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Re: Fetisch
geschrieben von piercloch am 15.11.2006 um 10:57:00 - als Antwort auf:
Re: Hallo von 3-jahre-Mitleser
Hallo Freunde!
Es ist wohl eine Tatsache, dass die Freude an Piercingschmuck und an Schmuck im allgemeinen immer auch mit Erotik zu tun hat. Ein Aspekt, der in diesem Forum ab und zu durchdringt. Schmuck ist sicher eines der vielen Signale, mit denen Männlein wie Weiblein im erotischen Sinne auf sich aufmerksam machen möchten. Auch die zahllosen Teenies, die sich einem Modetrend oder ihrem Popidol folgend piercen lassen, spüren diese erotisierende Wirkung des "Schmucktragens" bei sich und bei anderen. Alle Völker dieser Welt tragen mehr oder weniger kunstvollen Körperschmuck. Sich zu schmücken scheint ein Grundbedürfnis der Menschheit zu sein, das von Individuum zu Individuum unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Geht man von der Richtigkeit dieser Beobachtung aus, so muss diese Neigung irgendwo in den Genen des Menschen verankert sein. Dieses Bedürfnis ist bei vielen (z.B. bei mir) offensichtlich so stark, dass es bis hin zum "Fetisch" ein primäres und damit ungemein "reizvolles" Geschlechtsmerkmal wird, das sich sogar vom Schmuckträger ablösen und verselbständigen kann. Projiziert wird dieser "Fetisch" meist auf den Partner, oder bei Ermangelung eines geneigten Partners, auf sich selbst. Schmuck, insbesondere gepiercter, ist also wohl auch ein erotisches Signal, das von vielen, mehr noch als Beine, Po, Busen, Augen, zuerst wahrgenommen wird und die von der Trägerin / vom Träger bewusst oder unterbewusst beabsichtigte Wirkung zeigt. Schaut Euch mal eine indische Braut an. Selbst dann, wenn sie "aufgeklärt" ist, studiert oder gar promoviert hat, trägt sie zur Hochzeit und, wenn sie klug ist, auch in der Hochzeitsnacht reichlich Schmuck. Insbesondere immer auch einen Nasenring, der meist über eine Kette mit den Ohrringen verbunden ist. Ich denke, besonders der Nasenring (Sklavenring) ist, neben seiner schmückenden Bedeutung, ein Symbol und Signal der Unterwerfungsbereitschaft. Emanzipation hin, oder her. Letztendlich suchen auch starke Frauen so lange ihren Traumpartner, bis sie den gefunden haben, der sie bezwingt. Sex hat, denke ich, immer auch etwas mit Unterwerfung zu tun, wobei die Rollen auch vertauscht sein können, oder beim "Spiel" hin und her wechseln. Es ist ebenso natürlich, dass sich aufgrund anderer Hormonverteilung auch manche Männer gerne einer starken Frau unterwerfen, die wiederum ihrerseits Freude daran hat. Einher gehen Symbole der Unterwerfung, z.B. ein Nasenring, vielleicht sogar jede Art des gepiercten Schmucks. Normalerweise (was ist schon normal, das was die Mehrheit tut?) wünschen sich Männer von ihren Partnerinnen, dass sie Schmuck tragen. Kluge Frauen tun das aus eigenem Antrieb. Gerade weil sie wissen, welche Macht sie mit dieser kleinen "Schwäche" über ihre Männer bekommen. Oft gerade und besonders dann, wenn sich die Frau scheinbar überwinden muss, in der Öffentlichkeit einen besonders auffälligen Schmuck zu tragen, ihm zu liebe!
Was mich und meine Piercingleidenschaft betrifft, so sind Piercings für mich kein Modegag, sondern von je her ein Bedürfnis. Vermutlich habe ich - wie gesagt - ein extra Gen dafür. An ein "Schlüsselerlebnis" kann ich mich nicht erinnern. Schon mit 14 (oder früher) hatte ich meine ersten Ambitionen, zu einer Zeit, als diese Leidenschaft noch gar keinen Namen hatte. Ich erinnere mich genau daran, als ich mir zum ersten Mal einen Reißnagel durchs Ohr gestochen habe. Ich war dabei erregt wie nie zuvor. Ohrringe (meist aus Draht selbst gefertigte „Creolen“) waren das Tollste, was ich wagte (heimlich) zu tragen, immer in der Angst, entdeckt und für verrückt erklärt zu werden. Damals dachte ich, der einzige Spinner mit diesem Tick auf der Welt zu sein. Inzwischen sind die Zeiten gottseidank lockerer geworden. Ich trage nicht nur über 30 "besetzte" Piercings, die ich am liebsten nie mehr ablegen möchte. Ich stehe wenn erforderlich auch dazu. Ich weiß jetzt, dass es noch tausende Menschen mit dem gleichen Spleen gibt. Ich habe mich längst entschlossen, dieses harmlose Bedürfnis auch auszuleben und zu genießen.
Noch heute schaue ich einer Frau zuerst auf die Ohren. Trägt sie schönen Ohrschmuck, möglichst mehrfach gepierct, so turnt mich das nach wie vor an.
Den Vorschlag einer Therapie finde ich absurd. Das Argument, man könne ebenso versuchen, den Geschlechtstrieb wegzutherapieren, sehr treffend. So lange noch gewisse Hormone in meinen Adern kreisen, werde ich ein begeisterter Piercing- und vor allem auch Ohrring-Fan bleiben.
Grüße vom Piercloch
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