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Meine Ohrloch-Geschichte

geschrieben von Pittus am 13.12.2003 um 05:14:02
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Hallo Leute,

ich verfolge seit längerer Zeit dieses Forum und wollte nun endlich auch mal einen Beitrag leisten und einfach mal meine Geschichte erzählen, wie ich zu meinen Ohrlöchern gekommen bin.

Ohrringe, beziehungsweise die Löcher die dafür gestochen werden, haben mich schon von jüngster Kindheit an fasziniert. Bereits in der Grundschule guckte ich immer wieder verstohlen auf die Ohren der Mädchen, die dort Ringe oder Stecker trugen und stellte mir vor, wie es wohl sein würde, selbst einmal durchstochene Ohrläppchen zu haben. Allerdings verschwendete ich damals keinen Gedanken daran, es selbst zu tun. Viel zu groß war meine Angst davor, was meine Eltern, Geschwister und Freunde dazu sagen könnten, insbesondere deshalb, weil niemand von ihnen selbst Ohrlöcher hatte. Also weder meine Mutter noch meine Schwester - von meinen Freunden ganz zu schweigen.
Dies änderte sich erst, als ich meine erste richtige Freundin hatte, die selbst Ohrringe trug (am liebsten große Creolen) und mir bereits nach wenigen Tagen, die wir zusammen waren, mitteilte, wie toll sie es fände, wenn ich mir ein Ohrloch stechen lassen würde. Als sie ihren Wunsch das erste Mal äußerte, wurde ich total nervös. Ich wußte überhaupt nicht, was ich sagen sollte und brachte nur eine zaghafte Gegenfrage heraus: "Das fändest du wirklich gut?"
Wie bereits erwähnt, hatte ich schon lange den Wunsch, mir einen Ohrring stechen zu lassen, wollte dies ihr gegenüber aber nicht zugeben und wiegelte ab. "Das steht mir doch bestimmt nicht." "Doch", meinte sie und erklärte mir dann, wie das ganze überhaupt vonstatten ginge (mit der - wie ich mittlerweile weiß - äußerst bedenklichen Ohrlochpistole beim Juwelier).
Obwohl ich von dem Gedanken ganz fasziniert war, es nach so vielen Jahren nun vielleicht bald endlich machen zu lassen, sagte ich ihr nur, dass meine Eltern das bestimmt nicht gutfinden und mich womöglich sogar aus dem Haus jagen würden (letzteres befürchtete ich nicht ernsthaft, aber ich hatte einfach keine Lust auf das Theater meiner Eltern - und das hätte es auf jeden Fall gegeben).
Anschließend war das Thema dann erstmal für ein paar Wochen erledigt, bis meine Freundin (bei einer gemeinsamen Fahrt im Fahrstuhl) meiner Mutter gegenüber erwähnte, wie gut mir doch ein Ohrring stehen würde. Als sie dies sagte, zuckte ich fürchterlich zusammen und hörte meine Mutter, wie sie sagte, wie scheußlich sie das fände. "Siehst Du, was habe ich Dir gesagt", meinte ich dann später zu meiner Freundin, worauf sie nur entgegenete, dass sich meine Mutter und mein Vater schon daran gewöhnen würden, wenn ich erstmal einen Ohrring hätte.
In den kommenden Wochen dachte ich immer wieder darüber nach und kam immer mehr zu dem Entschluss, es nun doch einfach machen zu lassen, ohne Rücksicht auf irgendwelche Kommentare meiner Eltern, Geschwister und Freunde.
In der Nacht bevor ich meinen Entschluss nun wirklich in die Tat umsetzen wollte, machte ich kein Auge zu. Ich war einfach zu nervös. Am nächsten Tag wollte ich dann meine Freundin besuchen (mit dem Zug - ich war damals noch keine 18) und fuhr extra eine Stunde eher, um mir, bevor meine Freundin mich am Bahnhof abholen wollte, das Ohrloch schießen zu lassen. So ging ich also in die Stadt und suchte ein Schmuckgeschäft, die Ohrlöcher stechen (war nicht schwer zu finden *g*). Allerdings brauchte ich eine Ewigkeit, bevor ich all meinen Mut zusammen genommen hatte und den Laden dann wirklich betrat.
Ich wandte mich an die erste freie Verkäuferin, die ich sah, und fragte, ob man sich hier wohl Ohrlöcher stechen lassen könnte. Sie bejahte die Frage, zeigte mir die Erstohrstecker (ich suchte mir einen schlichten silbernen Stecker aus) und bat mich, Platz zu nehmen. Anschließend fragte sie mich: "In beide Ohren, oder?" Ich sagte: "Nein, bitte nur in das linke Ohrläppchen." Dann markierte sie die Stelle, die ich noch einmal korrigieren ließ, und kurz danach machte es das berühmte "Plopp" und der Ohrstecker hatte mein Ohrläppchen durchbohrt.
Das erste Gefühl das ich damals empfand, war einfach nur Stolz. Stolz, es nun endlich getan zu haben, und freute mich unheimlich darauf, meine Freundin zu sehen, um ihr meine neue Errungenschaft zu präsentieren.
Ich taperte also sofort zum Bahnhof, wo sie mich ja mit dem nächsten Zug erwartete. Allerdings galt ihr erster Kommentar, als sie mich sah, nicht meinem Ohrstecker, sondern meinen Haaren, die ich mir einen Tag zuvor hatte schneiden lassen. Wenige Sekunden später erblickte sie dann alllerdings das Schmuckstück an meinem Ohr und war total aus dem Häuschen. Sie meinte, wie Klasse das aussehe, und dass sie mir gleich nach der Abheilphase eine kleine Creole schenken wolle. Ich war nun auch total happy und genoß den Tag mit ihr.
Tja, an dieser Stelle ist die Geschichte allerdings noch nicht zu Ende, denn - als die Stunden vergingen und die Zeit näher rückte, mich mit meinem Ohrstecker meinen Eltern und meinem Bruder präsentieren zu müssen, bekam ich wieder diese Angst vor den Reaktionen, was schließlich dazu führte, dass ich den Stecker noch am selben Abend direkt vor unserer Haustür entfernte und inständig hoffte, dass niemand das gerötete Loch in meinem Ohrläppchen entdecken würde.
So war es dann auch. Niemand zu Hause merkte etwas. Allerdings war meine Freundin am nächsten Tag, als wir uns wiedersahen, total enttäuscht, dass ich den Ohrstecker wieder entfernt hatte.
Mit dieser Aktion war das Thema gegenüber meiner Freundin nun endgültig erledigt - für mich selber allerdings keineswegs. Ich ärgerte mich über meine Feigheit, schaffte es aber dennoch nicht, sie zu überwinden, bis eines Tages - mit meiner damaligen Freundin war bereits Schluss - mein bester Freund zu mir meinte, dass er sich ein Ohrloch stechen lassen wolle. Sofort war meine so lange gehegter Wunsch wieder präsent und ich fragte ihn, wannn er dies denn wohl machen wolle. Er entgegnete: "Direkt vor Antritt unserer Urlaubsfahrt", da er es möglichst - wenigstens erstmal - vor seinen Eltern geheim halten wollte.
Das passte mir natürlich auch sehr gut in den Kram und ich sagte ihm, dass ich auch bereits darüber nachgedacht und auch Lust auf einen Ohrring hätte.
So kam es dann, dass ich mir das zweite Mal ein Ohrloch schießen ließ (hatte, wie bereits erwähnt, damals keine Ahnung davon, wie schlecht diese Methode ist). Dieses Mal nahm ich ihn auch nicht wieder am selben Abend heraus - im Urlaub kannte mich ja auch nur mein Kumpel, der nun ebenfalls mit einem frisch gestochenen Ohrstecker herumlief - und genoß einfach Zeit mit meinem Schmuckstück. Allerdings dachte ich - desto näher das Ende des Urlaubs rückte - wieder über die vermeintich negativen Reaktionen meiner Eltern, Geschwister und anderer Freunde nach.
So kam es schließlich - ihr werdet es euch wohl schon denken -, dass ich den Ohrstecker wieder entfernte, kurz bevor ich die Tür meines Elternhauses nach gut zwei Wochen Urlaub erreichte.
Allerdings war ich dieses mal nicht alleine, denn auch mein Kumpel traute sich nicht, sich seinen Eltern mit Ohrring zu zeigen und nahm ihn ebenfalls heraus. Allerdings trug er ihn, so oft er konnte - wenn er außer Haus war - damit das Loch nicht wieder zuwächst. Ich hingegen ließ das Loch wieder zuwachsen und nach ein paar Wochen, sah mein Ohrläppchen wieder so unberührt aus, wie eh und je. Wieder hatte die Angst gesiegt. :-(
Das dritte Ohrlochschießen - ein knappes Jahr später - war dann unspektakulärer.
Mittlerweile hatte ich eine Lehrstelle als Industriekaufmann und meine Panik galt mittlerweile eher den Reaktionen in der Firma als denen der Familie oder im Freundeskreis. So nahm ich mir zu Ostern extra 3 Wochen Urlaub, um meinen so lange gehegten Wunsch nun endlich in die Tat umzusetzen. Ich hatte mich zuvor nach der Abheilzeit erkundigt (die mir mit 4-6 Wochen angegeben wurde, bis man den Erstohrstecker entfernen könne) und dachte, dann müssten eben 3 Wochen ausreichen.
In der Nacht davor, konnte ich - wie beim ersten Mal - wieder nicht einschlafen. Ich hatte meine Mutter über meine Absicht informiert (und sie meinen Dad) und versuchte es - wie erwartet - mir auszureden, doch mein Entschluss stand fest. Ich fuhr dann am nächsten Morgen zu dem gleichen Schmuckgeschäft wie beim ersten Mal und brauchte wieder eine ganze Weile, bis ich all meinen Mut gesammelt hatte und den Laden betrat. Die Verkäuferin - ich weiß nicht mehr, ob es die gleiche wie 4 Jahre zuvor war oder nicht - zeigte mir wieder die zur Verfügung stehenden Erstohrstecker und ich suchte mir wiederum, wie die zwei Male zuvor, einen schlichten silbernen Stecker aus, den sie mir sogleich an die gewünschte Stelle ins Ohrläppchen schoß.
Der große Unterschied zu den beiden Malen zuvor war, dass erstens bereits meine Eltern über meinen Plan informiert waren und zweitens niemand dahinter stand. Das heißt weder meine Freundin - ich hatte zu der Zeit auch keine - noch mein Kumpel. Es war einfach allein meine Entscheidung ohne Druck einer anderen Person und dieses Mal nahm ich den Stecker auch nicht wieder heraus (erst als ich wieder arbeiten musste, doch das Loch ist danach nie wieder zugewachsen).

Tja, mittlerweile habe ich noch einen zweiten Ohrring im linken Ohrläppchen und ich habe meine damalige Entscheidung wirklich zu keiner Zeit bereut. Die Reaktionen aus meinem Umfeld waren auch nicht annähernd so schlimm, wie ich sie mir ausgemalt hatte und ärgerte mich deshalb sehr, dass ich so lange gezögert habe und so ein großes Brumborium um dieses kleine Loch gemacht habe.

Allerdings muss ich gestehen, dass ich schon seit längerer Zeit den Wunsch habe, mir ein drittes Loch ins linke und das erste Loch ins rechte Ohrläppchen stechen zu lassen.
Bisher fehlt mir dazu aber wiederum der Mut.
Nicht wegen eventueller negativer Reaktionen von Eltern und Freunden, sondern einfach wegen beruflicher Schwierigkeiten, die ich deswegen befürchte.
Außerdem trage ich mich auch schon seit längerer Zeit mit dem Gedanken, mir ein Brustwarzenpiercing stechen zu lassen. Hier geht es allerdings überhaupt nicht um Reaktionen anderer (es sieht ja keiner außer meine Freundin, die ich zur Zeit nicht habe *g*).
Ich habe auch keinen Bammel vor dem Stechen an sich, sondern einzig vor den Wochen und Monaten danach und eventueller Komplikationen.
Na ja, mal sehen.
Ich halte euch auf jeden Fall auf dem laufenden. :-)

LG Pittus
Nicht wegen eventueller

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