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Indische Tradition - Kuh beißt sich durch!
geschrieben von Hackeranwärter 472 am 17.12.2001 um 13:47:19
Hi!
Es geht um das Land, das hier ja, als Hochburg der Ohrlöcher, das beliebteste sein sollte: Indien. In meiner Parallelklasse ist ein Mädchen, Shinu, die ist Inderin. Naja, nicht direkt, sie und ihre kleine Schwester wurden in Deutschland geboren, aber ihre Eltern kommen aus Indien. Sie wird demnächst siebzehn, ihre Schwester ist vierzehn.
Neulich ging es in Ethik um den Hinduismus, und eben um Idien. Da kamen wir, wie es sich beim Indien-Thema kaum vermeiden läßt, auf die zu sprechen. Und Shinu hatte da dann auch einiges zu erzählen.
Das Löcher stechen hat da ja Tradition und so ziemlich jeder, auch viele Männer tragen da welche, blablabla. Ich werde mich auf das ERzählen, was sie über das Stechen erzählt hat.
Ihr Oma (mütterlicherseits) ist recht ärmlich aufgewachsen, sie hatte das Glück, daß sich ein wohlhabenderer Inder in sie verliebt und sie geheiratet hat. Jedenfalls, sie ist eben ärmlich aufgewachsen, aber die Ohlöcher mußten trotzdem sein. Sie bekam deshalb ihe Ohläppchen, im Alter von zehn Jahren, in dieser Region von Indien ist das wohl das übliche Alter, mit splittern aus dem harten Holz eines bestimmen Baumes durchbohrt. Die Splitter blieben drin, bis das abgeheilt ar, Ohrringe konnten die sich nicht leisten.
Durch die Hochzeit mit dem reicheren Mann gehörte die nächste Generation, Shinus Eltern, dem kleinen, aber vorhandenen, indischen Mittelstand an. Es ging ihnen nicht so tol wie in Deutschland, deshalb sind sie ausgewandert, aber auch nicht schlecht. Klar, woher sonst auch das Geld zum herkommen? Jedenfalls konnten die sich Ohrlochstechmethoden nach traditioneller Art leisten, wie es auch am Hof der alten Maharadshas üblich gewesen war. Shinus Mutter hat so ihre Löcher bekommen. Und obwohl die Familie gut integriert ist, lebt sie heute noch recht traditionell. Entsprechen wurden auch Shinu und ihrer Schwester so die Ohrläppchen durchstochen. Und Shinus Löcher fallen selbst jemandem mit ungeschultem Blick auf: Sie sind sehr deutlich sichtbat und etwas größer als bei uns üblich. Besonders links, wo sie doppelt gelocht ist, fällt das auf. Deshalb wurde sie natürlich gleich gefragt, wie das abläuft.
Tja, das ist eine Zeremonie mit Segnen und so weiter, die ich hier aber nicht länger erläutern will. Es geht um das Steche selbst. Das Werkzeug, das verwendet wurde sieht aus wie eine hölzerne Kuh. Das kommt daher, daß Kühe im Hinduismus heilige Tiere sind. Jedenfalls läßt sich der Kiefer der Kuh öfnen und schließen, indem man den Schwanz hoch und runter klappt. Der ist natürlich etwas größer als es zum Maßstab passen würde, und dicker, aber anderst würde er wohl brechen. Im Oberkiefer der Kuh, da, wo der Gaumen wäre, ragt ein Metallstachel raus, etwa einen Zentimeter lang. Im Unterkiefer ist ein Loch. Das Ohläppchen wird ins Maul geklemmt, der Schwanz runtergedrückt und der Dorn bohrt sich durch. Dann öffnet man das Maul wieder, nimmt die Kuh weg und fummelt von Hand den Ohrring rein. Shinu und ihre Schwester bekamen ihr erstes paar Löcher im alter von jeweils zehn Jahren. Als Shinu dann letztes Jahr ein neues wollte wurde das nicht in einer Zeremonie gemacht, das gilt nur für die ersten zwei Löcher, aber mit dieser "Stechkuh". Besonders hygienisch ist das freilich nicht, aber was stört das die indische Tradition? Aufdie Frage, ob das wehtäte antwortete sie, bei den ersten Löchern hätten sowohl sie, als auch ihre Schwester geheult. Bei ihrem dritten Loch, da war sie dann ja schon fünfzehn, hätte sie es zwar auch als ziemlich schmerzhaft empfunden, aber es ließ sich aushalten.
Soviel dazu.
Gruß,
HA 472.
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