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Re: Warum ist es,,,
geschrieben von Nadine am 18.02.2004 um 18:00:23 - als Antwort auf:
Re: Warum ist es für manche Männer eigentlich ein Lebenstraum Ohrlöcher zu haben von micha
>Hallo Nadine,
>ich finde deine Antwort zu diesem schwierigen Thema recht gut. Es ist OK, dass dem Robert Ohrringe nur bei Frauen gefallen und er das klar sagt. Aber genau diese Fixierung auf Frauen gibt mir zu denken...
>Ich finde, dass der Robert sich selbst betrügt. Frauen- und Männerohren sehen weitgehend gleich aus; Frauen- und Männerfüße ebenso. Ich selbst trage seit Jahren Ohrringe und auch hochhackige Stiefel. Ich bin überzeugt davon, dass das bei Männern genauso gut und auch sexy aussieht, wie bei Frauen. Deine Meinung dazu würde mich übrigens interessieren...
>Das eigentliche Problem scheinen mir die paranoiden Schwulenängste der Männer zu sein: Mit dem Outfit hält mich garantiert jeder für total schwul!
>Das stimmt aber mittlerweile nicht mehr; man muss ja nicht unbedingt die schwulenfeindlichen Lästereien einiger Türkenmachos als Maßstab akzeptieren.
>Der Robert sollte sich die Frage stellen, warum er Ohrlöcher nur bei Frauen mag; bei sich selbst kann er sich das ja offensichtlich nicht vorstellen. Mir gefällt seine Einstellung nicht. Dahinter steckt vermutlich eine antiquierte Mentalität, die Frauen noch immer als Sexualobjekt ansieht. Die Frauen dürfen sich Ohrlöcher stechen, Riesencreolen tragen und den Mann mit hohen Stilettoabsätzen aufgeilen. Der Mann darf sich einen Dreck um sein Outfit scheren. Seinen Bierbauch mit lahmarschiger Standardkrawatte vor sich her schieben und erwarten, dass sich die Frauen ihm sexy präsentieren. Mit welchem Recht?
>Ich sehe das anders. Liebe Männer, traut euch doch auch mal ein geiles Outfit zu - viele Frauen werden es gerne sehen! Wenn man(n) bereit ist, sich darauf einzulassen, macht es übrigens richtig Spaß ...
>nette Grüße
>micha
Hallo Micha
Es ist ja so, dass sich die Grenzen zwischen dem weiblichen und dem männlichen Geschlecht langsam wieder annähern... Denkt man 50 Jahre zurück, und man stelle sich vor wir hätten zu der Zeit gelebt, dann hätte man das, was du tust, verteufelt. Auch wenn es zu der Zeit 100%ig auch Männer gegeben haben muss, die dies gerne getan hätten.
Glücklicherweise hat sich ja das allgemeine Bewusstsein stark verändert und es scheinen heute Dinge möglich, die niemals zuvor möglich waren. Männer dürfen Ohrringe wieder tragen (ist salonfähig geworden). Männer können Röcke tragen, die sogar ganz speziell für das "starke" Geschlecht gefertigt werden (AMOK, glaube ich, ist so eine Marke). Und dies wird immer mehr kommen. Da bin ich mir ganz sicher. Und es hat gar nichts mit schwul zu tun. Ich habe viele schwule Freunde und keiner von denen trägt einen Ohrring, Röcke oder Highheels etc. Ganz im Gegenteil. Schwule sind die männlichsten Männer, die auf unserer Welt herumlaufen. Da haben wohl viele sogenannte Heteros das Nachsehen (ganz speziell solche Machos aus südlichen Ländern (= Weicheier).
Abgesehen davon habe ich ohnehin etwas Mühe mit der strikten Abgrenzung der Geschlechter (i.e. Du bist ein Junge und spielst mit Autos bzw. ein Mädchen hat mit Puppen zu spielen). Es steckt in allen von uns beides, auch wenn es äusserliche Merkmale gibt, die uns unterscheiden. Und auch Männer wollen gut aussehen und gehen in Kosmetikstudios, lassen sich Haare entfernen... etc.
Aber was in aller Welt hat Schmuck, Kleider, lange oder kurze Haare/Nägel mit dem primären Geschlechtsmerkmal zu tun? Rein gar nichts.
Also, wenn jemand gerne HighHeels, Ohrringe, Nylonstrümpfe, Röcke oder was auch immer dem weiblichen Geschlecht zugetan wird, trägt, obschon er ein Mann ist, wo liegt das Problem? Nur weil gewisse Triebgesteuerte dies so wollen, dürfen nur Frauen die "Fusskiller" tragen, sich die Ohren verlöchern? Ich finde, es gibt wunderbare Transvestiten, die nicht selten besser aussehen als so manche Frau. Die sind nicht schwul, sondern haben oft ein gesundes Familienleben. Und zwar genau darum. Weil es für die Psyche gesund ist, das zu tun, wonach es dem jeweiligen Individuum steht.
Viel schlimmer sind solch verkrampfte Typen, die eigentlich gerne wollten, es sich aber nicht trauen. Genau die sind es, die am lautesten brüllen und über solche herziehen, die es (bewusst mit Freude und Leidenschaft) tun. Aber die würden wohl an sich selbst vergeilen, wenn sie diese Sachen ausleben würden. Ist tätsächlich irgendwie krank.
Der Mensch ist an und für sich schon sehr krank. In jedem steckt ein Masochist wie auch ein Sadist. Man lässt sich in "Korsette der Gesellschaft" zwängen und unterdrückt seine eigene Persönlichkeit. Zieht Dinge an, die verlangt werden. Passt sich ständig an. Nur nicht aus dem Rahmen fallen und schon gar nicht auffallen. Die Mehrheit tut nicht das, was sie eigentlich gern tun würden, nur weil "sich dies so nicht gehört". Wer sagt das? Gibt es ein Kollektivdenken? Dann wäre es ja nicht nötig, dass jeder Mensch ein eigenes Gehirn hat. Also, ich kann Micha wie auch Ecki nur darin bestärken und ihm beipflichten, weiterhin das zu tun, was er tun will. Es ist, um es nochmals zu sagen, nicht krank! Im Gegenteil - absolut gesund.
Oder dürfen Frauen keine Hosen tragen? Nicht das arbeiten, was sie wollen? Wenn eine Frau Maurer sein will, dann darf sie das doch auch.
Es stellt sich die Frage: Wollen wir vorwärts kommen, stehen bleiben oder gar rückwärts gehen?
Männer, wie Frauen, tut, wonach es euch dürstet! Lasst euch nicht von antiquirten Meinungen und ungeschriebenen Vorschriften/Gesetzen einschränken. Nur dann kann es besser werden. Seht euch Amerika an... die machen gesellschaftlich mehr Rückschritte als Fortschritte. Wir hier in Europa sind doch nicht so blöd und lassen uns Sachen vorschreiben, wie wir zu sein haben und zu denken haben. Free yourself!
Bis bald
Nadine
PS: Ich glaube einfach, dass Frauen diesbezüglich einfach toleranter sind, wenn sicher auch nicht alle!
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