von ihnen waren erst sechs Jahre alt. In zwölf Fällen war der Ohrring in das Ohrläppchen hineingewachsen (Anm.: sehr häufig bei Pistolen-Steckern), und fünf von ihnen hatten darüber hinaus eine Infektion. Vier Patientinnen hatten eine Infektion an der Stelle der Perforation. Drei Kinder erlitten eine Verletzung (trauma) am Ohrläppchen; in zwei Fällen war dies absichtlich von einem anderen Kind herbeigeführt worden, und im dritten Fall war das Ohr bei einem Sturz verletzt worden. Ein Kind entwickelte ein Keloid. Nur in einem Fall trat das Problem beidseitig auf.

Die eingewachsenen Ohrringe wurden entfernt, gewöhnlich unter lokaler Anästhesie, nur ein Kind wünschte Vollnarkose. Infizierte Ohrläppchen trocknen in der Regel aus und heilen, sobald der Ohrring entfernt wurde, doch eine Patientin hatte einen Abszeß, der geschnitten und drainiert werden mußte. Drei Kinder brauchten Antibiotika, eines davon, weil beta-hämolytische Streptokokken (Lancefield Gruppe A) isoliert wurden. Ein Kind erkrankte an Pyrexie und mußte stationär behandelt werden. Ihre Mutter fühlte sich schuldig, da sie ihre Tochter zum Ohrloch-Stechen veranlaßt hatte, und glaubte, diese sei an Meningitis erkrankt; sie war es nicht. Wir wissen zwar nicht, wie der Fall des Kindes mit dem Keloid verlief, da es nicht zur Folgeuntersuchung kam, in allen anderen Fällen aber heilte das Ohr gut.

Alle Kinder litten an Beschwerden, drei benötigten Antibiotika, eines eine Vollnarkose und eines mußte stationär behandelt werden. Ohrloch-Stechen ist zur Zeit modern - zumindest in Sheffield -, bei Erwachsenen ebenso wie bei Kindern und sogar bei Jungen, die häufig nur ein Ohr gepierct haben. Wir haben sehr kleine Kinder gesehen, sogar Babys, deren Ohren durchstochen waren. Die Zahl der Probleme hat in den letzten neun Jahren merklich zugenommen.

Obwohl wir die Häufigkeit von Komplikationen beim Ohrloch-Stechen nicht kennen, machen wir uns Sorgen über die Probleme, die dadurch verursacht werden. Über die Fälle hinaus, die wir gesehen haben, vermuten wir, daß es möglich ist, daß auch Hepatits auf diese Weise übertragen werden könnte. Wir sind der Ansicht, daß von seiten der Medizin diese Praxis verurteilt werden sollte.

Mode, die ein wenig zu weit geht

"The Capitol", Zeitung aus Maryland, 19. Juni 1995

Seine Freunde hatten es machen lassen, und er fand, daß es gut aussah; also ließ Mark Kaluzienski den oberen Teil seines linken Ohres mit zwei goldenen Steckern piercen.

Etwa sechs Wochen später wurde der zwanzigjährige Mann aus Annapolis zum Anne Arundel Medical Center gebracht, wo eine Notoperation wegen einer bösartigen Infektion durchgeführt werden mußte. Er hätte sein Ohr oder einen Teil davon verlieren können, doch glücklicherweise zeugt nur eine kleine u-förmige Narbe von seiner Tortur.

Sein Arzt, Dr. Gregory L. Heacock, äußerte die eindringliche Bitte, daß Piercing am Rand der Ohrmuschel, wo sich Knorpelgewebe befindet, gestoppt werden solle.

"Im Knorpelgewebe ist die Blutversorgung schwach", sagte er. "Wenn jemand dort eine Infektion entwickelt, wird die Blutversorgung unterbrochen und der Knorpel stirbt ab. Eine Infektion breitet sich rasch aus. Knorpelgewebe ist nicht ersetzbar, man muß es wie Krebs herausschneiden."

Dasselbe gilt für Nasen - die knorpligen Bereiche sollten vermieden werden und äußerste Sauberkeit herrschen, sagte der 33jährige HNO-Spezialist.

"Ich hatte keine Ahnung", sagte Mark Kaluzienski. "Ich wäre nie auf die Idee gekommen, daß ein Ohr-Piercing soviel Ärger macht."

Die Inhaber der lokalen Juweliergeschäfte, die Ohr-Piercing anbieten, sagen, daß Stecker oder andere Arten von Ohrringen sowohl bei Männern als auch bei Frauen sehr beliebt sind. Nur wenige wissen von den Problemen, die dabei auftauchen können, doch in den meisten Läden müssen die Kunden eine Einverständniserklärung abgeben, bevor ein Piercing durchgeführt wird.

"Wir haben bei uns noch keine Horrorstories gehört", sagte Mareen Delaney, Teilhaberin von Tara in Annapolis. Dennoch fände sie es gut, wenn die Leute über die Risiken informiert würden: "Es ist gut, die Leute aufzuklären."

Mark Kaluzienski, der bei "Kmart" in Edgewater arbeitet, ließ zum ersten Mal ein Ohrloch stechen, als er in die 9. Klasse ging. Das Loch ging durchs Ohrläppchen und verursachte keine Probleme.

Im April ließ er sich in einem hiesigen Laden ins selbe Ohr zwei Goldstecker machen. Zwei Wochen lang war alles bestens. Dann fingen die Probleme an.

Sein Ohr begann zu stechen, wurde rot und schwoll an, so daß einer der Stecker ins Gewebe eingebettet wurde. Er nahm den anderen heraus, doch der Schmerz hielt an.

Sein Allgemeinarzt verschrieb ihm Antibiotika, doch die Behandlung blieb wirkungslos. Der Arzt überwies ihn daraufhin an Dr. Heacock, Arzt in einer Gemeinschaftspraxis für HNO und Allergieerkrankungen in Annapolis. Er verabreichte ein anderes Antibiotikum.

Als nach ein oder zwei Tagen nichts passierte, landete Mark Kaluzienski im OP. Dr. Heacock schnitt totes Gewebe und Knorpel in einer 30-45minütigen Operation heraus.

Einige Tage später mußte Dr. Heacock weiteres abgestorbenes Gewebe entfernen, und Mark Kaluzienski mußte etwa eine Woche stationär mit Antibiotika-Infusionen behandelt werden.

Mark Kaluzienski war der erste Patient mit infizierten Ohrknorpeln, den Dr. Heacock seit seinem Eintritt in die Gemeinschaftspraxis vor zwei Jahren gehabt hat. Doch als Assistenzarzt im Shock Trauma Center der Universitätsklinik von Baltimore behandelte er fünf oder sechs Leute mit demselben Problem. Die meisten verloren Teile des Ohrs.

Dr. Richard A. Marelli, ein HNO-Spezialist mit Praxis in Annapolis, teilt die Einschätzung, daß ein Risiko vorliege.

"Ich glaube, daß in den Knorpelregionen des Ohrs Risikofaktoren liegen", sagte er. "Wenn diese infiziert werden, ist es häufig sehr ernst."

(Anm..: Es ist wichtig daran zu erinnern, daß es sich hier um Ohrpiercing mit der Pistole handelt. Solche Infektionen sind zwar möglich, aber sehr unwahrscheinlich, wenn das Piercing auf professionelle Weise mit geeignetem Schmuck durchgeführt wird und danach sachgemäß versorgt wurde.)

Kann die Pistole überhaupt sicher sein?

Die Pistole ist nur dann ein sicheres Gerät, wenn:

1. sie aus rostfreiem Edelstahl besteht und keine Teile enthält, die bei wiederholter Dampfsterilisation beschädigt werden können

und

2. jeder Laden, in dem Piercing mit der Pistole durchgeführt wird, das Gerät zwischen jedem Einsatz autoklaviert und in einem sterilen Beutel aufbewahrt

und

3. die Pistole geeigneten Schmuck ohne Schaden fürs Gewebe einsetzen kann

und

4. die Pistolen-Piercer hinsichtlich der Vermeidung von Cross-contamination gründlich informiert werden und umfassende Vorsichtsmaßnahmen während eines jeden Piercings ergreifen. Das würde etliche Handschuhwechsel, Wegwerf-Markierer etc. mit einschließen.

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