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Re: Schlüsselerlebnis und was daraus bis heute so wurde
geschrieben von Piercloch am 21.12.2006 um 09:37:00 - als Antwort auf:
Re: Schlüsselerlebnis und was daraus bis heute so wurde von Steff
Hallo Freunde,
zunächst muß ich sagen, dass ich angenehm überrascht und erfreut bin über die Anzahl und die Qualität der Antworten auf meinen letzten Beitrag. Hoffentlich werden es noch mehr.
@Bilderwolf, ja ich hatte Deinen früheren Beitrag zum Thema „Ohrringfaszination“ schon mal gelesen. Ich denke nicht, dass Dein „Schlüsselerlebnis“ und alle anderen, die hier beschrieben wurden, „prägend“ waren. Vielmehr erscheinen mir diese Schilderungen eher wie eine erste Begegnung mit etwas, was in uns schon latent vorhanden war. Das spräche dann doch wieder für eine „vererbte“ Veranlagung. Oft kommt so etwas erst nach Generationen wieder mal zum Vorschein. So wäre auch zu erklären, dass bei unseren unmittelbaren Verwandten wie Mutter, Vater, Geschwister, oft nichts dergleichen zu beobachten ist / war.
Mein inzwischen erwachsener Sohn hat sich schon vor längerer Zeit ein Ohrloch stechen lassen. Es ist zwar im Moment „scheinbar“ unbesetzt. Jedes mal, wenn ich ihn sehe, wundere ich mich jedoch über die Größe und „Präsenz“ des Loches. Es sieht so aus, als ob er öfter (heimlich?) darin Schmuck trägt.
Auch erinnere ich mich noch an eine Begebenheit, als er etwa acht und noch sehr unbefangen war. Er nahm eine vorübergehend abgelegte Kreole meiner Frau in die Hand, strahlte mich an und sagte, „ist irgendwie ein gutes Gefühl das in der Hand zu spüren“. Heute würde man „geiles Gefühl“ sagen.
Mein Sohn weiß zwar von meiner Piercingleidenschaft. Das ist ja auch inzwischen nicht mehr zu übersehen. Wir haben aber noch nie darüber gesprochen, ob er ähnlich „fühlt“. Vielleicht ist er noch nicht so weit.
Ich möchte Euch noch von zwei „Schlüsselerlebnissen“ oder vielleicht besser „ersten Begegnungen“ mit meiner Faszination für gepiercten Ohrschmuck erzählen:
Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Wenn dort die Mädchen sechs, maximal acht Jahre alt waren, dann bekamen sie in aller Regel Ohrringe gestochen. Da ich in diesem Alter nicht nur mit Jungs, sondern gerne auch mit Mädchen aus meiner Nachbarschaft zusammen war, kannte ich einige recht gut. So wusste ich auch, dass und wann sie - natürlich mit Mama - zum einzigen Ohrlochstecher im Dorf gingen. Ich glaube, er war hauptberuflich Uhrmacher. Wie ein besessenen bettelte ich darum, mitgehen zu dürfen, was dann mehrmals auch „erlaubt“ wurde. Der Vorgang faszinierte mich unwahrscheinlich. Natürlich gab es noch keine Ohrlochpistolen wie heute. Der „Piercer“ (auch dieses Wort gab es noch nicht) drückte zunächst ein Röhrchen durchs Ohr, das wohl wie ein Rundmesser wirkte. Punchen sagt man wohl heute dazu. Durch dieses Röhrchen, das relativ dick war, wurde der Bügel des Ohrschmucks eingefädelt und anschließend das Röhrchen über den Bügel aus dem Ohr gezogen. Das war wohl ziemlich schmerzhaft, denn es gab öfter mal Tränen. Es fällt mir in der Rückerinnerung auf, dass hierbei kaum Stecker, sondern meist einfache „Hänger“ mit Stein oder Herzchen eingesetzt wurden. Mit Klappverschluss, so wie sie heute auch wieder in Mode gekommen sind.
Ein zweites Erlebnis: Meine Freundin Paula und ich waren ca. acht Jahre alt. Sie wohnte zwei Stockwerke über uns. Wie bei Kindern üblich, übernachtete sie mal bei uns, ich mal bei ihr. Einmal, sie hatte noch nicht lange Ohrringe bekommen, durfte ich neben ihr in einem großen Bett schlafen. Ich erinnere mich noch genau an den Drang, in aller Harmlosigkeit meinen Kopf ganz nah neben ihrem Ohr zu betten. Sie bemerkte das wohl und zog sich etwas irritiert zurück.
Nein Schlüsselerlebnisse waren das für mich – wie gesagt – nicht. Eher erste Begegnungen mit einer Faszination, die schon in mir steckte.
@Quartalslocher. Ich hatte auch Zeiten, in denen ich unter meiner „Neigung“ litt. Aus ähnlichen Gründen wie Du. Ich glaube, dass von Dir der Rat stammt, sich das „wegtherapieren“ zu lassen. Da mir – und offensichtlich den Meisten hier – bewusst ist, dass die Faszination für gepierct getragenen Schmuck eng mit meiner Sexualität zusammen hängt, halte ich diesen Vorschlag – entschuldige bitte – geradezu für absurd. Ebenso erfolglos könntest Du versuchen, Dir Deine Sexualität wegtherapieren zu lassen. Die kannst Du Dir höchstens wegschneiden lassen.
Irgendwann habe ich beschlossen, zu meiner Neigung zu stehen. Wenn Du möchtest, so würde ich Dir raten, das auch zu tun. Und zwar entschlossen und endgültig. Das ewige Hadern mit sich selbst macht die Sache nur noch schlimmer. Natürlich im Rahmen dessen, was ich meiner Umgebung zumuten kann und was nicht existenzgefährdend (z.B. beruflich) ist.
Man soll Läuse, die man nicht loswerden kann, versuchen zu lieben.
Für Außenstehende sind wir zweifellos „Fetischisten“. Und dieses Wort hat wohl nach wie vor ein negatives „Gschmäckle“. Doch da gibt es wesentlich Schlimmeres. Nichts und niemand nimmt wirklich Schaden durch unsere Faszination für Schmuck, der unter die Haut geht. Also freut auch daran. Sind nicht gerade jene, die diese Faszination nicht kennen, die keinen Nerv hierfür haben, ziemlich arme Säcke?
Grüße und schöne Festtage wünscht Euch Euer sich jeden Tag an eigenen und an Piercings anderer Leute erfreuender Piercloch
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