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Re: Erotisches Signal?
geschrieben von Piercloch am 28.08.2007 um 08:54:58 - als Antwort auf:
Re: Erotisches Signal? von Steff
Hallo Steff,
das Piercen selbst ist, denke ich, noch kein erotisches Signal. Schon aber der in gepiercten Löchern getragene Schmuck.
Schmuck zu tragen, ist - wie gesagt - ein Bedürfnis aller Völker dieser Welt. Deshalb meine Vermutung, dass dies genetisch verankert ist. Bei Weiblein wie Männlein. Natürlich von den über die Jahrhunderte sich immer wieder verändernden Moderichtungen variiert und überlagert. Es gab Zeiten, in denen sich Männer mindestens ebenso intensiv schmückten wie Frauen. Ich denke z.B. an die Indianer.
Dabei spielte die Schmuckbefestigungsfrage immer auch eine Rolle. Ich denke, dass irgend wer irgendwo vor langer Zeit zum ersten Mal auf den Gedanken kam, dass Schmuck in gestochenen Löchern - vermutlich zuerst in den Ohren - eine besonders geeignete Methode ist, ihn nicht zu verlieren. Sind doch die Ohrläppchen "von Gott" scheinbar geradezu prädestiniert dazu gemacht, darin Schmuck zu tragen. Hinzu kommt, dass die exponierte Lage der Ohrläppchen unmittelbar neben dem Gesicht jedem sofort ins Auge fällt.
Sicher spielt auch das Bedürfnis vieler Menschen eine Rolle, ihren Körper zu modifizieren. Entweder vorübergehend oder endgültig. Ich denke da an das oft extreme, oft gesundheitsschädliche Einschnüren der Taille, an das Einbinden der Füßen bei Chinesinnen bis hin zur Verstümmelung der Füße, an die Halsreifen der Giraffenfrauen, aber auch an dauerhafte Narbenmuster und Tattoos. Özi soll übrigens schon 30 Stück davon gehabt haben. Auch das Piercen und sein Ergebnis (Narbe oder sichtbares Loch), ursprünglich sicher nur eine praktische Art der Schmuckbefestigung, führte wohl bald ein gewisses Eigenleben, wurde als erotisch und erotisierend empfunden. Als Beispiel möchte ich jene unter uns anführen, die gut sichtbare, oder gar etwas geschlitzte Ohrlöcher ganz ohne Schmuck schon erotisch finden. Umgekehrt kann Schmuck (auch ohne Träger) zum erotisierenden „Fetisch“, zu einem primären Geschlechtsmerkmal werden.
Gepiercten Schmuck auch in anderen Körperstellen, zum Beispiel in der Nase, dem Bauchnabel, oder in den Geschlechtsteilen zu tragen, ist übrigens absolut nicht neu. Auch die Indios, Römer und die alten Ägyptern haben das schon praktiziert.
Buddha wird z.B. immer mit bis oft fast auf die Schultern herabhängenden, gelöcherten und geweiteten Ohrläppchen abgebildet. Das kommt ja nicht von ungefähr. Als junger Mann hat er sicher sehr großen und schweren Ohrschmuck getragen, den er erst ablegte, als er allem "Weltlichen" abschwor.
"oder ich sehe die Möglichkeit, mir einen (warum eigentlich ?) geheim seit früher Kindheit gehegten Wunsch endlich erfüllen zu können, ohne gross aufzufallen". O, wie ich das kenne!
Das "warum eigentlich" kann ich Dir schon erklären. Denn ich bin in einer Zeit mit dem Wunsch als Junge z.B. Ohrringe zu tragen aufgewachsen, in der dies noch fast "tödlich" war. Gesellschaftlich ganz und gar unmöglich. Meine Freundesklicke hätte mich verstoßen und als "schwul" verhöhnt. So musste ich es eben heimlich tun, immer in der Angst, entdeckt zu werden.
Auch die Tatsache, dass sich mancher in einem männlichen Körper als Frau fühlt oder umgekehrt, ist nicht so einfach und hängt sicher nicht allein mit dem XY bzw. YY - Chromosom zusammen. Man weiß heute, dass die Gene mannigfache Wechselwirkungen aufeinende haben. Da hat man es sich am Anfang wohl zu leicht gemacht.
Gelöcherte Grüße vom Piercloc
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