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Re: Selberstechen
geschrieben von micha am 30.09.2001 um 04:14:37 - als Antwort auf:
Selberstechen von Britta
>Hallo,
>ich habe gehört, daß man sich Ohrlöcher auch selber stechen kann. Wie macht man das? Was muß ich dabei beachten? Hat jemand Erfahrungen mit selbstgestochenen Ohrlöchern? Danke für Eure Hilfe...
>Gruß, Britta
Hi Britta,
Du solltest folgende Dinge beachten:
1. Die Selbststech-Methode
Enweder nimmst du eine Stecknadel oder eine etwas dickere Kanüle zum Durchstechen. Kriegst Du in jeder Apotheke - wenigstens 1 mm Durchmesser.
2. Die Hygiene
Ist sehr wichtig! Im Archiv findest Du reichlich Diskussionen dazu unter dem Thema "Ohrlochpistole".
Vor allem dann, wenn Du eine Stecknadel verwenden willst. Die sollte am besten neu sein; auf jeden Fall rostfrei. Und sie sollte abgekocht werden, im Idealfall im Dampfkochtopf. Das war ein doch recht genialer Einfall eines Spaßvogels im obengenannten Thread. Selbstverständlich kommt auch der Ohrschmuck in den Kochtopf (HEUTE gibts Ohrsteckersuppe - happa, happa,schmatz!)
Wenn Du dir stattdessen eine Kanüle beim Apotheker besorgst (nicht zu dünn), ist die Sache einfacher. Die sind grundsätzlich sterilisiert. Da kann das Abkochen entfallen.
Vorher reinige ich die Ohrläppchen wenigstens mit Seife oder Alkohol.
3. Die Platzierung
Von der waagerechten Lage her ist das klar, wenn Du keine Mehrfachohrlöcher willst: In der Mitte des Ohrläppchens. Von der senkrechten Lage aus betrachtet: Nach meiner Meinung deutlich über dem Mittelpunkt des Ohrläppchens, da sich Ohrringe, besonders dann, wenn sie schwer sind, im Laufe der Jahre einschneiden. Falls Du immer nur leichte Ohrstecker tragen willst, spielt das keine so große Rolle - dann kannst Du auch die Mitte wählen. Aber wer weiß das schon so genau beim ersten Mal?
4. Die Richtung
Wenn Du später gern große Creolen tragen willst, dann solltest Du auch auf die Richtung achten! Ich persönlich finde, dass es reichlich blöd aussieht, wenn so richtig schön große Creolen nur dumm schräg abstehen. Ideal ist da doch sicherlich parallel zum Kopf.
Dann musst Du von der Richtung her von vorne innen nach hinten außen stechen. Deine Ohrwascheln stehen nämlich garantiert nach hinten - das ist bei fast allen Menschen so (*grins*).
5. Das Durchstechen
An der gewählten Stelle und in der gewünschten Richtung die Nadel/Kanüle feste durchdrücken. Am besten schneidest Du dir vorher von einem Korken eine dicke Scheibe ab, die Du hinter dein Ohrläppchen drückst (aber nicht mit dem dicken Daumen hinten voll drauf - die Nadel/Kanüle kann auch die Korkscheibe durchdringen). Das ist deshalb sinnvoll, weil das Durchstechen der Nadel/Kanüle durch die hintere Außenhaut nicht so ganz locker geht ("Plopp"-Effekt - die hintere Haut würde sich ohne den Gegendruck der Korkscheibe zunächst reichlich dehnen, bis die Nadel austritt, dann wird aber eine genaue Richtungs-Platzierung schwierig).
Danach lässt Du die Nadel einige Minuten drin (eine Stecknadel möglichst auf größte Dicke reindrücken), damit sich das Gewebe ein wenig weitet. Das ist wahrscheinlich der Moment, wo es am meisten weh tut. Dann die Nadel rausziehen und direkt danach den Ohrschmuck durchschieben.
Bei Verwendung einer Kanüle kannst Du einen Ohrstecker direkt in die Kanülen-Öffnung reindrücken und das Rausziehen und Durchschieben des Steckers in einem Durchgang erledigen. Das ist bei Eigenarbeiten allerdingss eher eine etwas pfriemelige Angelegenheit. Da ist eine Freundin oder ein Freund schon hilfreich. Ein gegenseitiges Ohrlochstechen ist bestimmt reizvoll. Die Geschichte soll doch auch SPASS machen, selbst wenn es ein bißchen weh tut! Ohrlochselbststecher sind doch schon ein wenig Masochisten - oder nicht?
6. Welcher Erst-Ohrschmuck?
Darüber werden sich die Ohrloch-Geister vermutlich ewig streiten. Ohrstecker oder Ohrring? Den Stecker kriegst Du auf jeden Fall leichter rein, als einen Ohrring. Der Ohrstecker ist halt gerade, während ein Ohrring bzw. dessen Bügel immmer mehr oder weniger gekrümmt ist und deshalb etwas schwieriger durchzukriegen ist.
"Medizinische Ohrstecker" gibt es nicht und werden deshalb auch nicht benötigt. Was soll an einem Ohrstecker medizinisch sein? "Medizinisch" ist das Teil bestenfalls dann, wenn es sterilisiert wurde und aus geeignetem Metall besteht -siehe weiter unten.
Ein Ohrring hat den Vorteil, dass er sich in der Abheilphase, die meistens von etwas Eiterbildung begleitet wird, immer bewegt und nicht so leicht "festklebt".
Zum Material:
Auf keinen Fall potentiell allergieerregende Materialien wie z.B. Nickel-haltiges Metall verwenden! Hochkarätiges Gold oder Titan (evtll. auch Kunststoff) scheinen mir nach heutigem Wissensstand am besten geeignet zu sein.
7 Und danach!?
Nach einigen Tagen wird sich das Ohrloch ein wenig entzünden, das ist meistens mit Eiterbildung verbunden. Es muss sich doch neue Haut im Stichkanal bilden.
Jetzt muss das Ohrloch wenigsten ein- oder zweimal am Tag mit sauberem Wasser eingeweicht und gespült werden. Das kann man mit dem täglichen Duschbad oder Haarewaschen verbinden. Einen Ohrstecker nach Aufweichung des Grinds eventuell etwas hin- und her bewegen. Beim Ohrring ist das etwas unproblematischer.
Nach etwa 2 Wochen sollte das Thema erledigt sein; jetzt folgt die Phase der Konsolidierung, wo das Ohrloch im wesentlichen verheilt ist aber noch recht empfindlich reagiert. Das dauert typischerweise 2 - 4 weitere Wochen. In den ersten beiden Wochen solltest Du deinen Ohrschmuck unbedingt drin lassen, weil jedes Wechseln die neugebidete zarte Haut verletzen könnte. Wenn sich in dieser Zeit Probleme (dicke "Rhabarber-Ohren") entwickeln sollten, dann bitte sofort zum Arzt gehen!
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So, jetzt habe ich mich vermutlich mit meinen Selbststech-Ratschlägen derart exponiert, dass alle Piercing-Studio-Fans und Juwelier-Ohrloch-Fresser aufheulend über mich herfallen werden.
Das nehme ich trotzdem geduldig in Kauf.
Aber liebe Britta, noch einen Hinweis:
Es gibt hier ein Archiv und das enthält sehr viele schlaue Informationen zum Ohrlochstechen. Bevor Du Eigenarbeiten erwägst, lese die besser vorher durch.
Ich hoffe, Du willst das nicht nur wegen einer geringen Geldersparnis selbst machen. Als "Selbststech-Novize" kann man schon reichlich Fehler machen, über die man/frau sich später nur noch ärgert!
Meine Antwort ist deshalb so lang geraten, weil ich meine, wenn ich "Eigenarbeiten" machen will, dann muss ich mich vorher ausführlich informieren. Anderenfalls empfehle ich dir lieber, ein Piercing-Studio aufzusuchen (vorher kritisch angucken).
Meine beidseitigen Ohrlöcher sind "Eigenarbeit" und für meinen Geschmack ganz gut gelungen. Aber ich habe mich auch vorher auch schlau gemacht.
Nette Grüße
micha
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