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Re: Fortsetzung - Wie ich zu meinen Piercings kam…
geschrieben von Marc am 08.06.2010 um 19:04:58 - als Antwort auf:
Re: Fortsetzung - Wie ich zu meinen Piercings kam… von Thomas
Die nächsten Ferien rückten näher, ich war mit meinen Gedanken immer mehr bei der einen Sache. Nach langer Vorfreude kam der Tag der Abreise. Unterwegs hatte ich natürlich nur einen Gedanken: Hat er schon weitere Löcher oder hat er tatsächlich damit auf mich gewartet. Bei den Verwandten angekommen war weit und breit keine Spur von ihm, also wartet ich mal ab. Nach ein paar Tagen fragte ich mal so nebenbei, wo er denn sei bzw wann er wieder da wäre. Dabei erfuhr ich, dass er für einige Zeit nach Italien gefahren ist. Mist dachte ich mir. Irgendwie war ich enttäuscht. In der darauffolgenden Woche gingen meine Eltern auf eine mehrtägige Bergtour, ich war also alleine bei meiner Oma. Ich weiß nicht woher ich plötzlich den Mut nahm, aber ich dachte mir "Jetzt oder nie". Ich machte mich also am Nachmittag auf den Weg in die Stadt und ging schnurstracks zu dem Juwelier, bei dem sich auch mein Cousin seine Löcher machen ließ. Ich betrat das Geschäft, außer mir war kein Kunde anwesend. Ich fragte die Verkäuferin, ob sie auch Ohrköcher machen würde. Natürlich wußte ich, dass sie welche machen würde. Sie gab mir einen Korb voll mit verschweißten Erststeckern und meinte ich solle mir welche aussuchen. Ich suchte und fand goldene, solche mit nem Stein, so Marienkäfer, .... alles welche, die mir nicht gefielen. Ich fragte daraufhin nach silbernen. Die Verkäuferin meinte, dass sicher welche dabeiwären. Als sie nach kurzem suchen auch keine fand meinte sie, sie holt welche aus dem Lager. Ich wartete und war jetzt ganz alleine im Geschäft. Ich dachte mir "wow", endlich bin ich in dem Laden. Kurz darauf überlegte ich mir, jetzt wäre die letzte Möglichkeit noch schnell die Flucht zu ergreifen. Ist es etwa ein Zeichen, dass genau die Stecker nicht da sind, sollte ich es mir doch noch anders überlegen? Als ich noch am Grübeln war kam sie schon mit einigen Packungen zurück. Sie warf die restlichen in den Korb und gab mir eine und fragte, ob das die richtigen wären. Es waren die richtigen, ich war aber immer noch am überlegen. Ich schaute mir die Stecker genau an, und plötzlich fiel mir auf: Das sind ja nur die Ohrstecker, warum mußte ich mir die eigentlich als erstes aussuchen, ich wollte ja Ohrlöcher. Mir wurde schlagartig bewußt, dass ich gar nicht wußte was mich jetzt erwarten würde, ich hatte keine Ahnung wie Ohrlöcher gestochen werden. Zu dieser Zeit gab es noch kein Internet, in meiner Familie hatte ich niemanden und meinen Cousin fragte ich immer nur, wie es sich anfühlt Ohrringe zu tragen, ich fragte nie danach, wie es wäre welche stechen zu lassen. Ich drehte währenddessen die Packung in meinen Händen und schaute die Stecker von allen Seiten an, irgenwann fiel mir dann das spitze Ende der Stifte auf. Ich dachte mir sofort, dass dieses etwas damit zu tun haben würde, wie die Stecker ins Ohr kommen sollten, war mir immer noch rätselhaft. Die Verkäuferin kramte währenddessen eine Schachtel hervor und platzierte sie am Tisch neben mir. Ich war mir immer noch unsicher, sollte ich fragen, was mich jetzt weiter erwartet? Sollte ich mich lächerlich machen? Sie fragte mich, ob ich sie eh links haben wolle (zur damaligen Zeit wäre rechts auch sehr ungewöhnlich gewesen). Ich dachte nur, Augen zu und durch. Ich meinte, ich will aber einen Ring und einen Stecker haben. Ich wollte es genau so haben wie mein Cousin, ein Ring und ein Stecker. Die Verkäuferin meinte, sie hat nur Stecker, Ringe könne sie mit dem Gerät keine schießen. Ich war am überlegen, "das Gerät", aha die Schachtel barg also das große Geheimnis in sich, "schießen", das klang ja nicht gerade sanft.... Meine Gedanken wurden unterbrochen. "Du willst also 2 Löcher haben", fragte sie. Ja, aber einen Ring und... "Nach dem Abheilen kannst du dann ins erste Loch ja nen Ring reingeben, und zahlen mußt du sowieso beide" Ich überlegte, dachte mir, ob es nicht überhaupt besser wäre einen Rückzieher zu machen. "So" (mit 2 Steckern) hatte ich mir das nicht vorgestellt. Währenddessen öffnete die Verkäuferin die ominöse Schachtel und richtete sich ein Desinfektionstuch und einen Stift her. Sie meinte, ich zeichne dir mal beide Punkte an, und dann schaust du es dir einfach mal im Spiegel an. Ratsch, die verschweißte Verpackung des Tuches war offen, ich roch das Desinfektionsmittel und dachte mir shit, jetzt gibts kein zurück mehr. Noch während ich das dachte begann sie mein linkes Ohrläppchen zu desinfizieren. Gleich darauf malte sie 2 Punkte auf und gab mir einen Spiegel. So würde ich sie platzieren, meinte sie. Ich schaute in den Spiegel und sah zwei riesige schwarze Punkte. Mein Gedanke ans abbrechen war vorbei, ich dachte mir es gibt ohnehin kein zurück mehr. Ich stellte mir vor, dass in wenigen Minuten an Stelle der Punkte zwei Stecker in meinem Ohr wären. Dieser Gedanke war einfach nur geil. Die Verkäuferin fragte, "und machen wir eh gleich beide, oder?" Ich nickte, die Verkäuferin grinste. Draufhin richtete sie ihr Equipment her und riß die Verpackung der Erststecker auf. Ich kann mich noch erinnern wie sie die Pistole aufzog, ich dachte mir noch, welch Kraftaufwand da dahinter steckt. Ich konnte meine Blicke aber nicht von den beiden Punkten abwenden, die ich da im Spiegel auf meinem Ohr sah. Ich konnte es noch immer nicht glauben, dass das die letzten Momente in meinem Leben ohne Ohrloch sein werden. Als ich das nächste mal in ihre Richtung sah, reflektierte sich das Licht an der Spitze des eingespannten Steckers. Ich erschrack ein wenig, andererseits war es ja logisch, wozu der Stecker angespitzt war. Während ich noch erschrocken "das Gerät" mit dem eingespannten Stecker anschaute meinte sie, "dreh dich jetzt bitte herüber zu mir" Ich tat, was mir befohlen wurde und ich spürte was kaltes am Ohr. Sie richtet die Pistole noch ein wenig aus, die Zeit kam mir ewig lang vor. Wie würde es sein, würde es weh tun? Ich dachte nur, warum kann es nicht schon vorbei sein. Es dauerte, ich wartet das irgendwas passierte oder sie irgendwas sagte. Nichts geschah. Plötzlich, ohne Vorankündigung, hörte ich ein lautes Klack, sie zog die Pistole leicht nach unten weg und ich spürte einen leichten Zug. Der Zug ließ nach als der Stecker ausklinkte, ich drehte mich wieder rüber zum Spiegel und konnte kaum glauben, dass tatsächlich der erste Stecker im Ohr war. Ich fand das so unglaublich toll. Die Verkäuferin hatte inzwischen nachgeladen und bat mich wieder mich zu ihr zu drehen. Sie hielt wieder die Pistole ans Ohr, und diesmal ohne Wartezeit "Klack". Nach dem Blick in den Spiegel bestätigte sich meine Erwartung. Der 2. Stecker war im Ohr, mein Ohrläppchen war mittlerweile knallrot angelaufen. Sie hielt mir einen Handspiegel hin und fragte, "und wie gefällt es dir?" Ich fragte nur, was das war schon alles. Sie meinte, ja natürlich. Sie gab mir noch Pflegehinweise ich bezahlte und verließ das Geschäft. Am Heimweg war ich unglaublich stolz auf mich, dass ich es endlich gemacht hatte.
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