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Re: an alle
geschrieben von Christine am 01.12.2001 um 19:18:56 - als Antwort auf:
an alle von Daniela
>Hallo Forum!
>In einem Geschäft hab ich neulich eine junge Verkäuferin gesehen, die hatte am ganzen Ohr bist oben Ohrlöcher und Creolen drin. Das hat mir so gut gefallen, daß die mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Wer von Euch hat das? Gibts dazu Erfahrungen? Daniela
Liebe Daniela,
Das kann ich gut verstehen. Mir gings ähnlich, ich wollte auch immer ein ”Metallohr” haben, also Stecker am ganzen Ohrrand entlang von oben bis unten. Das war allerdings schon vor ca. 20 Jahren, wo man sowas meist nur von Punkern her kannte. Obwohl ich keine Punkerin war, hab ich’s dann auch nach und nach tatsächlich realisiert. Das hieß: Jedes Ohr war 10 x durchstochen. Jedes Ohrläppchen 4x, wobei das Loch im Zentrum des Ohrläppchens etwas gedehnt war (und heute natürlich auch noch ist), der Rest entlang des Ohrrandes. Lange währte die exclusive Pracht allerdings nicht: Mit den Steckern am Ohrrand hatte ich ständig Probleme, die Piercings entzündeten sich auch im verheilten Zustand immer wieder, teilw. bildeten sich an den Ausstichstellen hinter dem Ohr bleibende kleine Verdickungen, die z.T. bis heute nicht mehr von selbst verschwanden. So hatte ich leider nur noch ganz selten Schmuck im Oberohr getragen und die meisten Löcher wieder zuwachsen lassen. Manche Bekannte haben mir später Ähnliches berichtet.
Allerdings gibt es genügend Leute, vor allem junge Frauen und Mädchen, die offenbar weniger empfindliche, sehr weiche und piercinggeignetere Ohren haben als ich, und die problem- und folgenlos manchmal bis zu 20fach durchstochene Ohren haben, ohne dass es zu Verdickungen oder Schwellungen oder Schmerzen kommt. Und nach dem Abnehmen des Schmucks ist dann auch kaum mehr was von den Durchstichen zu sehen, während bei mir die Haut im Bereich der ehemaligen Einstichstellen immer noch leicht bläulich verfärbt ist.
Das nur zum Thema Risiken und Nebenwirkungen. Wenn Du Dir die Ohren ebenfalls in dieser Weise durchstechen lassen willst:
• unbedingt auf gleichmäßige Abstände und Stechrichtung achten. Mit den handelsüblichen Stech-Pistolen und den Fähigkeiten der ausführenden Leute in den meisten Schmuckläden ist dies jedoch oft ein Lotteriespiel mit oft sehr unschönem Ergebnis. Dann vielleicht besser zum (qualifizierten) Piercer, auch wenn’s teurer ist! Bei schlecht platzierten Durchstichen: Schmuck sofort rausnehmen und zuwachsen lassen.
• Je nach Ohrform: Die Piercings sollten für eine bessere Optik möglichst den gesamten Ohrrand umfassen und nicht nur ein bisschen Haut am Ohrrand, auch wenn’s anfangs etwas schmerzhafter ist und die Heilung wegen der tieferen Durchstiche länger dauert.
• Besonders bei empfindlichen Ohren:
neue Durchstiche erst, wenn die bisherigen einwandfrei verheilt sind und man daran gut gewöhnt ist bzw. Erfahrungswerte sammeln konnte; nicht mehr als 2–3 neue Durchstiche gleichzeitig, und nicht gleichzeitig auf beiden Seiten, sonst kannst Du danach eine Zeitlang nicht mehr auf der Seite schlafen!
• Je weiter man am Ohrmuschelrand ab Ohrläppchen nach oben kommt, desto schmerzhafter wird das Piercing im Bereich des Knorpels, evtl. mit Ausnahme einer oft etwas dünneren Stelle im Oberohr, die meist auch für das häufig zu sehende ”Knorpelpiercing” verwendet wird.
Das ist jedoch von Mensch zu Mensch und von Ohr zu Ohr verschieden.
• Die Stecker oder Ringe für ein neues Piercing sollten wegen der zu erwartenden anfänglichen Schwellung nicht zu kurz bzw. zu eng sein. Andernfalls kann dies zu einer ständigen Entzündung führen. Ideal als Verheilschmuck sind dünne Piercingringe mit Kugel-Klemmverschluss. Zu dicker durchgesteckter Schmuck kann recht schmerzhaft sein und ein ständiges unangenehmes Druckgefühl erzeugen!
• Die Piercings nur machen lassen, wenn Du körperlich und gesundheitlich fit bist und Dich wohl fühlst, also nicht gerade bei Schul- oder Berufstress!
• Zärtlichkeit, Sonne und körperliche Bewegung fördert übrigens den Heilungsprozess besser als irgendwelche chemischen Pflegemittel und vermindert den anfänglichen Schmerz. Das jetzige kalte und sonnenarme Jahresende ist deshalb nicht gerade ideal für neue Piercings!
• Bei länger als 2 Wochen anhaltenden Schmerzen, starken Schwellungen u.ä. Schmuck rausnehmen und erst nach Abklingen der Beschwerden wieder einzusetzen versuchen! Allerdings kann bis dahin die Haut schon wieder zugewachsen sein. Es ist dann ein erneutes Durchpieksen zumindest der äußeren Haut erforderlich.
• Auch später eine gewisse Pflege der Piercings nicht vernachlässigen: in den verheilten Durchstichkanälen bildet sich Talg, der geleghentlich entfernt werden sollte, andernfalls nicht gerade vorteilhaft riecht. Sparsames Einölen oder Eincremen der Ohren hält die Haut geschmeidig und kann die Heilung fördern, bes. bei gutem Olivenöl (nicht Mineralöl). Warmer Kamillentee oder Auflegen von warmen Kamillenteekompressen kann das Druckgefühl bzw. die Anschwellung nach dem Durchstechen lindern und die Heilung fördern.
Kurzzeitiges Herausnehmen des (Erstlings)Schmucks für einige Stunden schadet nicht. Allerdings kann das erneute Einsetzen die noch dünne Haut im Wundkanal verletzen oder durch die zwischenzeitlich erfolgte Verengung des Stichkanals etwas schwierig gestalten.
• Um Allergien und Entzündungen zu vermeiden: Besonders für Erstlingsschmuck nicht irgendeinen billigen Mode(Silber-)Schmuck verwenden, sondern weitestgehend ”allergiesicheren” Schmuck aus z.B. Titan, evtl. Kunststoff, Edelstahl (ist oft subjektiv unverträglich), Gold in hoher Legierung (am besten, jedoch nur selten erhältlich und entspr. teuer: 750er/18 Karat, besser 999er/24 Karat Gelbgold, inkl. aller mit der Haut in Berührung kommender Teile, z.B. Lötstellen und Befestigungsschmetterlinge).
Wenn das noch nicht abschreckend genug war: Mehr Infos fibts auf der Ohrlochforum-Homepage oder auf unserer CD.
Aber Du hast reichlich Zeit, Dir Deinen Ohrschmuckwunsch zu realisieren, und kannst die Aktion ja notfalls jederzeit stoppen!
Liebe Grüße Christine
Viel Spass!
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