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Re: leider...

geschrieben von Christine am 13.12.2000 um 21:23:31 - als Antwort auf: leider... von Ralf
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Hallo, als Illustration zu Deinem Beitrag möchte ich aus unserer CD , die gerade in Arbeit ist, einige Texte zum Thema: "Die längsten Ohrläppchen der Welt" bringen. Die zugehörigen Bilder fehlen natürlich, einige waren jedoch schon im Ohrlochforum-Homepage zu sehen, ebenso wie eine Kurz-Vorstellung der CD. Bei Interesse bitte mailen!
Viele Grüße Christine

Ein junges Kenyah-Girl (Sarawak/Indonesien) mit bereits
extrem ausgelängten Ohrläppchen und schwerem Ohrschmuck, wie es bei diesem Ureinwohner-Stamm noch bis ca. 1970 Mode war. Bereits im frühen Kindesalter ab ca.
1 Jahr wurden den Mädchen vom erfahrenen Dorf-Medizinmann oder älteren Frauen die Ohren durchbohrt. In die vergrößerten Löcher wurden nach und nach zusätzliche oder schwerere Ringe zur weiteren Dehnung eingehängt.
Wie man sieht, wurde die Dehnungsprozedur sowie die schweren Messingringe von über hundert Gramm Gewicht gerne ertragen, im wahrsten Sinne des Wortes! In jedem Oberohr außerdem deutlich zu erkennen sind die Steckstifte von frisch gestochenen Piercings, in die nach dem Ausheilen später Schmuckstecker eingesetzt werden. Diese zusätzlichen Stecker sind ebenfalls Tradition und haben den praktischen Effekt, das im Laufe der Zeit für die Kinder sicher oft unerträgliche Gefühl der langgezogenen Ohrläppchen zu mildern und auszugleichen, besonders wenn weitere Ringe zur Erhöhung des Gewichts eingehängt wurden.

Eine so extreme Dehnung wäre im Erwachsenenalter wohl kaum mehr möglich, weil das Ohr nur im Kindesalter noch wächst und somit auch die ausgelängten Ohrschlaufen entsprechend mitwachsen und damit ausreichend stabil werden. Außerdem sorgt gezielte Massage und eine Art ”Kraftübertragung” durch erfahrene Stammesmitglieder für eine optimale Entwicklung, Stabilität und möglichst attraktive Form der ausgelängten Ohrläppchen sowie zur Schmerzlinderung. Eigene Erfahrungen zeigen, daß schwerer Ohrschmuck umso erträglicher ist, je weiter er herabhängt. Kann der lange Ohrschmuck etwas auf dem Schlüsselbein aufliegen, reduzieren sich zusätzlich die Baumelbewegungen, während kürzere, frei hängende Ohrringe bei jeder abrupten Bewegung oft unerträglich pendelnd am Ohr ziehen. Andererseits führt stark baumelnder Ohrschmuck fast automatisch zu langsameren und graziöseren ”damenhaften” Bewegungen und erhöht dadurch die Attraktivität der Trägerin.
Das eigentliche Schönheitsideal sind bei den Kenyah jedoch die langen Ohrläppchen, nicht der Schmuck. So wurden die Ohrringe nur von Kindern dauerhaft getragen, während sie von den Erwachsenen heute meist nur zu feierlichen Anläßen angelegt werden. Dann jedoch nach der Devise: je schwerer, desto besser.
So kann das Gewicht der eingehängten Ringe oder Pendel leicht mehrere hundert Gramm erreichen!
Reißt das Ohrläppchen, was sehr selten vorkommt, gilt das freilich als großes Unglück.
Messing-Ohrgehänge in traditioneller Pendelform, jeder ca. 150 Gramm schwer. Die Gewichte haben haben die Ohrläppchen dieser Frauen vom Stamm der Dayak und Iban auf Borneo fast bis auf die Brust gezogen und rollen sanft bei jeder Bewegung auf dem Schlüsselbein hin und her.
Junge Punan-Frau (ehem. Kopfjäger-Ureinwohner,
Borneo/Malaysia) mit 12 traditionellen Messing-Gewichtringen
in jedem Ohr. Jeder Einzel-Ring wiegt ca. 20 Gramm.
Oben: Auch bei Männern waren erweiterte Ohrlöcher teilweise in Mode, wenn auch nicht so extrem wie bei Frauen: Punan-Häuptling

Und so könnten die Ohren des jungen Mädchens schon einige Jahre später aussehen: Durch das Einhängen von noch schwereren Messingringen mit bis zu 200 Gramm Gewicht sind die Ohrläppchen auf die maximal mögliche Länge ausgezogen, so daß sie jetzt bis auf die Schultern herabhängen. Auch die Ohrmuschel wurde in diesem Fall zugunsten einer größtmöglichen Dehnung mit einbezogen, was für westlichen Geschmack allerdings ziemlich defomiert wirkt.
Junge Mädchen der Punan (ehem. Kopfjäger, Borneo) mit zahlreichen Gewichtringen und dadurch bereits extrem ausgelängten Ohrläppchen.
Das Standardset für kleinere Kinder bestand aus bis zu 6 kleineren Ringen, welche dann im Alter von ca. 10 Jahren durch größere und dickere Ringen ausgetauscht wurden. Die Ringe sind biegsam und können daher jederzeit abgenommen bzw. zusätzliche
eingehängt werden, um das Gewicht zu erhöhen und die Ohren weiter zu dehnen.
Die inzwischen erwachsenen jungen Damen dürften heute im Dienste des
Tourismus stehen, um ihre alten Stammes-Traditionen im Rahmen von Folklore-Darbietungen zu präsentieren und im heutigen modernen Malaysia noch ein wenig Ureinwohner-Exotik zu demonstrieren.

Moderner westlicher ”Piercing-Wilder” mit stark ausgeweitetem Ohrläppchen und ear tunnel für freien Durchblick. Ein noch etwas seltener Anblick, dem wir in Zukunft
jedoch häufiger begegnen werden, wenn der Piercing-Trend weiterhin so anhält.
Dazu haben wir einen kurzen Erlebnisbericht des Trägers:
”Seit ich denken kann, habe ich mir große, schwere Ohrringe in beiden Ohren gewünscht. Im zarten Alter von 16 Jahren ließ ich mir die ersten Ohrringe stechen, was für damalige Verhältnisse für ein männliches Wesen schon sehr außergewöhnlich war. Bereits die Erst-Durchbohrung erfolgte mit einer ziemlich dicken Nadel, so daß ich schon bald dickere Stifte einsetzen konnte. Für das Ausweiten der Piercings auf die jetzige Maximalgröße von ca. 13 mm Durchmesser habe ich mir schon einige Jahre Zeit genommen, zusammen mit meiner Freundin, die inzwischen ähnlich große geweitete Piercings hat, worauf sie trotz oder vielleicht gerade wegen der manchmal etwas schmerzhaften aber dennoch lustvollen Dehnungsprozedur sehr stolz ist. Durch Einsetzen von dicken Schmuck-Plugs wirken die großen Piercings nicht mehr so extrem. Die Nachteile, die wir durch unser ungewöhnliches Aussehen manchmal haben, nehmen wir gerne in Kauf. Wenn die Leute dann erst mal merken, daß wir ansonsten ganz normal sind und keine kleinen Kinder fressen, können sie auch mit uns ganz normal umgehen.”
Die Ohrringe und Ohrpendel sind begehrte Sammlerstücke und werden z.T. wieder neu hergestellt, um die Nachfrage zu befriedigen. Inzwischen werden sie sogar von vielen Extrem-Piercing-Freaks in den USA wieder gerne getragen!

Buddhistische Götterfiguren mit langgezogenen
Ohrläppchen, ein Symbol der Weisheit.
Tempel in Bangkok / Thailand

Großer Goldohrring aus den Grab-Beigaben des altägyptischen Pharaoen Tutanchamun. Abbildung ca. in 1:1-Größe (ca. 11 x 5 cm). Gebrauchsspuren lassen darauf schließen, daß diese Ohrringe dauerhaft getragen wurden. Zur Befestigung wurden die dicken, geriffelten Durchsteckröhrchen in den stark geweiteten Ohrlöchern des Königs angebracht, die bereits im Kindesalter bis auf Bleistiftstärke vergrößert waren. Große Ohrgehänge wurden im alten Ägypten nicht nur
von Frauen, sondern auch von
Männern immer paarweise getragen.

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