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Fortsetzung 3 - Wie ich zu meinen Piercings kam…

geschrieben von daniel am 04.06.2010 um 21:21:19 - als Antwort auf: Fortsetzung 2 - Wie ich zu meinen Piercings kam… von daniel
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Gemeinsam fuhren wir in das kleine Studio; Kati war 'zum Händchen halten' mitgekommen. Mike, der Piercer, begrüßte er uns freundlich. Kati kannte ihn schon, da er ihr die Zunge gestochen hatte. Wir, dass heißt vor allem Kati und Robert, schwätzten erst eine ganze Weile über alles möglich. Ich hatte während dessen etwas durch die ausliegenden Ordner mit Tattoo-Motiven geblättert. Der Stil der Tattoos und die umgesetzten Bilder faszinierten mich und ich fing an, mir daraus ein Gesamtbild zusammenzustellen. Mir sagte eine richtig gut gelungene Mischung aus einem schwarzen Tribal, teilweise mit dünnen Linien und kleinen Punktmustern gestaltet, und einem zweifarbigen, geometrischen Mustern zu. Die einzelnen Bereiche gingen dabei abwechseln ineinander über und zierten einen kompletten Oberkörper und die Arme. Die anderen Bemerkten, wie ich immer wieder die gleichen Seiten verglich und so schwenkte die Diskussion erst einmal zu Tattoos: Robert bevorzugte eher größere schwarze Flächen mit wenig Muster. Er war von einem Bild angetan, das einen bis zu den Finger komplett schwarz geinkten Arm zeigte, bei dem nur wenige (helle) Linien ein gekonntes Muster bildeten. Kati suchte nach feinen Rankenmustern, wurde aber nicht fündig.

Mike klärte uns auf, dass die Ordner von einem befreundeten Inker wären, der aber im Moment auf einer Tournee durch Amerika wäre und erst gegen Ende des Jahres wieder zurück erwartet würde. Wenn wir Interesse hätten, könne er gerne den Kontakt vermitteln, es gäbe aber zurzeit schon eine Warteliste. Dann fragte er uns nach den eigentlichen Wünschen. Wie schon angekündigt wollte Robert sich die Zunge piercen lassen. Ich war etwas überrascht, als Kati sagte, dass sie einen Stab in der Augenbraue wolle. Als er mich fragend ansah, meinte ich, dass ich nur zum Zusehen mitbekommen war. Die beiden bekamen das Formblatt mit der Einverständniserklärung. Gemeinsam suchten wir dann den Schmuck aus und dann wurde es ernst.

Robert setzte sich in einem kleinen Seitenraum auf einen verstellbaren Stuhl. Während er mit einer Reinigungsspülung im Mund gurgelte, richtete Mike seine Werkzeuge, wechselte natürlich noch seine Handschuhe und nahm dann die Zunge, um die Klemme richtig zu platzieren. Als er damit fertig war, nahm er die Nadel vom seitlich stehenden Tablett, zog nochmals kräftig die Zunge heraus und stach zügig von unten nach oben hindurch, zog die Nadel wieder aus der Umhüllung und fädelte den Stab ein. Nachdem er die zweite Kugel wieder aufgeschraubt hatte, bewunderte sich Robert erst noch im Spiegel, bevor er seine Zunge sorgsam wieder in den Mund nahm. Als nächstes kam nun Kati an die Reihe, die einen kleinen Titanstab in ihre rechte Augenbraue bekam. Wie ich das nun sah, beschloss ich, dass ich nicht ungelocht das Studio verlassen werde und erklärte, dass ich mir auch noch die Zunge piercen lassen wolle. Gesagt, getan – und wenige Minuten später hatte auch ich einen Stab in der Zunge. Der Stich war wirklich ganz harmlos, da waren die Klemme und der Zug auf der Zunge deutlich unangenehmer. Da standen wir drei also und streckten für ein Dokumentationsphoto – eng umschlungen mit Kati in der Mitte – alle unsere gepiercten Zunge weit heraus.

Etwas Probleme hatte ich anfangs mit dem Stab, der mir viel zu lang erschien und mit dem ich ständig an den Zähnen hängen blieb. Meine Zunge schwoll über Nacht stark an. In Laufe des nächsten Tags legte sich das dann aber wieder. Das Essen klappte aber trotzdem nur leidlich und gelang erst besser, als ich Ende der Woche mir einen kürzeren Stab einsetzen ließ. Zweimal biss ich mir so stark auf die Kugel, dass ich schon dachte, meine Zähne würden zerbröseln. Ich musste mich arg bremsen, um nicht ständig mit dem Stab zwischen den Zähnen zu spielen. Insgeheim war es mit dem Stab in der Zunge ein super Gefühl – ich hatte nun endlich mein erstes Piercing und ich hatte Geschmack daran gefunden! Es war ganz und gar unproblematisch und auch nicht direkt sichtbar, außer wenn ich den Mund weit aufriss oder die Zunge rausstreckte. So fiel es auch bei meiner nächsten Heimfahrt keinem auf – ich hatte natürlich auch darauf geachtet, meinen Mund soweit geschlossen zu halten.

Durch das positive Erlebnis wurde ich nun wieder ganz heiß darauf, mir weitere Piercings machen zu lassen – ich konnte mich nur nicht entscheiden, welches ich mir als nächstes machen lassen sollte. Es sollte nur vorerst noch im nicht ständig sichtbaren Bereich sein. Mit dem Beginn der Vorlesungszeit war ich nun erst einmal weniger bei der Arbeit. Ich ging knapp zwei Wochen später nochmals in das Studio, um mir nun den endgültigen Stab für die Zunge zu holen. Wie ich eine Weile wartete, bis Mike für mich Zeit hatte, sah ich erneut die Tattoo-Vorlagen durch. Bei einem Bild fiel mir dann ein Junge auf, der seinen gesamten Oberkörper mit einem großen Tattoo verziert hatte und dazu passend sowohl in den Brustwarzen als auch am Bauchnabel mehrfach gepierct war. Mein Blick richtete sich dabei zuerst auf die Nippel, die mit kleinen Stäben kreuzweise gestochen waren. Dazu passte dann der extrem geil aussehende Nabel, in dem fünf Stäbe sternförmig angeordnet waren. So konnte ich mir das auch vorstellen!

Bevor ich in Gedanken einen Rückzieher machen konnte, fragte ich Mike, ob das bei mir auch möglich wäre. Er bat mich in den Nebenraum, wo ich mein T-Shirt auszog. Im stehen zeichnete er verschiedene Positionen an. Ich verfolgte die Positionierung im Spiegel, die er mehrfach verbesserte. Zum Schluss blieben wir bei zuerst zwei Stäben, V-förmig am oberen Rand des Bauchnabels angeordnet. Sobald diese soweit abgeheilt waren, könne er die nächsten beiden machen. Schlussendlich käme dann der letzte nach unten, der seiner Erfahrung nach am meisten Probleme machen würde. Ich stimmte zu, auch um zu sehen, wie die dort abheilen würden. Etwas nervös und gespannt legte ich mich auf die Liege und wartete auf das nun folgende, während Mike seine Werkzeuge richtete. Endlich drehte er sich zu mir um und fasste mit der Zange die erste Stelle. Eine Weile lang korrigierte er den Sitz und drückte dann fest zusammen, griff zur Nadel, setzte sie von unten her an und zählte 1, 2 und mit 3 stach er zu. Mit dem Schmerz verkrampfte ich sichtbar und scheinbar war die Hautfalte schwer zu durchstechen denn erst mit einem zweiten drücken kam die Nadel wieder aus der Haut heraus. Er zog die Nadel aus dem Hüllröhrchen, das in der Haut stecken blieb, entfernte die Zange und nahm die andere Seite in Angriff. Diesmal war ich ja auf den Schmerz schon etwas gefasst, so dass ich den Durchstich etwas besser verfolgen konnte. Nachdem er den Schmuck – zwei kleinen Titan-Stäbe – einfädelte hatte, wurde das ganze noch mit einem Wattestäbchen vorsichtig gereinigt.

Ich setzte mich auf und betrachtete den Bachnabel stolz im Spiegel. In Gedanken stellte ich mir vor, wie gut die weiteren Stäbe dazu passen würden. Für heute hatte ich aber erst einmal genug. Vorsichtig stand ich mit etwas wackligen Beinen nach einigen Minuten auf. Zu guter letzt wechselte er dann noch den Stab in der Zunge gegen den passenden aus. Das Loch war inzwischen super verheilt und es fühlte sich so optimal an. Die nächsten Tage spürte ich noch deutlich bei jeder Bewegung die frischen Stäbe im Bauchnabel. Die Abheilung war im Nachhinein betrachtet eine der langwierigsten, da die Stelle sehr viel in Bewegung ist. Als ich das nächste Mal in die Firma kam, zeigte ich natürlich stolz wie noch was Kati und Robert meine Neuerwerbung.


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