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Fortsetzung - Wie ich zu meinen Piercings kam…
geschrieben von daniel am 21.05.2010 um 11:30:27 - als Antwort auf:
Wie ich zu meinen Piercings kam… von daniel
Nach dem Bund begann ich zu studieren und hatte dann meine erste eigene Bude – drei Stunden Fahrzeit von zuhause entfernt. Anfangs fuhr ich etwa einmal im Monat nachhause – in den Semesterferien auch mal etwas länger, sofern keine Prüfungen anstanden. Unter den Kommilitonen waren Ohrlöcher etwas weniger verbreitet, einige hatten jedoch schon Piercings oder ließen sich welche machen. Beliebt waren dabei vor allem die Augenbraue, Unterlippe und im Ohrknorpel. Bei den (wenigen) Mädels stand noch ein kleiner Nasenstecker hoch im Kurs. Von den wenigen Geld, das ich von meinen Eltern bekam, hatte ich mir zuerst einmal sportliche Klamotten und einige coole Turnschuhe gekauft. Bislang hatte ich meist nur simple Schuhe, Stoffhosen und Strickpullis bekommen.
Es dauerte dann noch über ein Jahr, bis ich dann soweit war. Nach Weihnachten kam ich wieder an meinen Studienort und plante, erst wieder nach den ersten Prüfungen nach dem Ende der Vorlesungszeit etwa zwei Monate später nach hause zu fahren. In der Zeit wollte ich mir nun mein erstes dauerhaftes Ohrloch machen lassen. Dienstags nach den Vorlesungen fasste ich all meinen Mut zusammen und ging nach dem Essen in der Stadt wiederum zu einem kleinen türkischen Juwelier, bat um ein Ohrloch und ging nur fünf Minuten später mit dem Stecker im linken Ohrläppchen erleichtert nach Hause. Am Abend stand ich zuhause vor dem Spiegel und beschloss noch den nächsten Teil meiner Veränderung – ich machte mir noch eine rote Tönung in die Haare. Ich ließ sie nur kurz einwirken, aber trotzdem war sie schon relativ stark zu sehen.
Am nächsten Morgen gab es auf meinen Stecker und die roten Haare bei den mir näher bekannten Kommilitonen ein großes Hallo – ausnahmslos nur positive Reaktionen, dass es mir gut stehen würde. So beschwingt verging die Zeit und das Loch verheilte problemlos. Als ich dann nach Hause fuhr, beschloss ich, den Stecker drin zulassen, die Farbe war inzwischen weitgehend heraus gewaschen. Mit weichen Knien stieg ich aus dem Zug, aber das Wochenende über kam keinerlei Reaktion durch meine Eltern. Ich behielt den Stecker über etwa ein Jahr im Ohr, wechselte nur einmal für ein paar Tage auf den kleinen Ring, den ich nach wie vor hatte. Ich tönte mir immer wieder die Haare, meist in rot oder violett. Ein dunkles blau kam nicht richtig raus. Ich achtete immer darauf, dass die Farbe weitgehend heraus gewaschen war, wenn ich nach hause fuhr.
Als ich dann wieder einmal durch die Stadt ging, sah ich bei einem kleinen Modeschmuck-Laden ein Sonderangebot – Ohrlochstechen das Paar für nur 5 Mark. Ich schlich einige Tage um den Laden herum, traute mich jedoch nicht, hinein zu gehen. Ich wollte gerne mal ausprobieren, wie es war, sich mehrere Löcher stechen zu lassen. Am letzten Angebotstag fasste ich mir dann nachmittags all meinen Mut zusammen, als der Laden relativ leer war. Ich ging hinein und stotterte, dass ich gerne Ohrlöcher hätte. Die ältere Dame zeigte mir die verschiedenen Stecker und als ich auf eine Packung mit kleinen silbernen Kügelchen zeigte, nahm sie es heraus. Ich sagte, dass ich gerne noch ein paar hätte, worauf sie mich kritisch ansah, aber dann eine zweite Packung herausnahm.
Sie fragte mich, wie ich sie gerne hätte. Ich meinte, einen rechts, die anderen 3 links. Etwas Stirnrunzeln sagte sie, dass sie aber nicht in den Knorpel stechen würden, und die drei dann relativ dicht neben einander kommen würden. Ich nickte und so zeichnete sie die Positionen an. Ich betrachtete es mir im Spiegel und korrigierte den einzelnen Stecker im rechten Ohr. Dann schoss sie ein um den anderen Stecker in meine Ohrläppchen. Ein kleines Mädchen schaute fasziniert zu, wie ich da saß und gelocht wurde. Als ich den Laden verließ, spürte ich, wie meine Ohren rot 'glühten' – zumindest fühlten sie sich so an.
Von den nun insgesamt 5 Ohrlöchern behielt ich über das Wochenende nur 3: den einen Stecker rechts und zwei links – also den alten und einen der neuen. Einerseits wollte ich das Stechen erst einmal ausprobieren, um zu sehen, ob mir denn mehreren Ohrringen gefallen würden. Andererseits traute ich mich dann doch nicht, auf einmal mit so vielen Löchern herum zu laufen. Zudem waren die anderen, wie ich feststellte, zunehmend schiefer geschossen, da die Dame mit der Ohrlochpistole scheinbar nicht besser ran kam. Von den Mitstudierenden kam diesmal so gut wie keine Reaktion. Nur einem schien meine Aufrüstung von einem zu den drei Steckern aufgefallen zu sein. Im Gegensatz zu meiner Mutter, als ich das nächste Mal nach Hause fuhr. Ihr gefiel das gar nicht, wie sie wenig taktvoll ausdrückte – es sei doch ungesund, sich so viele Löcher zu machen!
Das hat mich jedoch nicht abgehalten, mir nur wenige Monate später weitere Ohrlöcher machen zu lassen. Ich hatte im gewissen Blut geleckt und wollte mir einfach aus Spaß – vorerst nur für ein Wochenende – neue Löcher stechen lassen. In dem gleichen Laden gab es wieder die Sonderaktion und ich ließ mir mit 2 rechts und 4 links die bislang meisten Löcher machen. Diesmal bediente mich ein junges Mädel in meinem Alter, die selber eine ganze Reihe kleiner Ringe in den Ohren hatte. Bei ihr klappte die Positionierung erheblich besser und nicht nur der Abstand war perfekt, sondern die Löcher auch gleichmäßig ausgerichtet. Das ganze Wochenende nutzte ich jede spiegelnde Fläche, meine Ohren zu betrachten. Mir gefiel der Anblick so gut, dass ich am Sonntagabend beschloss, die Stecker alle drin zu lassen und alle 9 Ohrlöcher zu behalten.
Am nächsten Morgen gab es in meiner Lerngruppe ein großes Hallo, als ihnen die neuen Löcher auffielen. Beschwingt durch die gute Stimmung wollte ich noch ein anderes Vorhaben endlich einmal durchziehen – mir die Haare blondieren zu lassen. Ich ging nach dem Mittag zu einem Discount-Friseur und äußerte – extrem aufgeregt und mit weichen Knien – den Wunsch nach einer Blondierung. Etwa eine Stunde später sah ich mich so das erste Mal im Spiegel: mit weißblonden Haaren, im Nacken etwas ausrasiert und kunstvoll mit Gel zu einem Igel hochgestellt – ein echt genialer Anblick. Als ich knapp zwei Wochen später so nach Hause kam, war ich auf die frostige Reaktion schon gefasst. Meine Mutter hielt ihre Meinung nicht hinter dem Berg: Nicht nur die vielen Ohrstecker, auch die Blondierung würden mich derart entstellen, ob ich denn nichts Vernünftiges im Kopf hätte, usw…
Mein jüngerer Bruder war ganz neidisch auf die blonden Haare und hätte auch gerne ein Ohrloch gehabt, stieß aber auf energischen Widerstand. Er hatte sich viele Jahre später dann auch während seines Studiums einmal ein Ohrloch machen lassen, es dann aber nur knapp ein Jahr später wieder raus genommen. Meine ältere Schwester lehnte ihrem Bio- und Naturtrip folgend jegliche Veränderung extrem ab, da dadurch das Gleichgewicht der Körpersäfte gestört würde – ich würde das schon noch merken. Ich fühlte mich in der Zeit zwischen zwei Fronten – sollte ich der negativen Einstellung meiner Familie in Bezug zu Körperschmuck folgen – oder mich mit der frisch gewonnenen Freiheit folgend so verwirklichen, wie ich es wollte und es mir gefiel? Ich entschied mich für das zweite und versucht, diese Kommentare weitgehend zu ignorieren.
Zurück am Studienort hatte ich eines Abends nach dem Wechseln und Reinigen des Schmucks all meine Anfangsstecker in einem kleinen Schälchen liegen. Ich hatte mir zwischenzeitlich eine ganze Reihe kleiner Ringe gekauft und mir diese in links die Ohrlöcher gemacht. Aus reiner Neugierde nahm ich einen der Stecker und versuchte, mir diesen am Rand durch das Ohr zu stechen. Die Spitze drückte sich gegen einen leichten Schmerz langsam in die Haut und drang mit einem leichten Plopp ein. Ich schnaufte etwas durch und drückte dann weiter. Die zweite Hautschicht erschien mir noch zäher und zudem nahm der Schmerz deutlich zu. Ich fühlte die Steckerspitze auf der Rückseite schon deutlich und nach einer Pause schaffte ich es mit einer letzten Anstrengung. Ich hatte mir mein erstes Loch selber gemacht. Bevor ich den Verschluss aufsetzten konnte, musste ich den verdickten Teil des Steckers noch durch das Loch durchbringen, was nochmals etwas unangenehm war.
So betrachtete ich mich mit pochendem Herz im Spiegel und nahm wie in Trance den nächsten Stecker und setzte ihn ein Stückchen weiter oben an. Beim Ansetzten merkte ich, dass ich dort den Knorpel erwischen würde, was auch durch einen Anfangs erheblich größeren Schmerz bemerkbar machte. Ich biss die Zähne zusammen und drückte, so stark ich konnte, bis ich mit wehen Fingerspitzen aufgab. Ich überlegte, wie ich den Stecker besser fassen konnte und da viel mir ein Kopfhöreradapter ins Auge. Ich nahm ihn und wie dafür gemacht passte der Stecker gerade in das Loch. So gerüstet setzte ich wieder an. Mit einem knirschenden Geräusch drang die Spitze ein und mit dem Schwung stach ich ihn gleich durch. Dabei bohrte die Spitze sich etwas in den Finger, den ich Widerlager hinter dem Ohr hatte. Stolz blickte ich in den Spiegel und sah mein nunmehr 8-fach geschmücktes Ohr an. Ich desinfizierte die beiden frischen Stellen gründlich und beschloss, beide vorerst verheilen zu lassen.
Während ich bei den bisherigen Ohrlöchern so gut wie keine Probleme hatte und diese in wenigen Monaten super verheilt waren, machte der letzte Stecker im Knorpel über zwei Jahre Probleme. Lange schmerzte er bei jeder Berührung und war auch diverse Male richtig dick entzündet. Erst als ich dann später auf einen Titanring wechselte, verheilte das Loch richtig. Ich hatte die nächsten Tage noch versucht, mir einen Stecker in die innere Ohrmuschel rein zumachen, musste jedoch aufgeben, das es dort schon beim Ansetzen höllisch schmerzte.
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